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Gekreische, Gott und Geister mit Justin Bieber

Gekreische, Gott und Geister mit Justin Bieber

12 500 Fans im Ausnahmezustand: Fleischgewordene Teenieträume zum Halbplayback.

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Der kanadische Teenie-Star Justin Bieber kam langsam, aber gewaltig auf Touren bei seinem Konzert in der Hamburger Arena. FOTO: ISABELL SCHIFFLER/JAZZARCHIV

Von Alexander Bösch

Bieber in Wachs

22 Jahre alt ist Justin Bieber. 2009 erschien

seine erste Single mit dem Titel „One Time“.

Hamburg. Ein gellendes Geschrei aus 12 500 Kehlen tönt durch die ausverkaufte Barclaycard Arena in Hamburg. Von dumpfem Grollen begleitet, erklingt plötzlich Justin Biebers Stimme aus dem Off. Er wisse, was es bedeute zu fallen, verrät er, dann irgendwas von „challenges“ und „bittersweet moments“. Sekunden später schwebt das Objekt der Begierde zum Opener „Mark my words“ in einem Glaskasten ein. Auf diesen Moment haben die „Beliebers“, wie sich die Fans des 22-Jährigen nennen, nur gewartet. In eisiger Kälte hatten etliche der meist jungen Mädchen vor der Arena ausgeharrt, bevor ihnen mit einiger Verspätung Einlass zum einzigen norddeutschen Konzert der „Purpose Tour“ gewährt wurde. Jetzt hat es zumindest ein Teil von ihnen in den „Golden Circle“ im vorderen Teil des Innenraums geschafft.

Wie ein Springteufel hüpft der smarte Kanadier nochmals auf die futuristisch anmutende, zweigeschossige Bühne. Feuersalven, Rauchkanonaden, LED-Graphiken, bunte Laser und eine Phalanx nimmermüder Tänzerinnen und Tänzer bestimmen fortan das Geschehen. Im Zentrum steht natürlich er: Justin Bieber, ockerfarbene Hose, T-Shirt, weiße Turnschuhe, Piratentuch, Headset. Einst von der Mutter mit Youtube-Videos zum Kinderstar gehypt, aufgestiegen zum Teenie-Idol mit Quäkstimme, Absturz und Skandale, abgebrochene Konzerte. Schließlich zum durchtrainierten jungen Mann gereift. Musikalisch dank findiger Produzenten mit eingängigen Titeln zwischen Mainstream-Pop, seichtem R’n’B und elektronischen Spielereien auch in den Charts wieder dauerpräsent.

Zu „Where are you now“, einer Kollaboration mit dem kalifornischen DJ Skrillex, zeigt der Superstar die schwundstufige Form einer Michael-Jackson-Choreographie. Bei „I'll show you“ stülpt sich ein Käfig um den Sänger. Auf den Gitterstäben geht ein LED-Gewitter nieder. „My life is a movie and everyone’s watching“, singt Bieber. Wie wahr. Gigantische Bässe wummern durch den Magen, gegen die sogar das Dauerkreischen der Fans zuweilen schwerlich ankommt. Neben einigen im Wortsinne „mitgenommen“ aussehenden jungen Männern an der Seite ihrer Freundinnen stehen auch einige schwule Pärchen und interessierte Erwachsene mit vor Staunen offenen Mündern da.

Eine perfekt durchchoreographierte Show lässt wenig Platz für Improvisationen. Bei soviel Gigantomanie fällt kaum auf, wenn einige Tänzerinnen im Hintergrund bemüht an Trapezen herumwirbeln. Seine Hits „Cold water“ und „Let me love you“ präsentiert der tätowierte Blondschopf in einer Akustikversion auf dem Ledersofa sitzend an der schneeweißen Gitarre. Dass die – bei beiden Songs nahezu identischen – Akkorde von Bieber eher im dilettantischen Pfadfindermodus geklampft werden, verzeihen die Fans sofort. Ebenso, dass bei Biebers Einlage an den Drums im Hintergrund ein weiterer Trommler die Stöcke mitschwingt. Wozu die kaum sichtbare „Liveband“ angesichts des überwiegend CD-getreuen Soundgewands überhaupt gut sein soll, ist für die meisten ebenso zweitrangig wie das Phänomen, dass Biebers Stimme angesichts atemraubender Tanzeinlagen immer mal wieder vom Band kommt.

Nach einer 20-minütigen Pause erscheint der Superstar im durchlöcherten weißen T-Shirt. Ein wenig lustlos singt, zappelt und charmebolzt sich der 22-Jährige durch sein durchchoreographiertes Programm. In einer kleinen „Intimstunde“ dürfen junge Damen mit Namen wie Cindy Jane und Israel den Sänger in verdächtig perfektem Amerikanisch am Rande der Laufstegbühne all das fragen, was ihnen auf den Nägeln brennt. Ob er an Geister und an Gott glaube. Was er von den deutschen Frauen halte. Ob er die Fragende zur Freundin haben möchte.

Mit wohlwollendem Desinteresse arbeitet Bieber die Fragen ab. Später, zur Ballade „Purpose“, sitzt der Jungstar buchstäblich zum Greifen nahe am Bühnenrand und klatscht ihm gierig entgegengestreckte Hände ab. Dann ist mit dem Discostampfer „Sorry“ noch einmal Halligalli angesagt.

Von den Fans umjubelt – und nun auch als Wachsfigur zu bewundern: Justin Bieber gibt es seit gestern Abend auch im Madame Tussauds in Berlin. Zur Einweihungs-Party waren unter anderem die DSDS-Teilnehmer Prince Damien und Daniele Negroni, die Models Fata Hasanovic und Nico Schwanz sowie die Schauspieler Sarah Alles, Rocco Stark und Philipp Stehler geladen.

Den Fans

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