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Grenzwertiger Gesang und „bescheuerte“ Melodien

Hamburg Grenzwertiger Gesang und „bescheuerte“ Melodien

Die Schrammelrocker Sportfreunde Stiller begeisterten ihre Fans in der Alsterdorfer Sporthalle.

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Andi Erhard am Bass gehört zum Urgestein der „Sportis“.

Quelle: Jazzarchiv

Hamburg. „Die bescheuertsten Melodien machen halt den meisten Spaß!“, gesteht Peter Brugger auf der Bühne der restlos ausverkauften Alsterdorfer Sporthalle. Den 8000 euphorisierten Fans der Sportfreunde Stiller ist dieses Phänomen nicht fremd. Gerade noch hat man zum neuen Song „Unter unten“ ein verdächtig an Scooter erinnerndes „Dö-dödöp“ mitgesungen. „Habt ihr auch davon gehört, dass sich mancher gar nicht stört, wenn er das Niveau verlässt“: Zeilen wie diese lieben die Anhänger der bajuwarischen Schrammelrocker ebenso wie den grenzwertigen Gesang ihres Frontmanns.

Gerade hat das Trio einen Echo als beste Alternative Rock Band eingeheimst. Da stört es nicht, dass Kritiker die Musik der Bayern schon mal als „halbgaren Kirmesrock mit GZSZ-Texten“ umschreiben.

Kaum fällt der schwarze Vorhang zu Boden, geben die „Sportis“ mit dem Opener „Hymne auf dich“ die Losung für den Abend aus. „Raus aus dem Schatten, rein ins Licht, sich selbst ein bisschen feiern schadet nicht!“, nölt Brugger und begrüßt die Gäste mit „Mein liebes Hamburg!“ Der aktuelle Longplayer „New York Rio Rosenheim“, erstes Studioalbum seit 2007, wurde nämlich in Hamburg aufgenommen, wie der 41-jährige erzählt. In der Nähe des Studios in Rothenburgsort habe es immer eine Kiste Orangen für sieben Euro gegeben, gerade habe er wieder den Elbstrand besucht. Dass das „Sporti“-Konzert seit Monaten ausverkauft ist, findet er „fett“. Das sehen die Fans des Trios nicht anders, hüpfen und rempeltanzen, was das Zeug hält und stören sich nicht im geringsten am mit traumwandlerischer Sicherheit stets einen Ton daneben liegenden Gesang. Eine Pyramide überdimensionaler Buchstabenklötze bildet das Wort „Sportfreunde“. Mal leuchten die Quader knallbunt, mal weiß mit schwarzer Umrandung. Scheinwerfer fangen das Publikum mit Lichtkegeln ein. Dazu imitiert Drummer Florian Weber schlechtes Englisch oder intoniert an einem Mini-Casio „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“.

Gitarrist Rüdiger Linhof teilt das Publikum in Mitsingblöcke ein und springt von der Verstärkerbox. Beim wechselseitigen Frotzeln zwischen den Titeln kann sich die Combo durchaus noch etwas von ihren Konkurrenten der Spaßpunkecke, den Ärzten, abgucken. Ein wenig hilflos wirkt mitunter vor allem Sänger Peter Brugger in seiner sympathischen Bescheidenheit.

Doch die Zuschauer sind vor allem wegen der Musik gekommen. Da werden Hits wie „Applaus, Applaus“ und „Ein Kompliment“ ebenso begeistert aufgenommen wie die von Insidern geliebten Kulttitel wie „All die wunderbaren Jahre“. Im Mittelpunkt steht jedoch das neue Album. Von kauzigen Narreteien wie der NDW-Parodie „Lets' did it“ ( mit Zeilen wie „Stopp den Hirnfick“) über schlichte Rockhymnen bis zur Betroffenheitslyrik aus dem Jugendheim ist hier alles zu finden. Einen Pulitzerpreis gewinnt man damit vielleicht nicht. Wohl aber die Herzen stadionrockerprobter Fans.

Alexander Bösch

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