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Geschäftstüchtige Häuptlinge und eine gekaufte Richterin

Buchkritik Geschäftstüchtige Häuptlinge und eine gekaufte Richterin

"Bestechung", der neue Grisham-Thriller, handelt von Korruption in der Justiz. Der Autor bewegt sich wie immer elegant durch die Untiefen des US-amerikanischen Rechtssystems. Gut geschrieben, spannend bis zur finalen Gerichtsverhandlung und unterhaltsam ist dieses Buch. Ein echter Grisham eben.

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John Grisham, geboren 1955 im US-Bundesstaat Arkansas, ist einer der auflagenstärksten Autoren der Welt. Er hat 30 Romane veröffentlicht.

Quelle: dpa

Lübeck. John Grisham war vor Beginn seiner Schriftsteller-Karriere zehn Jahre lang als Rechtsanwalt tätig. Er kennt deshalb das US- Rechtssystem und das Milieu der Juristen genau. Seine Thriller, die in dieser Szene spielen, zeichnen sich durch grundsolide Recherche und durch ein großes Maß an Spannung aus. Immer wieder hat Grisham auf Schwachstellen im juristischen System der Vereinigten Staaten hingewiesen, korrupte Rechtsanwälte, Staatsanwälte und nur an ihrem eigenen Wohl interessierte Politiker bevölkern seine Romane. In seinem neuesten Buch „Bestechung“ geht es zur Abwechslung einmal um eine korrupte Richterin.

Der Thriller-König

„Bestechung“, Heyne-Verlag, 448 Seiten, 22,99 Euro.

Das soll es ja geben, und allzu unwahrscheinlich wirkt der Plot der Geschichte nicht. Geschickt verbindet Grisham mehrere Erzählstränge in diesem Roman. Ein kleiner Indianerstamm im Norden Floridas hat sich für den Bau eines Kasinos mit zwielichtigen Finanziers eingelassen. Das Spielkasino läuft so gut, dass jedes Stammesmitglied monatlich einen Scheck über 5000 Dollar als „Dividende“ erhält.

Das große Geld aber verdienen der Häuptling und die Mafiosi, die das Kasino finanziert haben. Um juristisch auf der sicheren Seite zu stehen, haben sie sich die Bezirksrichterin „gekauft“, die eine Vorliebe für Reisen im Privatjet und Luxusobjekte hat. 250000 Dollar im Monat beträgt die „Dividende“ der Richterin, die mittlerweile Immobilien im Millionenwert besitzt, welche natürlich alle Briefkastenfirmen auf den Cayman Islands oder in Belize gehören. Alles läuft so, wie es aus Sicht der Küstenmafia und ihrer Helfer laufen sollte. Aber dann legt ein vorbestrafter Anwalt eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Richterin ein – und schon wird die Angelegenheit brandgefährlich.

Der leicht verkrachte Anwalt und seine Informantin spekulieren auf eine hohe Belohnung, falls die illegalen Vermögenswerte der Richterin beschlagnahmt werden. Bis es dazu kommt, lässt sich Grisham aber reichlich Zeit. Befasst mit dem Fall ist zuerst nur eine kleine Justizbehörde, die sich um die Einhaltung des Standesrechts kümmert. Als einer der Agenten von der Küstenmafia ermordet und seine Partnerin schwer verletzt wird, schaltet sich auch das FBI ein.

Die Mafiosi sind aber alles andere als leicht zu überführen, die korrupten Chefs des Indianerstammes auch nicht. Minutiös beschreibt Grisham die Ermittlungsarbeit und die unglaublichen Möglichkeiten, die Bundesbehörden in den USA haben. Ein geständiger Mörder kommt ohne Gefängnis davon, weil er dem FBI zur Hand geht – das ist eine Form der Kronzeugenregelung, die es hierzulande zum Glück nicht gibt. Grisham beschreibt die Methoden der Ermittler nicht gerade mit Sympathie. Die hegt der Autor für die Personen in seinem Buch, die Mut und Zivilcourage beweisen – davon gibt es immerhin auch noch welche.

Grisham bewegt sich wie immer elegant durch die Untiefen des US-amerikanischen Rechtssystems. Gut geschrieben, spannend bis zur finalen Gerichtsverhandlung und unterhaltsam ist dieses Buch. Ein echter Grisham eben.

 Jürgen Feldhoff

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