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Gemeinsam sind sie stärker

Lübeck Gemeinsam sind sie stärker

Vor zehn Jahren wurde der Lübecker Museumsverbund gegründet — Senatorin sieht Erfolgsgeschichte.

Lübeck. Die Kassenlage der deutschen Museen ist nicht erst seit kurzem chronisch prekär. Vor zehn Jahren zog die Lübecker Kulturverwaltung sozusagen die Notbremse und fasste die Museen der Hansestadt in einem Verbund zusammen. Die knappen personellen und finanziellen Ressourcen sollten durch diese Konstruktion effektiver genutzt werden. Die Ausstellungsplanung wurde zum Beispiel abgestimmt — das war zu Zeiten der Selbstständigkeit der einzelnen Häuser längst nicht immer der Fall. Auch das Marketing liegt jetzt in einer Hand, ebenso die Finanzen der zum Verbund gehörenden Museen.

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Vor zehn Jahren wurde der Lübecker Museumsverbund gegründet — Senatorin sieht Erfolgsgeschichte.

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„Die Geschichte des Museumsverbundes ist eine Erfolgsgeschichte“, sagte Kultursenatorin Kathrin Weiher gestern. „Die Lübecker Museen haben sich sehr erfreulich entwickelt in diesen zehn Jahren und sind in der Stadt fest verankert.“ Da auch die Akquise von Drittmitteln zentral betrieben wird, konnten in den vergangenen zehn Jahren insgesamt rund 15,5 Millionen Euro eingeworben werden. Eine Ausstellung wie „Lübeck 1500“, die letztlich trotz hoher Qualität weniger Besucher anzog als erhofft, kostete rund eine Million Euro — aus dem Etat der Museen wäre das nicht zu finanzieren gewesen.

„Wir haben ungefähr 100 Mitarbeiter und kommen auf Ausgaben von 7,2 Millionen Euro im Jahr“, sagte die kaufmännische Geschäftsführerin Gabriela Schröder. „Von der Stadt erhalten wir einen Zuschuss von vier Millionen, den Rest müssen wir selbst erwirtschaften, durch Eintrittsgeld und Shop-Umsätze. Seit 2010 müssen wir außerdem Miete für die Museumsgebäude an die Stadt zahlen, das sind 1,4 Millionen Euro jährlich.“

Dennoch gelang es in den vergangenen zehn Jahren, fast alle Museen zu modernisieren oder zumindest zu sanieren. Unter anderem erhielt das Grass-Haus 2006/07 einen Anbau, das Obergeschoss des Naturkundemuseums wurde umgebaut. Größte Maßnahme war die Modernisierung und Neugestaltung des St.-Annen-Museums, die fast fünf Jahre dauerte und mit der Eröffnung des „Museumsquartiers St. Annen“

2013 endete. Nächste Großaufgabe ist die Erweiterung und Neugestaltung des Buddenbrookhauses, die voraussichtlich Ende des Jahres beginnen soll — wenn bis dahin geklärt ist, was mit dem Haus Mengstraße 6 und seiner denkmalgeschützten Fassade geschehen darf und was nicht.

Keine Hoffnung machte Kultursenatorin Weiher in Sachen Völkerkundesammlung. „Im Zeughaus soll nach dem Willen des Bürgermeisters das Standesamt einziehen, die bedeutende Völkerkundesammlung hätte dann dort keine Zukunft mehr. Einen Teil werden wir eventuell im Museum Holstentor ausstellen können.“ Ein Konzept entwickelt wird derzeit für die Geschichtswerkstatt Herrenwyk — nach Ansicht der Senatorin ein besonders wichtiges Museum. „Wir haben hier nicht nur Hoch-, sondern auch eine Industriekultur. Die muss gewürdigt werden, deshalb werden wir die Geschichtswerkstatt weiterentwickeln.“

Eine erfreuliche Nachricht gab es noch: Am kommenden Donnerstag öffnet nach fünf Jahren die Katharinenkirche wieder ihre Tore. Zu verdanken ist das dem Engagement einer ehrenamtlich arbeitenden Initiative.

Zweitgrößter Verbund im Lande

Die Kulturstiftung Hansestadt Lübeck hat zum 1. Januar 2006 die Geschäftsführung für alle städtischen Museen in Lübeck übernommen. Die zusammengefassten Lübecker Museen sind neben der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen der größte Museumsverbund in Schleswig-Holstein. Damit sind die Lübecker Museen (Museum im Holstentor, Behnhaus/Drägerhaus, St. Annen-Museum mit Kunsthalle, Museumskirche St. Katharinen) sowie das Museum für Natur und Umwelt Lübeck, die völkerkundliche Sammlung im Zeughaus und die Geschichtswerkstatt Herrenwyk einer einheitlichen Leitung mit Buddenbrookhaus und Grass-Haus unterstellt. Dem Stiftungsrat gehören auch die großen Lübecker Stiftungen des bürgerlichen Rechts wie die Possehl-Stiftung sowie Vertreter der Bundes- und Landesregierung an. Die Stiftung ist Mitglied im Arbeitskreis selbständiger Kultur-Institute. Direktor der Stiftung ist Hans Wißkirchen.

Von Jürgen Feldhoff

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