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Kultur im Norden Gestresste Kinder und schwer erziehbare Eltern
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18:10 06.07.2017
München

. Jan Weiler weiß, was Eltern bewegt. Zumindest diejenigen, die Kinder in der Pubertät haben. Das erklärt, warum seine Bücher rund um das „Pubertier“ so ein Erfolg sind. Kaum ein Kapitel, bei dem Mütter und Väter nicht aufseufzen: „Genau!“ Oder leicht hysterisch lachen müssen, je nach Lage und Befindlichkeit. Nun veröffentlicht Weiler den dritten Band über den Alltag mit Jugendlichen in der Selbstfindungsphase „Und ewig schläft das Pubertier“.

Entkommen kann man dem Thema zurzeit kaum. Gestern lief die Verfilmung von Leander Haußmann (mit Jan Josef Liefers, Heike Makatsch und Harriet Herbig-Matten) in den Kinos an. Und am 7. September starten die Geschichten im ZDF als Fernsehserie.

Auch der neueste Band erfüllt alle Erwartungen. Viele Alltagsbegebenheiten hat Weiler aufgeschrieben, illustriert mit den bunten Bildern von Till Hafenbrak. Mit trockenem Humor seziert er das Familienleben, das selten harmonisch ist, auch wenn die Eltern sich Mühe geben. Die 17-jährige Carla und ihr 14-jähriger Bruder Nick sind der Grund, dass es Stress gibt.

Da ist etwa die Tatsache, dass Pubertierende über weltlichen Dingen schweben. Leergegessene Teller wegräumen. Dreckwäsche in die Waschmaschine befördern. Oder Hausaufgaben machen. Nicht so ihr Ding.

Wenn es trotzdem sein muss, vertreiben sie sich die Langeweile, indem sie mehrere Dinge gleichzeitig erledigen. So wie Carla, die von ihrem Vater beim Multitasking gestört wird: „Sie verfolgt einen Youtube-Kanal, zupft dabei ihre Wimpern, telefoniert und fertigt Hausaufgaben an“, stellt der Vater trocken fest. „Man spart viel Zeit und könnte sogar noch etwas essen, wenn denn irgendwas im Haus wäre.“

Womit man bei einem weiteren heiklen Thema wäre: dem Essen, vor allem der Schul-Brotzeit, die in Nicks Sporttasche ein Eigenleben entwickelt hat. „Eine Plastikdose mit einem in Verwesung befindlichen Butterbrot sowie geschälten Möhren und Tomaten, die sich im Zuge ihrer Kompostierung bereits zu einem graugrünen Gemüse vereint haben.“ Ebenfalls unterhaltsam: Liebesleid und andere Beziehungsthemen. Etwa, wenn Carla ihrem Bruder erklärt, warum man Anrufe am besten erst mal wegdrücken sollte, wenn man in jemanden verliebt ist. Oder wenn der 14-Jährige und seine Freunde „ein paar Chicks klarmachen“ wollen, bei Nick zu Hause, mit Pizza, Abhängen und ohne Eltern natürlich.

„Und ewig schläft das Pubertier“ ist eine Fundgrube für Eltern und andere Erwachsene, die gerne in eigenen Jugenderinnerungen schwelgen. Und was sagen Pubertierende selbst dazu? „Doch, schon lustig“, meint eine 14-Jährige. Wobei manche Geschichten etwas zu nah dran sind an den Befindlichkeiten von Teenagern. „Ein bisschen verarscht fühle ich mich schon“, gibt die Schülerin grinsend zu.

„Und ewig schläft das Pubertier“ von Jan Weiler, Piper-Verlag, 176 Seiten, 14,40 Euro

Cordula Dieckmann

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