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„Funkyness ist einfach in mir drin“

Lübeck „Funkyness ist einfach in mir drin“

Eine starke Newcomerin: Sängerin und Gitarristin Kiddo Kat kommt zum Lübecker Trave Jazz Festival.

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Die Veranstalter des Trave Jazz Festivals 2016 vor dem Schuppen 6 (v. l.): Dominik Steinhagen, Felix Griese, Stefan Goes und Michael Weiß.

Quelle: Olaf Malzahn

Lübeck. Beim Trave Jazz Festival werden Jazz-Leute wie die Heavytones aus der Stefan-Raab-Show oder die NDR- Bigband auf der Bühne stehen. Wie fühlen Sie sich in einem solchen Biotop?

LN-Bild

Eine starke Newcomerin: Sängerin und Gitarristin Kiddo Kat kommt zum Lübecker Trave Jazz Festival.

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Kiddo Kat: Dass ich in einem Doppelkonzert mit den Heavytones auftreten kann, das ehrt mich sehr. Ich bewundere diese Band. Ich bin nicht wirklich Jazz-Musikerin, aber Funk-Einflüsse sind in meinen Stücken zu hören. Und Funk kommt ja wie alles Gute in der Musik aus dem Jazz.

Eher aus dem Blues...

Kiddo Kat: Okay, aus dem Blues, einverstanden. Ich fühle mich unter Jazz-Musikern auf jeden Fall sauwohl.

Bekannt geworden sind Sie mit einem Youtube-Video aus der Frankfurter S-Bahn. Sie haben dort mit der Cajón-Spielerin Heidi Joubert „Kiss“ von Prince aufgeführt. Wie kam es zu diesem Auftritt?

Kiddo Kat: Wir waren unabhängig voneinander auf der Musikmesse in Frankfurt und haben da gearbeitet. Ich habe Effektgeräte präsentiert, Heidi diese Cajón, Kistentrommeln. Und weil wir beide so allein unterwegs waren, haben wir uns zusammengetan. Abends auf der Fahrt zum Hotel in der S-Bahn waren wir noch ganz im Party-Modus und haben spontan angefangen, Musik zu machen. Weil die Leute im Waggon näher kamen, um zu gucken, was die beiden bekloppten Mädchen da tun, haben wir insgesamt vier Songs gespielt.

Und bei „Kiss“ sprang auch noch ein Fahrgast mit ein, einer mit toller Stimme...

Kiddo Kat: Das war der besondere Moment, der das Video dann auch aufgewertet hat. Man erreicht so ziemlich viele Leute.

74 Millionen Views wurden allein auf Facebook gezählt. Sind Sie jetzt berühmt?

Kiddo Kat: Also, ja, in gewissem Sinne, vielleicht. Wir leben in einem komischen Zeitalter, in dem das Internet gewisse Phänomene extrem beschleunigt. Für mich ging alles sehr schnell, 35000 Likes auf Facebook hätte ich mir vorher nicht mal im Traume vorstellen können. Ich habe jetzt eine enorme Reichweite mit meinen Songs und meinen Auftritten. Eine starke Fanbase erleichtert vieles – auch für mein erstes Album, das demnächst herauskommt.

Das Album wollen Sie mit Crowdfunding finanzieren. Wer es im Voraus bezahlt, ermöglicht seine Entstehung. Wie weit ist das Projekt gediehen?

Kiddo Kat: Das geht noch zwei Wochen, und es läuft ganz gut. Wir haben schon 70 Prozent der Kosten eingeworben. Ich habe bereits die EP „Why Am I So Funky“ selbst produziert, und ich sag mal so:

Mein Sparschwein hat es nicht überlebt.

Der Song von der EP „Let Me Handle That“ klingt schon ziemlich lässig und abgeklärt. Und wie beantworten Sie die Frage des zweiten von Ihnen komponierten und getexteten Titel „Why Am I So Funky“?

Kiddo Kat: So genau kann ich das gar nicht sagen, die Funkyness ist einfach in mir drin und kommt ungefiltert aus mir raus. Ich habe viele Einflüsse verarbeitet – die Heavytones gehören auch dazu, die grooven und gehen ab wie Schmidts Katze.

Sie sind von Berlin nach Hamburg gezogen, um am Popkurs an der Musikhochschule mitzumachen. Ziemlich viele Bands und Musiker haben solch einen Kurs durchlaufen. Der Erfolg im Pop entspringt nicht mehr Kellerlöchern und Garagen. Wie kommt’s?

Kiddo Kat: Mit akademischer Bildung hat der Popkurs nicht viel zu tun. Das ist eher ein Bootcamp für Musiker, sechs Wochen Intensivkurs, wo die unterschiedlichsten Typen und Musikstile aufeinanderprallen. Ich bin also immer noch keine studierte Musikerin. Mit 13 habe ich meine erste Band gegründet, ein bisschen klassischen Gitarrenunterricht gehabt – das ist genug Ausbildung.

Eine Frage können wir Ihnen nicht ersparen – warum das Pseudonym Kiddo Kat? Klingt ein wenig nach Katjes-Konfekt oder niedlichem Nachwuchs.

Kiddo Kat: Als Musikerin, die nicht deutsche, sondern englisch Texte singt, muss man sich etwas einfallen lassen – Anna Guder klingt eben nicht funky. Wenn ich Christina-Stürmer- Musik machen würde, wäre das kein Problem. Ich habe mir überlegt, was zu mir passt. Und weil ich immer ein wenig kindlich und verrückt bin, ist „Kiddy“ oder eben „Kiddo“ nicht schlecht. Und „Kat“ steht für die coole Groove-Katze in mir.

Apropos „cool“: Im Song „Kiss“ von Prince heißt es: „You don’t have to be rich to be my girl / You don't have to be cool to rule my world“. Muss denn alles cool sein?

Kiddo Kat: Wenn ich an das Jazzfestival im September denke – die Musik dort kann man auch ohne Coolness genießen. Aber ich habe mir viel Gedanken über mein Image gemacht, und meine Musik soll eben cool sein.

Zum dritten Mal Jazz an der Trave

Michael Weiß und sein Team (s. o.) präsentieren vom 8. bis zum 11. September zum dritten Mal das Trave Jazz Festival. Ihr Programm stellt einen Mix aus national wie international etablierten und regionalen Musikern dar. Neben Kiddo Kat treten vor und im Schuppen 6 auf: das David Grabowski Quartett, die Heavytones, die NDR-Bigband, Su Terry (Saxofon) und Vladyslav Sendecki (Klavier) sowie das Tingvall Trio.

Karten im Pressezentrum Lübeck, Breite Straße 79, im Internet auf www.ticketmaster.de

• Das vollständig Programm: www.travejazz.de

Interview: Michael Berger

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