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Gipfeltreffen im Günter-Grass-Haus

Lübeck Gipfeltreffen im Günter-Grass-Haus

Zwei Großmeister treffen sich in einer Ausstellung, versichern sich gegenseitig ihrer Wertschätzung und gehen ausgesprochen höflich miteinander um: So etwas kommt vor.

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Markus Lüpertz und Günter Grass kamen schnell ins Gespräch. Grass lobte das Werk von Lüpertz — und umgekehrt.

Quelle: Foto: Lutz Roeßler

Lübeck. Wenn die beiden Meister aber Günter Grass und Markus Lüpertz heißen, dann handelt es sich doch um einen besonderen Vorgang. Mitten in Lüpertz‘ Schau „Unruhe im Olymp“ trafen der Malerfürst und der Nobelpreisträger am Donnerstag zusammen, um sich über Plastiken, Gedichte und Zeichnungen auszutauschen. Und über gemeinsame Erinnerungen.

So erzählte Markus Lüpertz von einem Karnevalsfest in Berlin Anfang der 60er Jahre, bei dem Günter Grass seinen Schnurrbart mit Pflaster abgeklebt hatte, weil er nicht erkannt werden wollte. Und der berichtete vom Brief einer mittlerweile 93-jährigen Dame, die er damals mit Lyrik zu beeindrucken versuchte und die sich noch immer fragt, warum es ausgerechnet Trakl sein musste.

Nach dem Auftritt im Grass-Haus ging es ins Große Haus des Theaters Lübeck zur offiziellen Eröffnungsfeier der sehenswerten und lohnenden Ausstellung (die LN berichteten). Da der vorgesehene Laudator Gerhard Schröder wegen wichtiger privater Verpflichtungen hatte absagen müssen, begrüßte Hans Wißkirchen das Publikum. Die Schauspieler Rebecca Indermaur und Matthias Hermann lasen dann Lyrik von Markus Lüpertz. Starke Verse, manchmal geschmacklos, manchmal auch purer Nonsens, vor allem aber wortmächtig und voll poetischer Energie. Da störten dann auch die falschen Töne in den Texten kaum, Lyrik in der Art von Free Jazz sozusagen.

Und Free Jazz kam dann mit Lüpertz am Flügel zum Ende der Eröffnung. Mit seiner fünfköpfgen Band machte Lüpertz Poly-Musik, in der zumindest scheinbar jeder machen konnte, was er wollte. In Wirklichkeit war diese Musk streng strukturiert, Lüpertz am Flügel gab Intervalle und Metrum vor, der Bass hielt ebendieses Metrum durch, und die Improvisationen der anderen Musiker blieben recht brav. Nett anzuhören, aber mit Free Jazz hatte das wenig zu tun. Als bildender Künstler ist Markus Lüpertz einfach besser. Fel

LN

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