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Glühen für die Kunst

Büdelsdorf Glühen für die Kunst

Schleswig-Holstein hat ein neues Museum. In Büdelsdorf wurde für 2,5 Millionen Euro das Museum für Eisenkunstguss völlig neu gestaltet.

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In Eisen verewigt: Das 19. Jahrhundert war Blütezeit für Denkmäler aller Art.

Quelle: Fotos: Landesmuseen (3), Marco Ehrhardt, Carsten Rehder/dpa

Büdelsdorf. Es ist schwere Kunst – und ziemlich aus der Mode gekommen: Hirsche aus Eisen, Schmuck, Büsten bedeutender Menschen. Dass die Beschäftigung mit Eisenkunstguss auch heute noch lohnt, das will das Eisenkunstgussmuseum in Büdelsdorf bei Rendsburg unter Beweis stellen, das gestern nach fünfjähriger Schließung wiedereröffnet wurde. Das 1963 nach Plänen des dänischen Architekten Carl Storgård erbaute Gebäude ist rundum erneuert und in den ursprünglichen Zustand versetzt worden. Innen wird auf 400 Quadratmetern eine Ausstellung präsentiert, die sich alten Techniken auf sehr moderne Weise nähert, unterstützt von Filmen, Buzzer und Medienguide.

LN-Bild

Schleswig-Holstein hat ein neues Museum. In Büdelsdorf wurde für 2,5 Millionen Euro das Museum für Eisenkunstguss völlig neu gestaltet.

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Ohne die nahe gelegene Carlshütte wäre das Museum nicht denkbar. Die Eisengießerei, die 1827 ihren Betrieb aufnahm und 1997 geschlossen wurde, war der erste industrielle Großbetrieb im heutigen Schleswig-Holstein. Käte Ahlmann (1890-1963), nach dem Tod ihres Mannes von 1931 an Chefin der Carlshütte, gab 1960 den Bau eines Museums für ihre Eisenkunstgusssammlung in Auftrag. Die Eröffnung 1963 erlebte sie nicht mehr. Das „neue“ Eisenkunstgussmuseum ist ihrem Sohn Josef Severin Ahlmann zu verdanken. Der hatte einen großen Teil seines Vermögens der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen für die Entwicklung und Sicherung des Museums vermacht, das nun als eine der Dependancen geführt wird.

Die laut Museumsleiterin Ulrike Ernemann zuvor „statische Vitrinenausstellung“ wurde mit Hilfe von Experten aus München von Grund auf modernisiert. So hofft man, die Zahl von früher etwa 1000 Besuchern pro Jahr vervielfachen zu können. Das Gebäude, im Stil eines Wohnhauses um einen Innenhof herum erbaut, ist ein beeindruckendes Beispiel gelungener Architektur der 1960er Jahre. Ein feuerrotes Band zieht sich durch alle Ausstellungsräume: eine Lichtinstallation wie glühendes Eisen an den Wänden begleitet Besucher vom Anfang bis zum Ende. Wer das Foyer hinter sich lässt und die Ausstellung betritt, wird zunächst mit grundlegenden Informationen versorgt: über die Carlshütte, über Museumsgründerin Käte Ahlmann, über die Eigenschaften von Eisen und Möglichkeiten und Schwierigkeiten, es zu formen. Alle Schrifttafeln informieren in Deutsch, Dänisch und Englisch, die Texte sind knapp gefasst. Besucher können sehen, anfassen, ausprobieren und spielen.

Die Ofenabteilung zum Beispiel gibt einen Eindruck davon, mit welchen Geräten geheizt wurde, als es noch keine Zentralheizungen gab. Besucher können einiges über den Fortgang und die Moden bei Verzierungen erfahren – und sich selbst einen eigenen gusseisernen Ofen zusammenstellen. Zu erfahren ist, dass ein reich verziertes Stück, bekrönt mit Palmetten und Rocaillen sowie einem Adler mit ausgestellten Flügeln, im Jahr 1890 110 Mark gekostet hätte – bei einem Monatslohn von damals 60 Mark hätte ein Postbote lange dafür arbeiten müssen.

Allerlei Helden und auch einigen Heldinnen begegnet man im Abschnitt der Ausstellung, die sich dem Denkmalkult im 19. Jahrhundert widmet. Überhaupt ist das 19. Jahrhundert Schwerpunkt der Schau.

Schließlich erfuhr der Eisenkunstguss in dieser Zeit seine technische Reife und damit auch seine Blütezeit. Der Jagd und Jagdmotiven ist ein eigener Raum gewidmet. Wer will, kann dort versuchen, per Buzzer auf einer Leinwand ein Wildschwein zu erlegen.

Informationen über die Bedeutung von Gusseisen in der heutigen Zeit gibt es am Ende des Rundgangs: „Das starre und spröde Matrerial widerspricht dem Wunsch der Industrie nach größtmöglicher Flexibilität und Einsetzbarkeit“, ist zu erfahren. Ganz verschwunden sei es aber nicht. Für Gullydeckel findet Gusseisen immer noch Verwendung. Und wer kocht und brät, weiß: Pfannen aus Gusseisen sind aufgrund der guten Wärmeleitung und Haltbarkeit bisher kaum zu ersetzen.

Freier Eintritt zum Auftakt

Etwa 300 Exponate sind im Eisenkunstgussmuseum in Büdelsdorf, Ahlmannallee 5 , zu sehen. Die Sammlung Käte Ahlmanns sowie der Bestand des ehemaligen Kieler Thaulow-Museums bilden den Kern der Ausstellung. Das Museum kommt dank des Vermächtnisses von Josef Severin Ahlmann fast ohne öffentliche Mittel aus.

Geöffnet ist das Museum Di bis So von 12 bis 17 Uhr. Eintritt: 5 Euro. Heute und morgen ist der Eintritt frei. Ab 13 Uhr gibt es stündlich Führungen.

Liliane Jolitz

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