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Genie und Querkopf zugleich

Leipzig Genie und Querkopf zugleich

Vor 100 Jahren starb der Komponist Max Reger in einem Leipziger Hotel.

Leipzig. . Er hatte es nicht leicht mit seinen Mitmenschen, sie es mit ihm allerdings auch nicht. Max Reger, der am 11. Mai 1916 an Herzversagen im Alter von nur 43 Jahren starb, war ein verstörender Mann. Ein Alkoholiker, der es während seiner Militärzeit fertigbrachte, bei einer Kaiserparade Wilhelm II. volltrunken vor die Füße zu fallen. Als Reger zu einem Konzert nach Lübeck kam, sandte der Verein der Musikfreunde zwölf Mitglieder aus, die ihn am Zug abfingen, damit der Komponist und Orgelvirtuose nicht in der nächsten Kneipe verschwinden konnte. Auch die Essgewohnheiten Max Regers sind legendär, über kaum einen anderen Komponisten gibt es derart viele Anekdoten aus den Bereichen Fressen und Saufen. Auch sein Hang zum stundenlangen Erzählen von Zoten war berühmt.

 

LN-Bild

So sah der Zeichner Heinrich Hübner Max Reger 1914.

Quelle: dpa

Max Reger hat ein unglaublich großes Werk hinterlassen, denn neben Essen und Trinken bestimmte das Komponieren sein Leben. 146 Werke Regers haben eine Opuszahl, hinzu kommen zahlreiche Bearbeitungen und Kompositionen, die er nicht nummeriert hat. Das ist ein gewaltiger Fundus, in dem sich neben Sinfoniesätzen und Orchestersuiten, Liedern, einem Violin- und einem Klavierkonzert vor allem Werke für Orgel finden. Die Orgel war Regers Instrument, für sie komponierte er am häufigsten.

Ob man Regers Musik nun mag oder nicht: Man kann ihr den Rang nicht absprechen, manche Werke sind nur als visionär zu bezeichnen. Das 1908 uraufgeführte gewaltig lange Violinkonzert A-Dur op. 101 etwa sprengt die Grenzen der Tonalität in bis dahin nicht bekanntem Maße, auch die Chromatik vieler Orgelwerke geht über Bekanntes hinaus. Dabei waren barocke Formen die Grundlage von Regers Schaffen. „Ich kann nur in Fugen denken“, schrieb er einmal einem Freund, sich selbst nannte er scherzhaft den „Fugen-Maxe“. Johann Sebastian Bachs Werk war deshalb auch der wichtigste Orientierungspunkt für Reger. Er selbst wiederum war einer der Helden der Neuen Wiener Schule um Arnold Schönberg.

Ein kurzes, mit exzessiver Arbeit, vielen Enttäuschungen und viel Alkohol angefülltes Leben führte Max Reger. Seine Musik wirkt 100 Jahre nach seinem Tode immer noch sperrig, sie ist schwierig zu spielen und zu hören — aber sie fasziniert. Jürgen Feldhoff

Heute um 18 Uhr findet in St. Jakobi ein Gedenkkonzert für Max Reger statt. Es spielen Ulf Tischbirek (Cello), Arvid Gast und Franz Danksagmüller (Orgel).

LN

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