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„Früh aufstehen, nicht aufgeben“

Lübeck „Früh aufstehen, nicht aufgeben“

Die Deutsche Filmakademie zeichnet Kinoproduzentin Regina Ziegler für ihr Lebenswerk aus – ein Gespräch über ihr Geschäft, Lebenslust und Udo Jürgens.

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Die kurzen roten Haare sind ihr Markenzeichen: Regina Ziegler (72), erfolgreichste deutsche Filmproduzentin, wird am Freitag für ihr Lebenswerk geehrt.

Quelle: Karin Kohlberg

Lübeck. Frau Ziegler, wir reden am Telefon: Wo stecken Sie gerade?

Regina Ziegler: Auf Mallorca. Ich bereite die Dreharbeiten für den ZDF-Film „Von Erholung war nie die Rede“ nach dem Roman von Andrea Sawatzki vor. Der erste Teil „Tief durchatmen, die Familie kommt“ hatte 6,5 Millionen Zuschauer. Bei so viel Erfolg müsse es eine Fortsetzung geben, hat das ZDF gesagt. Ich habe Mallorca als Drehort ausgesucht, und alle Beteiligten waren sofort dafür.

Und was genau machen Sie auf Mallorca?

Ziegler: Ich führe Verhandlungen mit den Besitzern der verschiedenen Drehorte.

Sie reisen viel an Drehorte – auch deshalb, weil Sie Angst haben, dass die Filmemacher zu viel Geld ausgeben?

Ziegler: Nein, so sind die meisten Regisseure nicht. Ich fahre auch nicht zu jedem Drehort. Zum Beispiel dreht Volker Schlöndorff gerade in New York „Return to Montauk“ mit Nina Hoss, Susanne Wolff und Stellan Skarsgård. Da freue ich mich auf die Dreharbeiten in Berlin. Tatsächlich ist es aber auch nicht leicht, Kunst und Kasse in Übereinstimmung zu bringen. Qualität kostet oft mehr, als die Budgets hergeben.

Schaut eine Produzentin immer nur aufs Geld?

Ziegler: Ich habe in erster Linie nie aufs Geld geguckt, sondern auf die Qualität. Natürlich schaut eine Produzentin täglich auf die Muster. Spätestens wenn ich den Rohschnitt eines Films sehe, weiß ich, ob er gelungen ist.

Wie haben Sie sich über 43 Jahre Ihre Begeisterung bewahrt?

Ziegler: Das hat mit meiner Lust am Leben zu tun.

Wie war das damals, so ganz allein unter Männern?

Ziegler: Ich bin ausgesprochen skeptisch beäugt worden. Aber dann habe ich gemerkt, dass die Männer mich gut leiden können. Der Regisseur Ulrich Schamoni hat gesagt: Die Ziegler ist wie ein Silberstreif am Männerhorizont. Geholfen hat mir, dass schon mein erster Film „Ich dachte, ich wäre tot“ 1973 für Furore gesorgt hat.

Und heute? Leben wir im Goldenen TV-Zeitalter?

Ziegler: Kommt drauf an. Wenn Sie das Binge Watching von Serien meinen, dann ja. Für mich ist Fernsehen generell dann interessant, wenn es Geschichten zeigt, die mich betreffen und berühren.

Das können natürlich auch Serien sein.

Wie oft kommt es denn vor, dass ein Film Sie berührt?

Ziegler: Eigentlich immer. Ich denke etwa an „Der Mann mit dem Fagott“, „Weissensee“, „Im Schatten der Macht“ oder „Der Verleger“. Oder nehmen Sie „Kommissarin Heller“, die jüngste ZDF-Folge hatte sieben Million Zuschauer.

Glauben Sie an die Zukunft des Kinos?

Ziegler: Wenn ich nicht daran glauben würde, dann würde ich keine Kinofilme produzieren. Dann würden meine Tochter Tanja und ich auch kein Kino besitzen. Wir betreiben die „Filmkunst 66“ in Berlin.

Sie lehren auch an der Filmuniversität Babelsberg: Welches ist Ihr wichtigster Rat für Studierende?

Ziegler: Ich mache ihnen klar, dass Produzieren Teamarbeit ist und dass die Bretter in diesem Geschäft besonders dick sind. Man braucht Fantasie und Geduld, Ideen und ein Gefühl für Routine.

Also: früh aufstehen, professionell arbeiten, nicht aufgeben!

Sie haben viele Preise gewonnen. Zählen Sie Ihre Auszeichnungen?

Ziegler: Ich zähle nicht meine Preise, ich zähle lieber meine Produktionen. Und da bin ich bei 492.

Erinnern Sie sich an einen besonders bewegenden Moment Ihrer Karriere?

Ziegler: Als ich das Leben von Udo Jürgens verfilmt habe, wollte Udo zwischendurch aufgeben. Es ist ziemlich kompliziert, eine Familiengeschichte zu verfilmen, wenn die Familie noch lebt. Am liebsten hätte er die Filmrechte von „Der Mann mit dem Fagott“ von mir zurückgekauft. Aber als wir endlich bei der Rohschnittabnahme in Hamburg zusammensaßen, haben wir Händchen gehalten, und er hatte feuchte Augen.

Ehrung und Ausstellung

Regina Ziegler gilt als die erfolgreichste unabhängige Produzentin Deutschlands. Die 1944 geborene Tochter einer Journalistin und eines Brunnenbauers gründete 1973 ihre eigene Produktionsfirma. Heute führt sie das Unternehmen Ziegler-Film zusammen mit ihrer Tochter Tanja. Am 27. Mai erhält Regina Ziegler die Ehren-Lola für herausragende Verdienste um den Deutschen Film.

Ausgestrahlt wird die Gala des Deutschen Filmpreises um 22 Uhr in der ARD. Die Deutsche Kinemathek widmet der Preisträgerin bis zum 19. Juni eine Ausstellung im Filmhaus am Potsdamer Platz in Berlin.

Interview: Stefan Stosch

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