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Geben und Nehmen auf Wikipedia

Lübeck Geben und Nehmen auf Wikipedia

Seit Anfang 2001 gibt es das Online-Lexikon. Ungezählte Autoren schreiben die Artikel. Auch der Lübecker Thiemo Schuff.

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Das Wikipedia-Logo steht seit 15 Jahren für weltweite Wissensvermittlung im umfangreichsten Online-Lexikon.

Lübeck. Er ist Träger des Schwimmabzeichens „Seepferdchen“. Er spielt Tetris und isst gern Pizza. Und seit 3693 Tagen ist er angemeldet. Bei Wikipedia. Solche Informationen stehen auf Thiemo Schuffs „Benutzerseite“ der Online-Enzyklopädie. Seit 2007 bastelt der 38 Jahre alte Lübecker unter dem Pseudonym „Starwhooper“ mit an dem weltweit größten Lexikon, das jetzt seinen 15. Geburtstag gefeiert hat. Das konnte nur so groß werden, weil sich jeden Tag auf der ganzen Welt Menschen hunderttausendfach die Mühe machen, Artikel zu schreiben und zu aktualisieren — ohne dafür explizit genannt oder gar bezahlt zu werden. Menschen wie Thiemo Schuff eben.

Bei ihm erwuchs das Wikipedia- Autorendasein aus einer Diskussion mit seiner Frau um „Granité“. „Ich sagte, es sei ein Getränk aus zerstoßenem Eis“, erzählt Schuff. Er schaute damals bei Wikipedia nach — und fand: nichts. Kurzfristig legte der IT-Berater selbst einen Artikel an, der zunächst wieder verschwand und heute in abgewandelter Form als „Granita“ zu finden ist.

Administratoren merzen Fehler aus

„Alles, was zu speziell ist, wird gelöscht“, sagt Schuff. „Da sind die in Deutschland noch viel strenger als beispielsweise beim US-amerikanischen Wikipedia.“ „Die“ sind die Administratoren, die rund um die Uhr umstrittene Artikel und viele Änderungen überwachen. „Fehler fallen da schnell auf“, sagt Schuff. „Auch Artikel über Unternehmen, die zu lang oder zu positiv sind, werden gekürzt und umgeschrieben.“

Auch Fotos, die möglicherweise gegen das Urheberrecht verstoßen, fliegen sofort auf — das hat Schuff ebenfalls schon erlebt. Ein Bild von kleinen Tabletop-Figuren hatte er zwar selbst gemacht, doch an den Figuren selbst hatte er kein Urheberrecht. „Das wurde sofort rausgegriffen“, sagt er.

Die Zuverlässigkeit von Wikipedia ist besser als ihr Ruf; das Online-Lexikon ist laut Schuff geradezu eine Bastion der neutralen Information zwischen Twitter, Facebook und anderen sozialen Meinungsmedien. „Man hat im Internet grundsätzlich zwei Wege, sich zu einem bestimmten Thema zu informieren; entweder durch Foren oder durch das Online-Lexikon“, sagt er. „Sich in Foren durch Meinungen zu lesen und sich selbst ein Gesamtbild zu machen, ist zum Teil sehr mühselig, aber auf Wikipedia bieten die Artikel meist eine aktuelle, gut zusammengefasste Übersicht mit weiterführenden Links.“

Fast jeden Tag ist Schuff auf Wikipedia unterwegs, und wenn ihm etwas auffällt, redigiert oder ergänzt er es. Formatierungsfehler, fehlende und falsche Informationen, fehlende Bilder. Nach dem ersten Eintrag zu „Granité“ ging es einfach Schritt für Schritt weiter — auch wenn bei knapp zwei Millionen deutschen Artikeln eigentlich kaum noch etwas ganz neu angelegt werden muss.

„Ich war neu in Lübeck und wollte meinen Stadtteil besser kennenlernen“, sagt Thiemo Schuff. Da Kücknitz bei Wikipedia auch noch unterrepräsentiert war, fuhr er einen ganzen Nachmittag herum und fotografierte die Denkmäler und lud sie anschließend mit Beschreibungen als gemeinfreie Fotos hoch.

Das Benutzerprofil erhöht die Glaubwürdigkeit

Viele seiner Bilder tauchen inzwischen schon an anderen Stellen wieder auf. „Wenn man dann so etwas sieht, ist das eine schöne Rückmeldung“, sagt Schuff. „Es ist auf Wikipedia eben ein Geben und Nehmen: Jeder lässt etwas von seinen Hobbys und seinem Beruf einfließen, aber man bekommt auch etwas zurück.“

Wenn der Vater mit seinen Kindern wieder einmal den Hansapark besucht hat, werden die Neuheiten von dort nachgetragen, auch der Artikel zum Technischen Hilfswerk (THW), wo Thiemo Schuff ehrenamtlicher Helfer ist, wird ständig überprüft und mit dem eigenen Fachwissen ergänzt.

Sein Benutzerprofil wuchs mit der Zeit. Informationshäppchen zu Wohnort und Hobbys füllen die Seite. „Ich finde es einfach schön zu sehen, wer dahinter steht“, sagt Schuff. „Das erhöht auch die Glaubwürdigkeit der Quelle.“

Neutraler Standpunkt

37 Millionen Artikel in fast 300 Sprachen bietet das Online-Lexikon Wikipedia mittlerweile an, an dem etwa 60 Millionen registrierte Nutzer seit der Gründung im Jahr 2001 bislang 2,6 Milliarden Änderungen vorgenommen haben. 4000 Administratoren überprüfen die Einhaltung der Wikipedia-Regeln. Diese beinhalten, dass Artikel einen neutralen Standpunkt einnehmen und dem Urheberrecht entsprechen. Zuletzt wurde bekannt, dass Schweizer Beamte Wikipedia-Artikel im Sinne ihres Dienstherrn, der Schweizer Bundesverwaltung, verändert haben, so dass der IP-Adressblock der Behörde gleich mehrfach gesperrt wurde.

Lena Modrow

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