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Gegen das Grau

Gegen das Grau

Wie Kunst die Welt retten kann, hinterfragen Künstlerinnen im Schloss Plüschow – ab heute ist die Ausstellung geöffnet.

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Netz-Werkerinnen: Sandra Hauser, Heather Sheehan, Sabine Maier, die Österreicherin namens aufzeichnensysteme, Dafna Kaffeman mit Indie (hinten v.l.) neben Rico, Miro Zahra und Forough Absalan (vorn v.l.) inmitten einer Installation im Foyer des Künstlerhauses Schloss Plüschow.

Quelle: Foto: Petra Haase

Plüschow. Rote Fäden sind wie Spinnweben zwischen die Treppen im alten Schloss-Foyer gespannt. Die Wolle stammt aus einem Schafstall in Mecklenburg, die Kunst von Forough Absalan aus Teheran. Beides, das Material und die Kunst, sind Rohstoffe, die wir zum Leben benötigen – das jedenfalls behauptet das Projekt „Ressource Kunst – nur Kunst kann die Welt retten“ im Schloss Plüschow in Nordwestmecklenburg. Seit mehreren Wochen arbeiten und leben hier Künstlerinnen aus aller Welt zusammen.

Beim Blick auf das rote Netz von Forough Absalan mag man an die globale Vernetzung denken, alles hängt irgendwie mit allem zusammen. Andererseits ist es auch ein Netz, in dem der Einzelne sich schnell verheddern und gefangen werden kann. Sie selbst habe oft das Gefühl, nicht wirklich frei zu sein, sagt die junge Iranerin, und sie frage sich, ob überhaupt irgendjemand in der Welt frei sein könne.

Auf jeden Fall ist das Netz von einem betörenden Rot – und diese Farbigkeit und heitere Grundstimmung eint die meisten Kunstwerke der Frauen. „Alle haben zwar einen kritischen Blick auf die Welt, aber trotzdem geben sie einen positiven Ausblick“, sagt Miro Zahra. Die Leiterin des Künstlerhauses ist „total happy“ über dieses Projekt, das Künstlerinnen aus den USA, der Schweiz, dem Iran, aus Israel, Österreich und Deutschland zusammenbringt.

Gegen das Grau arbeitet die Schweizerin Sandra Hauser an. In der Ausstellung sind alte Autoreifen zu sehen, die sie Pink besprüht hat. Das Spiel mit den Gegensätzen beherrscht Dafna Kaffeman aus Israel, die mit ihrem fünf Monate alten Sohn Indie in Plüschow arbeitet, perfekt. Sie präsentiert auf Papierbögen zarte Blütenmotive. Am unteren Rand sieht man hebräische Schrift. Was so dekorativ und harmlos aussieht, entpuppt sich bei der Übersetzung als Affront: Ausschnitte aus Zeitungsmeldungen über die alltägliche Gewalt, nicht nur in Israel.

Lust- und kraftvoll hinterfragen die Künstlerinnen Zusammenhänge zwischen Ästhetik, Politik, Ökologie, Ökonomie und Migration. Seien es die beiden Österreicherinnen, die zu einer Hausführung mit abgestempelten Pässen und der Performance „Arm, aber anständig“ einladen, oder Rico aus Neubrandenburg, die auf T-Shirts und Beuteln Gewissensfragen stellt. Oder Heather Sheehan aus den USA, die in Sackleinen gekleidet auf dem Dachboden Kleider aus Sackleinen zuschneidet, näht, wäscht, aufhängt und damit dem Thema „Arbeit“ eine archaische Form verleiht. Das alles kann man ab heute erleben und sich selbst ein Bild davon machen, ob Kunst die Welt retten – oder zumindest ein wenig bunter und verständlicher machen kann. Petra Haase

Schloss Plüschow (nahe Grevesmühlen an der A 20), Eröffnung heute 17 Uhr, geöffnet bis 9. Oktober tgl. 11-17 Uhr

LN

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