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Gestrandet in einer fremden, kalten Welt

Lübeck Gestrandet in einer fremden, kalten Welt

Ein schwieriges Thema gut und jugendgerecht aufbereitet: Die Oper „Gestrandet“ von Gabriele Pott (Musik) und Birgit Kronshage (Libretto) erlebte gestern im Hafenschuppen C beim Festival „Kunst am Kai“ eine umjubelte Uraufführung.

Trubel auf dem Schulhof: Hier muss sich die junge Ayasha behaupten.

Quelle: Felix König

Lübeck. Der Hafenschuppen C ist ein eindrucksvoller Spielort. Viel Holz, hohe Decken, ein Raum, dem man ansieht, dass hier früher hart gearbeitet wurde. Jetzt ist der Schuppen der Standort des Festivals Kunst am Kai, das Gabriele Pott gegründet hat. Konzerte, Theateraufführungen: Der Raum eignet sich für alle möglichen Veranstaltungen. Gestern sogar für eine Oper, die sich mit einem aktuellen Thema beschäftigt.

LN-Bild

Uraufführung einer Oper für junges Publikum zum aktuellen Thema Flüchtlingskrise beim Festival Kunst am Kai.

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„Gestrandet“ heißt das Werk, für das Gabriele Pott die Musik und die Regisseurin Birgit Kronshage das Libretto geschrieben hat. Es handelt von der jungen Ayasha, die gemeinsam mit ihrem Bruder Majid ihr Heimatland verlassen hat. Sie konnten den Krieg und das allgegenwärtige Leid nicht mehr ertragen. Gelandet, besser: gestrandet sind die beiden Flüchtlinge in Deutschland. Ayasha geht zur Schule, wo sie dauernd von den Mitschülern gemobbt wird. In der Schule trifft sie Lisa, die sich in ihrer Familie nicht wohlfühlt, weil ihre Eltern nichts von ihrem künstlerischen Talent halten. Zwei Außenseiterinnen treffen aufeinander und befreunden sich, dadurch wird aus einem „normalen“ Flüchtlingsschicksal ein außergewöhnliches. Durch allerlei Irrungen und Wirrungen müssen die beiden jungen Mädchen gehen, ehe sie am Schluss endgültig zusammenfinden und auch Bruder Majid Frieden mit seiner neuen Situation schließen kann.

Ein hoher Anspruch also. Nur selten reagiert das Musiktheater in solcher Schnelligkeit auf aktuelle Themen. „Gestrandet“ ist aber alles andere als ein Schnellschuss, das Stück ist in sich geschlossen und durchdacht. Ein wenig zu sehr vielleicht sogar, denn manche Dialoge sind ganz einfach zu lang geraten. Und diese Längen sorgen dafür, dass „Gestrandet“ mit einer Spieldauer von zweieinhalb Stunden nicht wirklich für Kinder ab acht Jahren geeignet ist.

Musikalisch bietet die Oper, die mehr an ein Musical erinnert, einen postmodernen Stilmix, der von Beethoven bis zu Schlagermelodien so ziemlich alles miteinander verbindet, was man sich vorstellen kann. Gabriele Pott leitet das klein besetzte Orchester aus Mitgliedern der Lübecker Philharmoniker und einigen Gästen energisch, einige Male gerieten Passagen der Blechbläser zu laut. Aber das ist nur eine Kleinigkeit, die sich problemlos korrigieren lässt. Insgesamt erwies sich die Musik als hörenswert und dem Libretto angepasst.

Regisseurin Brigit Kronshage hat ein Händchen für Massenszenen. 40 Kinder sind in dieser Produktion auf der Bühne, der Regisseurin und der Choreografin Martina Wüst gelingt es, hier eine ganz bestimmte Ordnung zu entwickeln. Diese Szenen haben Tempo, Schwung und Geschmack.

Die Solisten sind ebenfalls trefflich ausgesucht. Allen voran Sonja Boskou, die das Flüchtlingsmädchen Ayasha gibt. Sie verfügt über einen wohltimbrierten und gut geführten Mezzosopran, der die große Halle mühelos füllte. Beeindruckend auch ihr subtiles Spiel; sie ließ alle die Gefühlswelten miterleben, durch die die jungen Ayasha gehen muss. Eine beeindruckende Leistung. Kathrin Zukowski als Lisa bewies große musikalische Fähigkeiten, ihr Gitarrenspiel war ebenso überzeugend wie ihr Gesang.

Lukas Anton als Ayashas Bruder Majid spielte mit Elan den Unzufriedenen, stimmlich wusste er sich nach unsicherem Beginn zu steigern. Lisa Ziem und Timo Maas als Lisas Eltern gaben eine großartige Karikatur überbesorgter Eltern – man verstand, dass Lisa in dieser Familie keine Luft zum Atmen hatte. Als guter Geist in dieser Geschichte wirkte Ali Shibly als arabischer Gemüsehändler überzeugend.

Ein aktuelles und schwieriges Thema haben die Autorinnen mutig angefasst und ein Stück Musiktheater geformt, das mehr verdient hätte als die wenigen Aufführungen, die bisher geplant sind. Ein wenig nacharbeiten hier, ein wenig glätten dort, ein wenig kürzen: „Gestrandet“ hat Potenzial.

Nächste Aufführungen: heute und am 10. September jeweils um 10 Uhr, eine Aufführung für Schulklassen findet am 9. 9. um 10.30 Uhr statt.

Kunst im Hafen

Das Festival Kunst am Kai existiert seit drei Jahren. Gegründet wurde es von der Dirigentin, Chorleiterin und Komponistin Gabriele Pott. Kunst am Kai findet statt im Hafenschuppen C, der durch seine Holzarchitektur und seine Höhe akustisch und räumlich außerordentlich gut geeignet für Theatervorstellungen und Konzerte ist. Den Schlusspunkt des Festival setzt in diesem Jahr am 24. und 25. September die Produktion „Messias Superstar“ mit Musik von Händel und Andrew LLoyd Webber.

 Jürgen Feldhoff

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