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Kultur im Norden „Frontalangriff auf die Ohren“
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19:12 11.01.2018

„We are Motörhead and we play rock’n’roll“ – es war immer dieser eine Satz, mit dem die Band nahezu stoisch ihre Konzerte eröffnete, und Momente wie diese waren wichtig, weil sie das Publikum quasi in Schallgeschwindigkeit in eine Zeit katapultierten, in der alles begann, in eine Zeit, in der das Riff das Maß aller Dinge war.

Die Nachricht machte gestern in Sekunden die Runde, weltweit bekundeten die Menschen ihre Trauer. Motörhead-Gitarrist „Fast“ Eddie ist tot – er war der letzte Überlebende der Kultbesetzung. Mit dem Tod des 67-jährigen Gitarristen geht eine Ära zu Ende.

Selbst Menschen, die gar nicht Gitarre spielen konnten, bekamen es auf einer Saite hin, und es war gerade die Schlichtheit und die Eingängigkeit, die etwa aus „Smoke On The Water“ einen Jahrhundertsong und Deep Purple zu einer der einflussreichsten Hardrock-Bands machten.

„Ich glaube wir haben mit unserer Musik gewissermaßen den Weg geebnet“, sagte später Drummer Ian Paice. Die 1968 im englischen Hertford gegründete Band Deep Purple hatte vor rund fünf Dekaden die harte Spielart des Rock auf den Weg gebracht.

Sie ist aber nicht die einzige Band, die diesen Stil mitgeprägt hat. Neben Deep Purple gehörten auch Led Zeppelin und natürlich Black Sabbath dazu. Diese drei Combos gelten als die Urväter eines neuen Sounds, der härter war als alles andere zuvor. „Unser erstes Album sollte ein Frontalangriff auf die Ohren werden, mit einem Sound, den man so noch nie gehört hatte: radikal, intensiv und roh“, sagte Led-Zeppelin-Gitarrist Jimmy Page.

„Es begann damit, als der klassische Marshall-Verstärker erfunden war und der Gitarrensound so klang wie auf der ersten Led Zeppelin oder Deep Purples ’In Rock’“, sagt Götz Kühnemund. Der 51-Jährige ist Journalist und kennt sich mit Hardrock und Heavy Metal aus. „Da kam dieser typische Gitarrensound auf, der alle süchtig gemacht hat“, verdeutlicht der frühere Chefredakteur des „Rock Hard“ und jetzige Boss des Metalmagazins „Deaf Forever“.

Selbst nach all den Jahren füllen Deep Purple und andere alte Schwergewichte noch die Konzertsäle und sind ständiger Gast auf den großen Rock-Festivals. Wie Kühnemund würden wohl auch viele Fans ihr Erweckungserlebnis mit der Droge Hardrock beschreiben: „Das erste Riff, das ich in meinem Leben gehört habe, hat mich so elektrisiert, dass ich diesen Moment immer wieder haben möchte.“

Den Hardrock und seine Fans zeichnet eine Beständigkeit und ein bestimmter Wertekonservatismus aus, der ein Gegenmodell zum Zeitgeist mit seinen rasch wechselnden Moden und Meinungen darstellt. „Der Bedarf nach authentischen Dingen wächst, je mehr sich alles auf Schnelllebigkeit ausrichtet“, sagt Kühnemund.

Für Hypes sind Hardrocker wenig empfänglich. Dieses Traditionsbewusstsein verhalf dem Genre auch, sich gegen später aufkommende Krisen zu wappnen. Zunächst entwickelte sich der Hardrock aber weiter zum Heavy Metal und brachte in den 1980er Jahren Megastars wie Metallica oder Guns n’Roses hervor. Die beriefen sich auf Vorreiter wie Black Sabbath oder Deep Purple. „Sie waren mein musikalisches Rückgrat, als ich sie im Alter von neun Jahren das erste Mal gehört habe“, sagte Metallica-Drummer Lars Ulrich über Deep Purple.

Dank einem veränderten Medienzeitalter und einem Musiksender wie MTV avancierten Guns n’Roses Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre, zu den letzten Superstars des Hardrock-Business. Die Gunners lebten das Klischee des Sex, Drugs & Rock’n’Roll-Lifestyles wie kein anderer Vertreter und schafften es, ins Bewusstsein des Normalbürgers vorzudringen.

Erst Kurt Cobain und die Grungewelle bescherten dem Metal in den 1990er Jahren eine Identitätskrise. Plötzlich war es uncool, Hardrocker zu sein. „Das lag auch daran, dass die Mädels umgeschwenkt sind, weil Grunge tanzbarer war“, erinnerte sich Kühnemund. Aber der Metal hat diese Krise einfach ausgesessen. Und das plötzliche Interesse des Mainstreams am früher verpönten Heavy Metal hat dazu beigetragen: Über das Phänomen Wacken-Festival mit seinen etwa 80

000 Besuchern hat sogar das „Heute-Journal“ berichtet. Retro-Rockbands wie Graveyard und Blues Pills tragen neben Airbourne oder The Darkness das Erbe weiter. Und die Fans müssen nicht auf die Klassiker verzichten: Guns n’Roses mobilisieren nach der Reunion von Axl Rose mit Slash und Duff McKagan die Massen fast so wie zu ihrer Hochphase vor gut 25 Jahren. Und Deep Purples aktuelles Album „inFinite“ stürmte auf Platz eins der Album-Charts.

Von Matthias Bossaller

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