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„Für mich ist Stille oft die schönste Musik“

Lübeck „Für mich ist Stille oft die schönste Musik“

Premiere in der Lübecker MuK: Der junge Krzysztof Urbanski als Erster Gastdirigent der NDR-Sinfoniker.

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In diesem Jahr zum zweiten Mal in Lübeck: Dirigent Krzysztof Urbanski (33).

Quelle: Olaf Malzahn

Lübeck. Der Pole gehört mit seinen 33 Jahren zwar der jüngsten Dirigenten-Generation an, doch Krzysztof Urbanski ist im Konzertbetrieb bereits sehr begehrt — im Metier, in dem überwiegend ältere Herren den Takt angeben, eine Ausnahmeerscheinung. In diesem Jahr wurde er beim Schleswig-Holstein Musik Festival in Lübeck mit dem Leonard Bernstein Award ausgezeichnet, er steht dabei in einer Reihe mit dem Pianisten Lang Lang und dem Schlagzeuger Martin Grubinger.

Noch bevor er in die ganz hohen Sphären der klassischen Musik entschwand — im vergangenen Jahr gab er ein spektakuläres Debüt bei den Berliner Philharmonikern —, haben sich die NDR-Sinfoniker die Dienste des Nachwuchstalents gesichert. Seit dieser Konzertsaison ist Urbanski Nachfolger des US-Amerikaners Alan Gilbert als Erster Gastdirigent. Große Fußstapfen — Gilbert, der Chefdirigent der New Yorker Philharmoniker ist, gilt als großer Charismatiker.

Am Freitag gibt Urbanski in der neuen Rolle sein Debüt in der Lübecker Musik- und Kongresshalle. Auf dem Programm: die Sinfonische Dichtung „Heldenlied“ von Antonin Dvorak, das Konzert für Klavier, Trompete und Streicher von Dmitri Schostakowitsch (Solisten: Dejan Lazic, Klavier, und Guillaume Couloumy, Trompete) sowie die populären „Bilder einer Ausstellung“ von Modest Mussorgski in der Orchesterfassung von Maurice Ravel.

Urbanski, der auch modisch sehr bewusst auftritt, werde mit seiner Dynamik auch junge Leute in die Konzertsäle holen, verspricht sich der NDR. Seine Gesten sind expressiv, er kann am Pult tänzeln und die Musik in Bewegung übersetzen. Berechnung sei das nicht, versichert er: „Niemals würde ich beim Dirigieren eine vorbereitete Choreographie machen. Ich reagiere immer spontan auf das Orchester.“

Urbanski, 1982 in der Kleinstadt Pabianice in der Nähe von Lodz geboren, begann mit zwölf Jahren Horn zu spielen. Bald komponierte er auch. Und da er sofort hören wollte, wie seine Stücke klingen, trommelte er befreundete Musikschüler zusammen und leitete das kleine Orchester selbst.

2010 trat Urbanski seine Stelle als Chefdirigent des Trondheim Symfoniorkester in Norwegen an, seit vier Jahren ist er zudem Musikdirektor des Indianapolis Symphony Orchestra in den USA. Er habe dabei selbst erlebt, wie Orchestermusiker einen jungen Kapellmeister drangsalieren können, der noch nicht die große Reputation habe. „Sie testen aus, wie weit sie gehen können, bis er weinend zusammenbricht.“ Diese Phase hat Urbanski allerdings längst hinter sich.

Bei allen Umtrieben, die das Leben zwischen Skandinavien, den USA und Norddeutschland mit sich bringt, ist ihm die Welt da draußen oft zu laut ist. Kaufhausmusik-Gedudel sei für ihn eine Qual: „Ich trage oft Ohrstöpsel“, sagte er einem NDR-Reporter. „Für mich ist Stille oft die schönste Musik. Und ich brauche die Stille, um mich auf Musikstücke vorzubereiten. Ich habe ein Zimmer zu Hause, das besonders schallgedämpft ist. Da sitze ich dann, schließe die Augen und öffne meinen Geist.“

Konzert des NDR-Sinfonieorchesters: Freitag, 11. Dezember, Musik- und Kongresshalle Lübeck, 19.30 Uhr.

mib

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