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Kultur im Norden Glamour und Schlachthof
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19:12 22.12.2017
Neben Fotografien werden auch Modeobjekte aus den Beständen des Museums gezeigt.
Hamburg

„Madame d’Ora. Machen Sie mich schön!“ ist der Titel einer neuen Ausstellung im Museum für Kunst und Gewerbe. Gezeigt werden rund 170 Fotos aus Beständen des Hauses sowie aus anderen Sammlungen. Der Schwerpunkt liegt auf den Bildern der Nachkriegszeit, die so anders sind als ihre frühen Arbeiten.

Sie fotografierte die Schönen und Bekannten, die Schillernden. Madame d’Ora konnte mit ihren Bildern Glanz verleihen. Aber dann brachen der Nazismus und der Zweite Weltkrieg los, und als der Schrecken beendet war, suchte sie mit der Kamera den Schrecken um sich herum. In Hamburg ist das jetzt zu sehen.

Noch bis März

Die Ausstellung im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe (nahe Hauptbahnhof) läuft bis zum 18. März. Öffnungszeiten: Di bis So 10 – 18 Uhr, Do 10 – 21 Uhr. Eintritt 12 Euro. Der Katalog („Madame d’Ora. Machen Sie mich schön!“) ist im Brandstätter Verlag erschienen und kostet im Museum 39,90 Euro.

Die Frau, die sich Madame d’Ora nennt, heißt eigentlich Dora Philippine Kallmus (1881-1963). Sie wächst in einem großbürgerlichen jüdischen Haushalt in Wien auf, der Vater ist Hofgerichtsadvokat. Sie macht eine Fotografenausbildung in Berlin und eröffnet 1907 ein Atelier in Wien, in dem schon bald die Bohème verkehrt.

Sie fotografiert Schrifsteller wie Karl Kraus und Arthur Schnitzler, den Komponisten Alban Berg, den Maler Gustav Klimt und dessen Gefährtin, die Modeschöpferin Emilie Flöge. Sie fotografiert Tänzerinnen, Schauspieler, Sänger, das Haus Habsburg und 1917 die Krönung Kaiser Karls zum König von Ungarn. Sie beliefert die neuen Magazine, die zwischen den Kriegen entstehen. Sie verlegt sich vor allem auf die Modefotografie, geht nach Paris, hat Ausstellungen mit berühmten Kollegen wie Man Ray und arbeitet mit an einem veränderten Frauenbild, das Selbstbewusstsein und Stärke ausstrahlt statt Demut und Zurückhaltung. Sie hat mit Stars zu tun und wird selbst zu einem.

Aber dann besetzen deutsche Truppen Paris, sie flieht, versteckt sich auf einem Bauernhof in einem Bergdorf im Süden Frankreichs und ist nach dem Krieg eine andere. Sie geht jetzt mit ihrer Kamera in Flüchtlingslager, in die Schlachthöfe von Paris. Sie fotografiert den alten Ballettimpresario George de Cuevas im Rollstuhl und den Tänzer Serge Lifar zwischen den Grabsteinen von Monmartre.

Da hat es einen Bruch gegeben in ihrem Leben und in ihrem Blick auf die Welt. Da war Verzweiflung und Verfolgung, die Ermordung ihrer Schwester im Konzentrationslager. Da war der existenzielle Verlust einer Sicherheit, und Madame d’Ora macht sich daran, die Flüchtigkeit und Zerbrechlichkeit des Lebens festzuhalten. „Die feurige Verteidigung unserer Ideale ist die einzig bleibende Schönheit“, schreibt sie 1942 in ihrem Versteck.

Es liegt immer auch ein Geheimnis in ihren Porträts aus den Vorkriegsjahren. Sie sind Inszenierungen und mehr als das, was man sieht. Die nackte Josephine Baker wird so fast zur Skulptur, zu einer knieenden Madonna. Und als sie in die Schlachthöfe schaut, gehen die Inszenierungen weiter, aber jetzt inszeniert sie den Tod. Anfangs zumindest, später werden ihre Aufnahmen eher zu Dokumentationen.

1959 erleidet sie einen schweren Unfall, ist auf Pflege angewiesen und stirbt vier Jahre später.

Ein Großteil ihres Nachlasses liegt heute im Museum für Kunst und Gewerbe: Negative, Schriftwechsel, das Kundenbuch. Er stammt von dem Sammler Willem Grütter, den sie in den 50er Jahren kennenlernt.

Neben den Fotos zeigen die Kuratorinnen Esther Ruelfs und Cathrin Hauswald auch Modeobjekte aus den Beständen des Museums. Nach Hamburg wird die mit dem Wiener Photoinstitut Bonartes konzipierte Ausstellung im Leopold Museum Wien und in New York zu sehen sein. int

LN

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