Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 9 ° Regen

Navigation:
Freizeit-Kunst auf hohem Niveau

Groß Grönau Freizeit-Kunst auf hohem Niveau

Groß Grönau fällt mit seinem Angebot auf – und durch den Ausstellungsort aus dem Rahmen: Elf Künstler sind zu Gast im Evangelischen Gemeindezentrum.

Voriger Artikel
Wenn Kunst in die Kiste kommt
Nächster Artikel
60 oder 70 Prozent eines glücklichen Lebens

Klaus Schwinge vor seinen Exponaten: Die Aquarelle und Acrylbilder des Groß Grönauers reichen von gegenständlich bis abstrakt.

Quelle: Foto: Ulf-K. Neelsen

Groß Grönau. Nach den Richtlinien der Aktion „Dörfer zeigen Kunst“ stellen die Künstlerinnen und Künstler in den jeweiligen Dorfgemeinschaftshäusern aus. Dieser Platz ist in der Gemeinde Groß Grönau belegt. So dürfen die Künstlerinnen und Künstler ihre Werke im Gemeindezentrum der Evangelischen Kirche an der Berliner Straße präsentieren. Die Notlösung erweist sich als Gewinn, denn die unterschiedlichen Räumlichkeiten vom Foyer bis zum Saal auf zwei Ebenen lassen es zu, zu polarisieren und zu provozieren.

LN-Bild

Groß Grönau fällt mit seinem Angebot auf – und durch den Ausstellungsort aus dem Rahmen: Elf Künstler sind zu Gast im Evangelischen Gemeindezentrum.

Zur Bildergalerie

Zehn Groß Grönauer und eine Gast-Malerin aus Badendorf stellen unter dem gemeinsam ausgewählten Motto „Monochrom – ? “ aus. Das Fragezeichen im Titel bietet Freiraum und Zündstoff für die Künstler und die Besucher. Denn geht man von der Bedeutung aus, heißt das aus dem Griechischen stammende Wort einfarbig. Monochromatische Darstellungen sucht man jedoch vergebens. Selbstbewusst experimentieren die Nicht-Profis – entweder haben sie noch oder hatten sie einen anderen Beruf – mit diesem Kunstbegriff auf professionellem Niveau.

Siegfried Bauch verblüfft mit seinem Tableau, das aus lauter „Unwörtern“ besteht, sie variieren in ihrer Größe (Hervorhebungen), manche sind farbig umrahmt. Klaus Schwinge nähert sich dem Thema „Monochrom – ?“ mit seinen Aquarellen und Acrylbildern unter dem Aspekt „Perspektive“ und nimmt gezielt Bezug auf Groß Grönau.

Herausfordernd ist die Installation „überflüssig“ von Thorsten Philipps: Auf zwei Podesten – eine Säule schwarz („Schwarzsehen“), eine weiß („Kristallklar“) – umringen Gläser eine Karaffe, mit Kaffee beziehungsweise Wasser gefüllt. Die Gläserrunde auf der Kaffeesäule irritiert mit einem zusätzlichen Glas, gefüllt mit blauer Flüssigkeit. Der Künstler filmt die Besucher beim Betrachten. Die Videomitschnitte werden im Verlauf der Ausstellung mit Einwilligung der Besucher Teil der Installation werden. Der Sozialökonom und Politologe Thorsten Philipps, freiberuflicher Journalist, sagt: „Es geht um Wahrnehmung und Wahrheit.“

Sein Beruf habe ihm drei Jahrzehnte keine Zeit gelassen, sich seinem Hobby, der Fotografie, zu widmen, bedauert Jürgen Blenk. Jetzt ist der 79-Jährige in seinem Element. Er zeigt stürmische Ansichten vom winterlichen Amrum in Schwarz-Weiß und Tableaus zu „Landschaft, Streetart, Architektur und Jetzt“. Der ehemalige Marketing-Experte und Stadtentwicklungsplaner schätzt den Düsseldorfer Foto-Designer Harald Mante, hat Kurse bei ihm besucht.

Ursula Blenk, die Ehefrau von Jürgen Blenk, gestaltet Schmuck. Die ehemalige Grundschullehrerin hatte schon immer ein Faible für kreatives Gestalten. Die 77-Jährige fertigt Ketten aus Edelsteinen, kombiniert sie mit Silber oder Perlen, jedes Stück ein Unikat. Dem Motto „Monochrom –?“ folgt sie, indem sie den Schmuck einfarbig oder Ton in Ton gestaltet. Ihr Lieblingsmaterial ist Polaris, ein Polyesterharz, federleichte Perlen, die mattem Glas ähneln. Schreiend bunt sind die in Action-Painting- Manier entstandenen Bilder von Kristine Wickert, präsentiert an einer karmesinroten Wand – in der Mitte eine Studie in Blau, gemalt auf Sackleinen, kombiniert mit Naturhölzern. Raumfüllend und kontrastiv dazu ist die Skulptur ihres Ehemanns Peter Wickert – geometrische Körper, ganz in Weiß, hängen wie überdimensionale Knochen von der Decke herab.

Provokativ in ihrem unmittelbaren räumlichen Nebeneinander sind die Werke von Ingelies Gaertner und Klaus Hinz – auf der einen Seite „Meditationsgewebe“, auf der anderen „Fraktale“. Hier stehen sich zwei konträre Kunst-Welten gegenüber: innige Werke aus Naturmaterialien, die Spiritualität ausstrahlen, und mathematische Gleichungen, digitale Dateien, die im Labor als faszinierende, farbige, abstrakte Gebilde auf eine Bildfläche gebracht werden.

Dörfer zeigen Kunst

Von morgen bis zum 3. September präsentieren Künstlerinnen und Künstler in den Dorfgemeinschaftshäusern im Kreis Herzogtum Lauenburg ihr vielfältiges Schaffen. Das Spektrum der Werke reicht von Gemälden über Fotografien bis hin zu Skulpturen, Installationen, Webarbeiten und Schmuck.

Die Ausstellungen sind jeweils sonnabends und sonntags von 13 bis 18 Uhr geöffnet.

Die Räumlichkeiten sowie das Rahmenprogramm finden Sie unter

www.doerfer-zeigen-kunst.de

Dorothea Kurz-Kohnert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden