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Geld und Geist, Rat und Tat für Kinokunst

Hamburg Geld und Geist, Rat und Tat für Kinokunst

Eva Hubert, Chefin der Filmförderung Hamburg/Schleswig-Holstein, geht in den Ruhestand.

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FFHSH-Chefin Eva Hubert.

Quelle: dpa

Hamburg. Ihr Lieblingsfilm? Eva Hubert, Geschäftsführerin der Filmförderung Hamburg/Schleswig- Holstein (FFHSH), denkt kurz nach und sagt dann: „Jeweils der, an dem wir gerade arbeiten.“ Lachend fügt sie jedoch hinzu: „Wenn ich in sentimentaler Stimmung bin, sehe ich mir immer gern ,Jenseits von Afrika‘

an.“

Mit so spektakulären Produktionen wie der US-Romanze mit Meryl Streep und Robert Redford hat es die 65-Jährige, die in dieser Woche ihren letzten Arbeitstag vor dem Ruhestand hat, eher selten zu tun. Doch es gibt auch sie: So unterstützte die FFHSH 2013 den überwiegend in Hamburg gedrehten Spionagethriller „A Most Wanted Man“ mit Philip Seymour Hoffman — auch ein Welterfolg.

Meist sind es kleinere Projekte, Dokumentarfilme und Experimentelles, die dank Rat und Tat sowie einem Darlehen aus dem Elf-Millionen-Etat der Norddeutschen ihren Weg auf Leinwand oder Bildschirm finden. Talente wie Detlev Buck („Männerpension“, „Die Vermessung der Welt“) und Fatih Akin, der für „Gegen die Wand“ den Goldenen Bären 2004 erhielt, wurden mit Hilfe Huberts und ihrer Mitstreiter zu Stars. „Wir glaubten an sie, als sie blutjung und ohne Referenzen waren“, erzählt die Chefin in ihrem Büro in Hamburg-Ottensen. „

Meine größten Glücksmomente waren es, wenn von uns geförderte Projekte Anerkennung fanden.“ Mit Sachverstand, Kommunikationskompetenz und bescheidenem Auftreten hat sie sich einen beachtlichen Ruf in der Branche erworben. Und seit ihrem Amtsantritt 1997 hat sie fast 3000 Filme mit rund 173 Millionen Euro vorangebracht.

Für diese Position hatte die Münchnerin nicht nur geografisch weit zu gehen. Katholizismus und Konservatismus hätten sie aus Bayern vertrieben, sagt sie. Hubert gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Grünen Alternativen Liste (GAL) in Hamburg, saß in der Bürgerschaft. Sie war sieben Jahre lang Lehrerin an Berufsschulen, wechselte in den Journalismus, dann ans Hans-Bredow-Institut für Medienforschung an der Uni Hamburg. Letztlich wurde sie von Dieter Kosslick, dem heutigen Berlinale-Chef, zum Film-Fonds Hamburg gelockt, der späteren Filmförderung.

„Es kommt darauf an, dass ein Projekt neue, gesellschaftlich wichtige Gedanken ins Spiel bringt“, erklärt Hubert ihr Hauptförderkriterium. Sie tritt dafür ein, Film trotz aller wirtschaftlichen Aspekte als Kunst ernst zu nehmen. „Auf sehr zugängliche Weise werden hier unsere Geschichten erzählt, denken Sie an Til Schweigers ,Honig im Kopf‘ über Demenz.

Ihre Nachfolgerin, die Filmproduzentin Maria Köpf (53), ist längst eingearbeitet. Nach einer Ruhepause wird Hubert für den Sender „Arte“ und die Hochschule für bildende Künste Hamburg tätig sein. Und mit ihrem Mann nach Afrika reisen — ein wenig wie Streep und Redford im geliebten Karen-Blixen-Film.

Ulrike Cordes

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