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Freundschaft, Fantasie und Anarchie

Lübeck Freundschaft, Fantasie und Anarchie

Michael Wallner hat aus Mark Twains Geschichten um Tom Sawyer das Weihnachtsstück des Theaters Lübeck geschrieben.

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Lübeck. Mark Twains Geschichten über die Abenteuer von Tom Sawyer und Huckleberry Finn sind unsterblich. Am Theater Lübeck kommen sie morgen als Weihnachtsmärchen auf die Bühne.

Ein Klassiker

Mark Twain (1835-1910) beschreibt in seinem Jugendbuchklassiker „Die Abenteuer des Tom Sawyer“ Begebenheiten, die er als Kind in seiner Heimatstadt Hannibal, Missouri, selbst erlebt hatte.

Der Autor benutzte in dem 1886 veröffentlichten Roman Alltagssprache und damals übliche Kraftausdrücke. Deshalb kam das Buch in den USA zunächst auf den Index.

Die Bühnenfassung hat Michael Wallner geschrieben, er führt auch Regie. Der Österreicher ist ein bekennender Fan der Abenteuergeschichten: „In meiner Kindheit habe ich die Bücher über Tom Sawyer und Huck Finn sehr oft gelesen, ich war immer wieder begeistert. Und als Pit Holzwarth mich gefragt hat, ob ich die Geschichten auf die Bühne bringen wolle, habe ich sofort zugesagt.“

Nicht alles in Mark Twains Geschichten ist kindgerecht. Es geschieht ein Mord, der Bösewicht Indianer-Joe stirbt in der Schatzhöhle einen schlimmen Tod. Wie bringt man diese Details in einem Weihnachtsmärchen unter, ohne die Kinder – das Stück ist für Siebenjährige und Ältere gedacht – zu verschrecken? Wallner: „Wir haben eine Figur neu erfunden, nämlich die gute Fee vom Mississippi. Sie heißt Miss Yssippi und taucht immer wieder mit Gesang auf, wenn das Geschehen zu drastisch wirken könnte. Wir haben an den kritischen Stellen Lieder eingebaut, die die Stimmung beruhigen sollen.“

Was ist das Faszinierende an den beiden Jungen, deren Abenteuer seit 140 Jahren Kinder in aller Welt in ihren Bann ziehen? „Es ist die Macht der Fantasie“, sagt Michael Wallner. „Tom und Huckleberry haben einen Traum, den wir alle haben, nämlich den Traum von Freiheit. In ihrer Fantasie erleben sie die tollsten Abenteuer, bis sie dann in einem echten Abenteuer landen, das sie dann auch bestehen.“

Tom lebt bei seiner strengen Tante Polly und muss sich zu Hause immer anständig benehmen, nur wenn er mit seinem Kumpel Huck unterwegs ist, darf er so sein, wie er will. Huck wiederum lebt in einem Fass wie einst Diogenes und schert sich nicht um Konventionen. „Huck lebt die Anarchie, von der die anderen nur träumen“, sagt Autor und Regisseur Wallner. „Wenn die beiden Freunde am Ende tatsächlich den Schatz finden, den Indianer-Joe versteckt hat, will er von dem Geld nichts haben, er will einfach seine Ruhe in seinem Fass haben.“

Einen Handlungsstrang betont Wallner außerdem: Die Beziehung von Tom zu Becky Thatcher. „Tom und Huck sind ja kurz vor dem Erwachsenwerden, und da ist es ganz normal, dass sie sich den Mädchen zuwenden“, sagt er. „Das hat mehr mit Freundschaft als mit Erotik zu tun. Freundschaft ist ja sowieso eines der zentralen Themen in den Büchern und in unserem Stück.“

Michael Wallner hat sich auf den ersten Band von „Tom Sawyer“ beschränkt. Warum? „Im zweiten Teil ist Huckleberry mit dem entlaufenen Sklaven Jim unterwegs, das ist schwierig auf die Bühne zu bringen. Im ersten Teil passiert ganz einfach mehr, er ist viel dramatischer.“

Eine Szene, die zu den witzigsten überhaupt gehört, lässt Wallner ganz weg. Als Tom nach einer Prügelei mit zerrissenem Hemd nach Hause kommt, verdonnert ihn Tante Polly dazu, den Zaun zu streichen.

Als die anderen Kinder des Ortes ihn deshalb auf den Arm nehmen wollen, redet Tom ihnen ein, dass Zaunstreichen eine hohe Kunst ist. Die Kinder zahlen sogar dafür, den Zaun streichen zu dürfen – Tom ist fein raus. „Die Szene ist toll, aber sie hätte ganz einfach zu lange gedauert, deshalb mussten wir sie leider streichen.“ Wie manche anderen Szenen auch, die Produktion wird ungefähr 70 Minuten dauern, genau die richtige Länge für Kindertheater.

In was für einer Szenerie werden sich die Helden und ihre Widersacher bewegen? Michael Wallner: „Es ist ein eher abstraktes Bühnenbild, das die eigene Fantasie anregen soll. Der Mississippi ist immer zu sehen, als leuchtendes Band mit vielen Schlaufen, ganz wie der richtige Fluss. Ich bin sicher, dass sich Kinder ab sieben Jahren in dieser Szenerie zurechtfinden.“

Die nächsten Vorstellungen sind am Sonntag, 4. Dezember, um 11, 14 und 17 Uhr. Weitere Termine gibt's auf der Internetseite des Theater Lübeck.

 Jürgen Feldhoff

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