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„Freyheit, Gleichheit und Demokratie“

Lübeck „Freyheit, Gleichheit und Demokratie“

Aus den Tagebüchern des Hamburger Juristen Ferdinand Beneke — Ein Vortrag mit Jan Philipp Reemtsma.

Lübeck. Ferdinand Beneke (1774-1848) führte 56 Jahre lang Tagebuch. Detailreich notierte er, was er erlebte, was er beobachtete, was sich politisch ereignete. Seine Aufzeichnungen, die 5000 Seiten umfassen, gelten als einzigartiges Zeugnis des deutschen Bürgertums von der Französischen Revolution bis kurz vor der Märzrevolution 1848. Auch über Lübeck äußerte sich Beneke. Darüber soll am kommenden Montag berichtet werden.

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Jan-Philipp Reemtsma

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Der Sozialwissenschaftler Jan Philipp Reemtsma wird aus den Tagebüchern Benekes lesen. Die Veranstaltung im Kolosseum dient dazu, die ersten fünf bereits erschienenen Bände einer Edition von insgesamt 20 Bänden vorzustellen, ein Projekt, das Reemtsma mit seiner Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur ermöglichte. Seit 2001 arbeiten Historikerinnen und Historikern an der Rekonstruktion, Transkription, Kommentierung und Erforschung des Beneke-Nachlasses.

Ferdinand Christoph Beneke, am 1. August 1774 in Bremen als Sohn eines Kaufmanns geboren, war Jurist von Beruf — und in jungen Jahren ein glühender Anhänger der Französischen Revolution. Seine Ideale sind „Freyheit, Gleichheit und Demokratie“. Er trägt sich mit dem Gedanken auszuwandern, nach Frankreich oder nach Amerika, verwirft aber solche Überlegungen. 1796 lässt Beneke sich als Advokat in Hamburg nieder. Begeistert schreibt er über seine Ankunft: „Da lag sie vor mir, meine künftige Vaterstadt, in ihrer ganzen venezianischen Pracht (...) Welch ein Anblick, als wir die zahllosen Schiffsreihen vorbeyfuhren, das Gewimmel dieser kosmopolitischen Wasserstadt ansahen, die verschiedenen Sprachen hörten.“ In Hamburg gelingt es Beneke schnell, ein Netzwerk zu knüpfen. 1797 erwirbt er das Bürgerrecht. Auch sozial engagiert er sich, wird ehrenamtlicher Armenpfleger.

Als 1806 französische Truppen Hamburg besetzen, wandelt sich Benekes anfängliche Begeisterung für Napoleon ins Gegenteil. „Nun trat auch ein deutscher Nationalismus zu seinem stadtstaatlichen Patriotismus und der Idee einer Erneuerung der Hanse als Bündnis zwischen Hamburg, Bremen und Lübeck“, schreibt die Beneke-Edition auf ihrer Homepage.

„Es blühe die Freyheit!“ — Streifzüge durch den Tagebuchkosmos des Ferdinand Beneke (1774-1848), mit Jan Philipp Reemtsma und Frank Hatje, Montag, 19.30 Uhr, Kolosseum, Eintritt frei

LN

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