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Glanz, Glamour und ganz stille Momente

Lübeck Glanz, Glamour und ganz stille Momente

Theater ist wie das richtige Leben, nur völlig anders. Das zeigte sich wieder einmal bei der 11. Lübecker Theaternacht. Mehr als 3000 Interessierte kauften sich Karten und machten sich auf den Weg von Spielstätte zu Spielstätte, um zu erleben, was die 28 Lübecker Bühnen bieten können. Von der großen Gala bis zum Mikrodrama war alles vorhanden.

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Das Theater Fabelhaft begeisterte mit „The Addams Family“: Britta Raddatz (v.l.) als Mutter Morticia, Göran Knippel spielt Vater Gomez, Jana Jacobs ist Tochter Wednesday, Silke Peters gibt den Sohn Pugsley.

Lübeck. Eine erfreuliche Steigerung gibt es bei den Kinderkarten zu verzeichnen – immerhin wurden knapp zwei Dutzend mehr als im vergangenen Jahr verkauft, anstatt 175 jetzt 195. Die Angebote für die Kinder waren in diesem Jahr besonders reizvoll. Vielfach gab es einen Vorgeschmack auf die Weihnachtsmärchen: Das Theater am Tremser Teich spielte Auszüge aus Peter Pan – „Wir fliegen nach Nimmerland“, das Musiktheater Piccobello unterhielt im Geisler mit Szenen aus „Ritter Rost“, im Fundus gingen „Dussel und Schussel“ auf Entdeckungsreise, das Theater Lübeck bot Unterhaltsames für die Kleinen gleich an mehreren Spielorten im Haus.

Die Lübeckerin Martina Prüser amüsierte sich mit ihrer Tochter Mona (11) und deren gleichaltriger Freundin Lilly im Figurentheater im Kolk beim „We are Pirates“, einem Gastspiel des Theaters Brausepulver. Die beiden Mädchen: „Wir sind von klein auf dabei.“ Auch Nancy Kaschner ist Stammgast bei der Theaternacht. Die 66-jährige Lübeckerin im Ruhestand mimte beim Mitmachtheater im Piratenstück auf Zuruf eine kreischende Möwe.

Zufriedenheit und Freude gab es nicht nur bei den Zuschauern, sondern auch bei den Darbietenden – 28 Bühnen, Ensembles und Projekte beteiligten sich. Im Combinale an der Hüxstraße herrschte laut dem Team um Sigrid Detloff eine „Bombenstimmung“. Aber auch die Spielstätten außerhalb der Altstadtinsel fanden großen Zuspruch. „Hoppla, die 80er“ – das Hoftheater an der Schwartauer Allee warb mit „einem bunten Musical mit Spaßfaktor“ und versprach nicht zuviel. Auf Nummer sicher ging das Theater Fabelhaft und verlegte seinen Spielort an der Schwartauer Landstraße in den Vortragssaal der Volkshochschule an der Hüxstraße und hatte volles Haus. Nahezu alle 99 Plätze waren besetzt, als die „Addams Familiy“ ihr schrilles Unwesen trieb. Theaterleiter Wolfgang Maaß ist glücklich: „Das Stück ist ein Renner. In unserem Theater sind wir bis Januar 2018 ausgebucht.“

„Bandscheibenvorfall“, hieß das Stück, aus dem die Schauspielschule der Gemeinnützigen zwei kurze Szenen zeigte. Es ging um Selbstbehauptung darin, um den Befreiungskampf zweier Frauen aus dem Büro gegen höhere Instanzen und sich selbst. Gisela Ohm-Maschler und Christine Riedel aus der Montagsgruppe bewegten sich in der freien Bearbeitung des Stücks von Ingrid Lausund großartig zwischen Wittenbrinks „Sekretärinnen“ und Loriots Jodeldiplom.

Gegenüber in den Räumen der Reformierten Kirche ging es ebenfalls um Befreiung. Der TanzOrtNord hatte dort zur Performance geladen, sechs Tänzer und vier Musiker führten zurück zu Johann Tetzels Ablasshandel und noch weiter ins Klosterleben des 13. Jahrhunderts. Viel Applaus für das Ensemble um Ulla Benninghoven und Shiao Ing Oei.

Im Theater Lübeck wurden zu vorgerückter Stunde traditionell Kostüme versteigert. Robert Brandt und Henning Sembritzki aus dem Schauspielensemble lieferten eine prima Show, wobei Brandt als Designerin Karla Laberfeld redete wie beim Shoppingkanal und Sembritzki als Assistent Guido eine formidable Funkelhose trug. Großzügig Kariertes ging dabei ebenso weg wie Burgfräuleinmode und ein Strumpfhosen-Ensemble à la Sherwood Forest. Der Erlös von etwa 500 Euro kommt dem Flüchtlingsforum zugute.

Mit viel Glanz und Glamour präsentierte sich das Musiktheater bei der Gala „Sturm und Klang“ im Großen Haus. Operndirektorin Katharina Kost-Tolmein ließ es mächtig funkeln. Zum einen durch das Aufsehen erregende silber-glitzernde Kleid, das sie trug. Zum anderen durch das Feuerwerk an Glanzpunkten aus Oper und Musical, das sie abbrennen ließ – ein Wunschkonzert mit Arien unter anderem aus „Otello“, „Carmina“, „Oliver“, „Der Barbier von Sevilla“ oder „Die Zauberflöte“. Das Publikum war begeistert – auch von der Spielfreude der Mitwirkenden. Es gab für das Philharmonische Orchester, den Opernchor plus Extrachor und die Gesangs-Solisten kräftigen Applaus.

In kleinem Rahmen gab es auf der Bühne des Großen Hauses dann noch Belcanto zum Klavier. Wioletta Hebrowska, Evmorfia Mataxaki, Johan Hyunbong Choi und das neue Ensemblemitglied Juraj Hollý

überzeugten mit Liebesliedern und Herz-Schmerz-Klassikern, kunstvoll begleitet von Alexander Winterson.

Herz und Schmerz bot auch das Theater Partout in der Vorschau auf die Winterproduktion. „Anderthalb Stunden zu spät“ heißt die zarte Liebesgeschichte, in der ein Ehepaar sich mit den Folgen des „Empty-Nest-Syndroms“ auseinandersetzen muss, nachdem auch der jüngste Sohn ausgezogen ist. Regisseur Uli Sandau und Dramaturgin Regina Marx lasen 15 Minuten aus dem Stück – man darf sich darauf freuen. dku, Fel, int, liz

LN

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