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Kultur im Norden Gipfeltreffen der Klassiker
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19:12 08.08.2016

Albrecht Mayer ist nicht nur ein brillanter Oboist, er ist auch ein Charismatiker. Seine Art, mit dem Orchester und dem Publikum zu kommunizieren, hat etwas Besonderes. Nur wenige Worte braucht er, man versteht sich wortlos mit diesem großartigen Musiker. Das war am Sonntag wieder in der ausverkauften Reithalle von Schloss Wotersen zu erleben.

Albrecht Mayer dirigiert mit klarer Zeichengebung. Quelle: Nickolaus

Haydn und Mozart standen auf dem Programm, Stücke der ersten Klassik-Garnitur sozusagen. Der Abend begann bei subtropischen Temperaturen mit Haydns berühmter Abschiedssinfonie, bei der sich im letzten Satz ein Musiker nach dem anderen verabschiedet, bis schließlich zwei einsame Geigen übrig bleiben. Mayer wählte im Kopfsatz ausgesprochen schnelle Tempi, die reizvoll mit der gedehnten Machart des Adagio kontrastierten. Die Kammerakademie Potsdam erwies sich als sicher spielendes Orchester, in allen Gruppen gleichwertig besetzt und voll Freude am Musizieren.

Das Oboen-Konzert C-Dur Hob. VIIg: C1 stammt nicht von Haydn, obwohl es ihm lange zugeschrieben wurde. Reizvoll ist es dennoch, vor allem, wenn es so beseelt gespielt wird wie von Albrecht Mayer und der Kammerakademie Potsdam. Mayers Oboenspiel ist ebenso filigran wie kraftvoll, ihm gelingen strahlende Läufe in rasender Geschwindigkeit ebenso wie zauberhafte Piano-Passagen. Das grenzt manches Mal an Zauberei – die Wirkung ist immens.

Nach der Pause dann Mozart, zunächst das berückend schöne Andante C-Dur für Flöte und Orchester, von Mayer bearbeitet für Oboe und Orchester. Der Solist zelebrierte das kurze Werk bis in die letzte Generalpause hinein – eine wunderbare Aufführung.

Mozarts Haffner-Sinfonie gelang ebenso ausgezeichnet. Wie Mayer und sein Orchester hier Kontraste ausdeuteten, Effekte aufleuchten ließen und zeigten, wie weit Mozart über seinen väterlichen Freund Haydn hinausgegangen war, war beispielhaft. Das Orchester spielte mit unglaublicher Frische und Klarheit, transparent im Klang und dennoch emotional mit Wucht und Intensität.

Das Publikum war begeistert und erklatschte sich eine Zugabe. Und so erklang zum Schluss noch Haydns berühmtester Orchestersatz überhaupt, das Andante aus der „Sinfonie mit dem Paukenschlag“. Auch das wurde ein Erlebnis, ebenso witzig dargeboten wie klangschön.

Jürgen Feldhoff

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