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„Geh da hin, das ist krass“

Max Mutzke kommt nach Lübeck „Geh da hin, das ist krass“

Am Sonntag tritt Sänger Max Mutzke mit der Band monoPunk in Lübeck auf. Im LN-Interview verrät der Musiker, wie er um sein Publikum kämpft, welche Songs er spielt und welche Panne ihm mal vor einem Konzert in Lübeck passierte.

Max Mutzke kommt nach Lübeck.

Quelle: David Königsmann

Sie waren gerade erst im August in der Lübecker Musik- und Kongresshalle, jetzt schauen Sie schon wieder vorbei – wie kommt’s?
Max Mutzke: Im August haben wir mit der NDR Radiophilharmonie beim Schleswig-Holstein Musik Festival gespielt. Wir waren mehr als 80 Mann auf der Bühne und haben bei dem Konzert noch Songs mitgeschnitten für das im Oktober erschienene Live-Album „Experience“. Ein unvergesslicher Abend. Da waren monoPunk auch schon dabei, eines der besten R’n’B-Trios Europas. Jetzt in Lübeck spiele ich nur mit ihnen. Ich bin seit ein paar Jahren mit der Band unterwegs und sehr stolz, sie dabei zu haben.

Vor dem Konzert im August lief nicht alles wie geplant, wenn wir uns recht erinnern.
Mutzke: Es war unglaublich. Auf dem Weg nach Lübeck ist der Bus mit den Orchestermusikern liegen geblieben. Sie mussten auf einen Ersatzbus warten, der ganze Zeitplan geriet durcheinander, sie mussten die Proben schon in den Bühnenklamotten machen, es war ein unglaublicher Stress. Aber wir haben es trotzdem hinbekommen, es war ein sehr, sehr schöner Abend.

Ein Stück haben Sie gleich zweimal hintereinander gespielt.
Mutzke: Das war „So viel mehr“, ein Song, den ich für einen Film mit Caroline Kebekus geschrieben habe, der im Februar in die Kinos kommt. In Lübeck konnten wir ihn mit Orchester aufnehmen, und ich wollte ihn unbedingt noch einmal spielen, damit wir eine zweite Fassung haben. Alle haben großartig mitgemacht, auch das Publikum.

Wann ist ein Konzert für Sie gelungen?
Mutzke: Eigentlich geht es darum, dass man sich das Publikum manchmal auch erarbeiten muss. Manchmal kommt man auf die Bühne und spürt gar keine Nervosität – das ist das Schlimmste, weil man dann eine Überheblichkeit mitbringt, die man nicht abstellen kann. Das kann passieren, wenn man sehr viel spielt, das Konzert schon lange ausverkauft ist und man ein bisschen die Bodenhaftung verliert. Das ist das Gegenteil eines gelungenen Konzerts.

Das merkt man dann sofort?
Mutzke: Ich merke es beim Rauskommen. Man spürt, dass irgendwas nicht stimmt. Und man weiß nicht, woran es liegt. Die Location zum Beispiel kann es nicht sein. Ich habe schon vor Leuten gespielt, die total ausgerastet sind – und ein halbes Jahr später in der gleichen Halle war es nicht ansatzweise vergleichbar. Zum Glück aber waren die Leute bisher am Ende des Konzerts so dabei, dass dies alles wiedergutgemacht hat. Man will ja schon beim Rauskommen diese Hysterie, aber die muss man sich ganz oft auch erarbeiten.

Man muss also um das Publikum kämpfen?
Mutzke: Wir spielen etwa zweieinhalb Stunden, das ist auch körperlich eine Hochleistung. Aber das ist es eigentlich immer. Ich strenge mich also nicht extra an. Bevor ich auf die Bühne gehe, habe ich ein Ritual. Ich bin hinter der Bühne noch mal eine Minute alleine, achte auch darauf, dass mich niemand anspricht, und sage mir: Die Leute da draußen, die sind extra wegen dir gekommen. Die haben sich Karten gekauft, sich schick gemacht, sind ins Auto gestiegen und haben sich einen Parkplatz gesucht. Sie haben echt Aufwand betrieben. Und ich will, dass sie das Gefühl haben: Boah, der Abend war unvergleichlich. Geh da hin, das ist krass.

Und jetzt kommen Sie statt mit Orchester mit monoPunk. Gibt es auch ein neues Programm?
Mutzke: Von den Songs deckt es sich zu großen Teilen mit dem Konzert im August. Wir spielen immer noch das Album „Max“. Aber wir gehen vorher in Hamburg ins Granny’s-Haus, ein Studio, das eingerichtet ist wie ein Haus in den 70er Jahren. Man spielt im Schlafzimmer, im Wohnzimmer, aber alle Räume sind verkabelt, und die Akustik ist großartig. Es wird also tatsächlich ein „Back to Four“, so will ich das Konzert mal nennen. Dadurch werden wir das ganze Programm noch mal ganz neu erarbeiten. Wir werden sehr viel souliger werden und mehr R’n’B spielen. Es geht mehr in Richtung Motown.

Gibt es demnächst ein neues Studioalbum?
Mutzke: Ich hoffe, dass Clueso im Frühjahr Zeit findet, mit mir weiter an neuen Songs zu arbeiten. In einem Jahr ist es dann vielleicht so weit. Jetzt denke ich, es wird ein rein deutschsprachiges Album. Das habe ich noch nie gemacht. Aber dann sind doch wieder fünf englische Songs drauf. Wir werden sehen.

Und im April spielen Sie in Hamburg in der Elbphilharmonie.
Mutzke: Im Großen Saal! Mit der NDR Radiophilharmonie! Als rauskam, dass wir da spielen dürfen, ist mein ganzes Team um mich ausgeflippt. Das ist das begehrteste Haus der Welt, begehrter als die Carnegie Hall oder was auch immer. Da will einfach jeder hin die nächsten zehn Jahre. Da gespielt zu haben, und dann auch noch in den ersten Monaten, das ist Wahnsinn.

Interview: Peter Intelmann

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