Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 3 ° wolkig

Navigation:
Geht das Mecklenburgische Staatstheater unter?

Schwerin Geht das Mecklenburgische Staatstheater unter?

Den Schweriner Bühnen droht die Insolvenz. Mecklenburg-Vorpommerns Kulturminister Brodkorb will nicht die für 2015 vereinbarte Soforthilfe von 1,5 Millionen Euro auszahlen.

Voriger Artikel
Es gilt das gesprochene Wort
Nächster Artikel
Nobelpreis für eine mutige Literatin

Das Mecklenburgische Staatstheater Schwerin: Der Jahresetat von 22 Millionen Euro wird vom Land mit 9,6 Millionen und von der Stadt mit 6,6 Millionen bezuschusst.

Quelle: dpa

Schwerin. Wieder steht ein Theater in den neuen Bundesländern vor gewaltigen Problemen. Dem Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin droht die Insolvenz angesichts eines Defizits von 1,5 Millionen Euro. Der Streit um die künftige Finanzierung des Fünf-Sparten- Hauses ist ausgerechnet kurz vor dem geplanten Einstieg des Landes als Mehrheitsgesellschafter eskaliert.

Die Landesbeteiligung ist wieder offen, wie Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) sagte. Sollte das Kabinett am kommenden Dienstag nicht die Auszahlung von 1,5 Millionen Euro Soforthilfe für 2015 beschließen, droht Intendant Joachim Kümmritz der Gang zum Insolvenzgericht.

Die Alternative, die Kümmritz offenstünde, wäre, die Stadt zu bitten, die 1,5 Millionen Euro zu übernehmen. Wenn allerdings die hoch verschuldete Landeshauptstadt sich nicht binnen vier Tagen bereit erklärt, die Schulden zu begleichen, sei die Insolvenz unausweichlich, so der Intendant.

Bei der Stadt war nach Auskunft von Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke) ein Schreiben aus dem Bildungsministerium eingegangen, in dem ihr mitgeteilt wurde, dass es nicht möglich sei, aufgrund der aktuellen Situation die Soforthilfe auszuzahlen. Hintergrund sind offenbar die angemeldeten Defizite bis 2020. Kümmritz zufolge liegen sie um 5,5 Millionen Euro über den Ansätzen des Gutachtens der Beratungsgesellschaft Metrum, die im Auftrag der Landesregierung ein Konzept für die Theaterreform erarbeitet hatte. Und das, obwohl die Theaterleitung alle vom Land geforderten Sparbeschlüsse umgesetzt hat. Das sei aber schon seit langem bekannt, sagte Kümmritz gestern.

Offenbar fürchtet Kulturminister Brodkorb, dass andere Städte in Mecklenburg-Vorpommern auf die Barrikaden gehen, wenn er Schwerin weitere Mittel zugesteht. Sein Ziel ist es, den Landeszuschuss an alle Theater auf 35,8 Millionen Euro zu beschränken.

„Wir haben die Zielvereinbarung mit dem Land unterschrieben, die unter anderem den Abbau von 30 Stellen bis 2020 vorsieht, und wir setzen das um“, sagte Oberbürgermeisterin Gramkow. „Aber wir haben niemals die Zahlen des Metrum-Gutachtens für das Staatstheater akzeptiert.“ Denn damit sei die Theaterstruktur nicht ausfinanziert. Dass die Soforthilfe jetzt nicht ausgezahlt werden soll, sei inakzeptabel. Dennoch sagte Gramkow, sie sei weiter bereit, mit dem Land zu verhandeln.

Auch Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) mischte sich ein. Das Land sei weiterhin bereit, als Gesellschafter Mitverantwortung für das Theater zu übernehmen, sagte er. „Doch setzt eine solche Zusammenarbeit Offenheit und Klarheit voraus.“ Er beklagte eine mangelnde Bereitschaft der Theaterleitung, Wirtschaftspläne nach Maßgabe der vereinbarten Zahlen vorzulegen.

Der künftige Schweriner Intendant Lars Tietje, der sein Amt mit Beginn der nächsten Spielzeit von Joachim Kümmritz übernehmen soll, sagte, er freue sich auch unter den aktuellen Bedingungen auf die künstlerische Arbeit, und er sehe auch die Umstrukturierung am Staatstheater positiv. Das Haus soll nicht nur sparen, sondern auch mit dem deutlich kleineren Theater in Parchim fusionieren. Tietje will aber auch Planungssicherheit haben. Er ziehe den Hut vor den bisherigen Leistungen des Staatstheaters, an dem 20 bis 25 Prozent aller Kosten mit eigenen Einnahmen gedeckt werden.

Kulturminister Brodkorb könnte in den kommenden Tagen viele Weihnachtskarten von Theaterbesuchern bekommen, die den Erhalt des bestehenden Angebotes fordern.

Die Betriebsräte der Bühnen im Land starteten gestern eine Aktion, bei der Karten an die Zuschauer verteilt werden, die derzeit in die Weihnachtsmärchen strömen. Auf den Karten heißt es, mit Theater-Fusionen und dem Streichen von Stellen oder gar Sparten werde die Kulturlandschaft gefährdet. „Wir finden wichtig, dass alle Familien im Land auch zukünftig Weihnachtsmärchen, Neujahrskonzerte und alle anderen Angebote der Theater besuchen können.“

Landeszuschuss
Die Pläne zur Theaterreform in Mecklenburg-Vorpommern sehen vor, dass noch drei Theater übrig bleiben: Rostock, Schwerin mit Parchim sowie eine große Bühne im Osten des Landes. Der Landeszuschuss für alle Bühnen im Land ist seit 1994 bei 35,8 Millionen Euro jährlich eingefroren. Zum Vergleich: Die drei Theater in Schleswig- Holstein erhalten einen jährlichen Landeszuschuss von 22 Millionen Euro aus dem kommunalen Finanzausgleich.

LN

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Kommentar zum Streit ums Hochschulgesetz
Ein Kommentar von Wolfram Hammer.

Die Landesregierung hat Teile des geplanten Hochschulgesetzes verändert - kurz vor der Abstimmung im Landtag. "Schäbiger Stil" ist das, findet unser Korrespondent in Kiel, Wolfram Hammer.

mehr
Mehr aus Kultur im Norden