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Hamburg Freie Ansichten aus dem Nachbarland

Die Hamburger Kunsthalle zeigt ab heute „Dänemarks Aufbruch in die Moderne“.

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Aus dem Goldenen Zeitalter der dänischen Kultur: „Junge Frau vor dem Spiegel“ (1841), Gemälde von Christoffer Wilhelm Eckersberg (1783-1853).

Quelle: Fotos: Sammlung Hirschsprung

Hamburg. Wenn man als kunstinteressierter Mensch ehrlich ist, muss man zugeben, dass es große weiße Flecken auf der ansonsten farbenfrohen Landkarte der Malerei gibt. So kennt man die französischen Künstler des 19. Jahrhunderts genau, die Niederländer dieser Zeit einigermaßen, aus England ist zumindest William Turner ein Begriff. Aber der nahe Nachbar Dänemark? Nicht einmal Namen wie Nicolai Abildgaard, Martinus Rørbye oder Christoffer Wilhelm Eckersberg sind uns geläufig, dabei repräsentieren sie das Goldene Zeitalter Dänemarks in der ersten Hälfte des 19.

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Wandel zum Impressionismus: Krøyers Bild seiner Frau (1881).

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Jahrhunderts, eine Epoche kultureller Blüte.

Mit Blüten ist das immer so eine Sache — sie verwelken. Und die dänische Kunst geriet Mitte des 19. Jahrhunderts in eine Krise. Während die Strömungen in Mittel- und Westeuropa international wurden, blieben die dänischen Künstler isoliert und malten in ihrem romantischen Nationalstil biedere Landschafts- und Historienmotive.

Der Umschwung kam von der Königlichen Kunstakademie. Die war bereits 1754 gegründet worden, und alles, was in Norddeutschland später zu künstlerischem Ruhm gelangte, hatte Kontakt mit der Lehranstalt. Caspar David Friedrich hatte dort gelernt und Philipp Otto Runge — Hamburg hatte damals keine Akademie. Die Ausstellung „Dänemarks Aufbruch in die Moderne“ in der Hamburger Kunsthalle zeigt jetzt, was der Titel verspricht: die Internationalisierung der dänischen Kunst im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts.

„Die jüngeren dänischen Künstler malten ab den 1880er Jahren Bilder aus dem realen Leben“, sagt Kurator Jenns Howoldt bei der Präsentation, „sie blickten frei von Pathos und Idealismus auch auf den Alltag der Menschen.“ Die harmonisierende Sicht auf die Wirklichkeit wird abgelöst von Bildern, die auch die Mühsal der Arbeit zeigen, ungeschönte Porträts und Innenräume. Die Besucher der Kunsthalle können im Sockelgeschoss der Galerie der Gegenwart nun „flanierend ein Jahrhundert dänischer Kunstgeschichte erfahren“, wie Howoldt erläutert.

Es beginnt mit exemplarischen Bildern aus dem Goldenen Zeitalter. Mit Christoffer Wilhelm Eckersbergers „Junger Frau vor einem Spiegel“ (1841) leuchtet eine Ikone der dänischen Malerei im Hamburger Museum. Doch dann wird schnell das Versprechen der Moderne eingelöst — durch Symbolisten wie Vilhelm Hammershøi oder Impressionisten wie Michael und Anna Ancher, Bertha Wegmann und vor allem mit Peder Severin Krøyer (1851-1909).

Krøyer hatte einen vermögenden Freund, den deutsch-jüdischen Tabakfabrikanten Heinrich Hirschsprung (1836-1908). Der Mäzen finanzierte Krøyer und anderen Malern Studienaufenthalte in Frankreich und Italien. Krøyer wurde dadurch international bekannt. Hirschsprung sammelte in seiner Villa alles, was es damals an dänischer Gegenwartskunst gab, Fotos aus den Wohnräumen zeigen, dass das Haus Bredgade 45 im Kopenhagen Ende des Jahrhunderts mit Kunst vollgestopft war.

Hirschsprung schenkte den ganzen Bestand schließlich dem Staat — mit der Auflage, für die 2388 Werke, darunter 529 Gemälde, ein Museum zu bauen. Er erlebte die Fertigstellung 1911 nicht mehr, aber die Sammlung Hirschsprung ist bis heute das maßgebliche Museum für dänische Kunst, das seinen Bestand bis heute immer wieder erweitert hat.

Von dort kommen die 71 Gemälde und 14 Zeichnungen, die jetzt in Hamburg zu sehen sind. Marianne Saabye, die Leiterin des Kopenhagener Museums, hat erstmals ein solch großes Konvolut verliehen. Nicht ohne Gegenleistung. Zeitgleich sind in ihrem Kopenhagener Haus 60 Gemälde aus dem Bestand der Hamburger Kunsthalle zu sehen, Bilder von Philipp Otto Runge, Caspar David Friedrich, Louis Gurlitt, Max Liebermann, Wilhelm Leibl und Max Klinger.

Und warum hat die Hamburger Kunsthalle keine Werke der Dänen im Bestand? Direktor Hubertus Gaßner versuchte eine kleine Begründung: „Vielleicht sah man den Wald vor Bäumen nicht — Dänemark war eben ,All to nah‘.“

Hamburg & Kopenhagen
„Dänemarks Aufbruch in die Moderne — Die Sammlung Hirschsprung von Eckersberg bis Hammershøi“ wird heute in der Hamburger Kunsthalle eröffnet. 81 Werke aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert sind bis zum 12. Januar im Sockelgeschoss der Galerie der Gegenwart zu sehen. Im Gegenzug hat die Hamburger Kunsthalle der Sammlung Hirschsprung in Kopenhagen Bilder geliehen. Am Montag wird dort „Til låns — Hamburger Kunsthalle gæster Hirschsprung“ eröffnet.

Michael Berger

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