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Friedhelm Döhls romantische Klangwelt

Lübeck Friedhelm Döhls romantische Klangwelt

Anfang Juli ist er 80 Jahre alt geworden, am vergangenen Sonntag fand das vorerst letzte Konzert für Friedhelm Döhl zu seinem runden Geburtstag statt.

Lübeck. Anfang Juli ist er 80 Jahre alt geworden, am vergangenen Sonntag fand das vorerst letzte Konzert für Friedhelm Döhl zu seinem runden Geburtstag statt. Eine Matinee im Kolosseum hatte der Verein „Neue Musik im Ostseeraum“ auf die Beine gestellt – eine gute Möglichkeit, einige der herausragenden Werke Döhls zu erleben.

 

LN-Bild

Komponist Friedhelm Döhl.

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Zu Beginn erklang ein Werk, das die enge Beziehung von Friedhelm Döhls Musik zur Romantik verdeutlicht. Sein Notturno für Akkordeon und Kontrabass spielt mit Klangfarben und Stimmungen, ohne sich ins Ungefähre zu verlieren. Felix Kroll (Akkordeon) und Heiko Maschmann (Kontrabass) legten die Architektur und die empfindsame Schönheit dieses Werks aus dem Jahr 1995 frei.

Die von Friedrich Hölderlin hinterlassenen lyrischen Fragmente wurden erst Anfang des 20. Jahrhunderts als Kunstwerke akzeptiert. Döhls Zyklus „wenn aber“ (1969) nimmt Hölderlin-Fragmente als Vorlagen für vom Klavier begleitete Lieder, die mit Prägnanz und großer Kunst der Einfühlung die Essenz dieser Lyrik nicht nur wiedergeben, sondern erweitern und verdeutlichen. Das Fragment als autonomes Kunstwerk: In Döhls Liedern wird aus einer These künstlerische Realität. Dieter Müller (Bariton) und der Pianist Matthias Lassen trugen die Hölderlin-Lieder mit großer Empathie vor, Möllers für einen Bariton erstaunliche stimmliche Höhe tat ein übriges, diesen Programmpunkt zu einem der Höhepunkte der Matinee zu machen.

Auf derselben Höhe standen Friedhelm Döhls Celan-Lieder. Die Gedichte Paul Celans gehören neben denen von Nelly Sachs zu dem Größten, was die deutschsprachige Nachkriegsliteratur hervorgebracht hat.

Friedhelm Döhls Vertonungen spüren dem in gewissem Sinne unwirklichen Grund dieser Gedichte nach. Sie verwandeln diesen poetischen Urgrund, der nicht mehr ganz von dieser Welt zu sein scheint, in eine Musik, die zutiefst ergreift und bewegt – vor allem, wenn sie so intensiv und musikalisch vorgetragen werden wie von Dieter Müller und Matthias Lassen. Nach diesen Liedern wäre betroffenes Schweigen und Staunen angebrachter gewesen als Applaus.

Den verdiente sich zum Abschluss des Konzertes nochmals Maschmann mit Döhls Canti für Kontrabass solo (1998). Sein Spiel war ebenso virtuos wie eindringlich, der romantische Impetus auch dieser Komposition wurde erkennbar. Das Publikum im Kolosseum war begeistert.

Jürgen Feldhoff

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