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Giora Feidman, der Star des Klezmer, wird 80

Rinatja Giora Feidman, der Star des Klezmer, wird 80

Der israelisch-argentinische Klarinettist will nach seinem Geburtstag endlich Stücke der Beatles aufnehmen.

Rinatja. . Morgens, wenn es noch nicht so heiß ist, geht Giora Feidman manchmal in den Garten und spielt für die Bäume und Blumen. Zarte Klarinettenklänge schweben dann über den Rasen. „Die Energie in der Kommunikation mit Pflanzen existiert“, sagt der Musiker zwischen meterhohen Palmen hinter seinem Haus in Rinatja, einem Dorf in der Nähe Tel Avivs. Den Pflanzen gehe es durch die Melodien besser. „Über Musik denkst du nicht nach, du fühlst sie.“ Giora Feidman spielt nicht nur regelmäßig in seinem Garten. Er verzaubert seit Jahrzehnten vor allem Deutsche mit seiner Klezmermusik. Heute wird der Klarinettist 80 Jahre alt.

 

LN-Bild

Sie gehören zusammen: Giora Feidman und seine Klarinette.

Sein Markenzeichen ist es, die ersten Töne eines Konzertes am Saal-Eingang zu spielen und zwischen den Stuhlreihen nach vorne zu gehen. Die Zuhörer müssen sich umdrehen, ihre Vorstellung eines Konzertes überdenken. „Tradition ist ein Krebsgeschwür“, sagt der Mann mit der Glatze und dem kurzen weißen Schnauzer. „Ich muss die Tradition aufbrechen.“

Feidman spielt vor allem die Musik seiner Vorfahren, die aus Bessarabien stammen, was dem heutigen Moldawien und der südlichen Ukraine entspricht. Es ist die Musik osteuropäischer Juden, wie sie seit Generationen auf Hochzeiten und Geburtstagen erklingt — ausgelassen und wehklagend, beschwingt und gedankenschwer. Aber auch Tangos aus seiner argentinischen Heimat oder klassische Stücke gehören zu Feidmans Programm.

Auf die Frage nach seinem Selbstverständnis als Musiker holt er seine Klarinette aus dem Arbeitszimmer und spielt eine kleine Melodie in der Küche bei Tee und Keksen. „Haben wir die Unterhaltung jetzt beendet?“, fragt er und lacht.

In Deutschland wurde Feidman 1984 mit Peter Zadeks Inszenierung von Joshua Sobols Holocaust-Stück „Ghetto“ bekannt. Er spielte die Klarinettenmelodien in Steven Spielbergs „Schindlers Liste“ (1993) ein — für die Musik gab es einen Oscar. Auch in den deutschen Filmen „Jenseits der Stille“ und „Comedian Harmonists“ war er zu hören. Die Musik stammte teilweise von seiner Frau Ora Bat Chaim. Die israelische Komponistin, Malerin und Dichterin und Feidman heirateten 1975. Er brachte zwei Töchter mit in die Ehe — sie einen Sohn. Heute haben sie zehn Enkelkinder. Zu seinem Geburtstag kommt die Familie in Jerusalem zusammen.

Allein im April wird Feidman 17 Konzerte in Deutschland geben. „Ich liebe Deutschland“, sagt der jüdische Israeli. „Warum? Weil ich Teil der Gesellschaft bin, die Menschlichkeit ausübt.“ Der Heilungsprozess nach dem Zweiten Weltkrieg sei abgeschlossen.

Auch seine nächsten CD-Projekte stehen an: Im Sommer will Feidman hebräische Kammermusik aufnehmen, im Herbst Stücke der Beatles. Und wenn ihm doch einmal alles zu viel wird, geht er in seinen Garten und spielt für seine Pflanzen — mit Seele. Konzert mit Giora Feidman und dem Rastrelli Cello Quartett in Hamburg: Sa., 9. April, 20 Uhr, Laeiszhalle

Von Stefanie Järkel

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