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Kultur im Norden „Griechen sind sehr gesellig“
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21:43 21.09.2017
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Ihre Eltern kamen als Gastarbeiter nach Deutschland und haben sich in Hamburg mit einem Kiosk selbstständig gemacht, in dem Sie auch als Kind mithalfen. Ist es Ihnen schwergefallen, darüber zu schreiben?

Nein, es ist ja mein Leben, und ich stehe dazu, dass ich in einfachen Verhältnissen aufgewachsen bin. Ich habe das nie als schlimm empfunden. Meine Eltern haben alles dafür getan, um uns ein schönes Leben zu ermöglichen.

Warum sind Sie zusätzlich zur deutschen Schule auch auf eine griechische gegangen?

Das hat damals die griechische Regierung organisiert und bezahlt, um den Kindern von Einwanderern Zugang zur griechischen Sprache und Kultur zu ermöglichen. Da wurde alles, was wir morgens auf deutsch hatten, nachmittags von 14 bis 17 Uhr nochmal in griechisch durchgenommen. Weil ich ein Jahr früher in die griechische Schule gekommen bin als in die deutsche, konnte ich dort eine Klasse überspringen.

Sie schreiben, dass der Lehrer mit Ihrem Lineal die Kinder gehauen hat.

Er hatte mitbekommen, dass ich ein großes Lineal im Ranzen hatte. Ich hatte mir dabei nichts Böses gedacht, aber er hat damit Schülern auf die Finger gehauen.

Ihnen auch?

Manchmal. Ich war zwar eine gute Schülerin, habe aber auch ab und zu den Unterricht gestört.

Ging es dort strenger zu als in der deutschen Schule?

Auf jeden Fall. Der Lehrer war eine absolute Respektsperson, in der deutschen Schule war das alles etwas lockerer.

Sie sind ja nach Lübeck von der deutsch-griechischen Gesellschaft eingeladen worden. Sind Sie so etwas wie ein Vorbild für Deutsche mit ausländischen Wurzeln?

Ja, das ist mir gerade gestern erst wieder klar geworden. Da ist ein dunkelhäutiger junger Mann auf mich zugekommen und hat gesagt: ,Ich bewundere dich so. Du bist ein Vorbild für mich.‘ Mich hat das total bewegt und gerührt, weil ich darüber normalerweise gar nicht nachdenke, was mein Leben für andere bedeutet. Aber ich freue mich, wenn ich anderen Mut mache und sie denken: Hey, man kann es schaffen, es ist nicht ausgeschlossen.

Ist das nicht auch eine Verpflichtung?

Ach nein, der Rucksack ist mir zu schwer, den schnall‘ ich mir nicht um.

Ich muss jetzt mal den guten alten Goethe zitieren, der sagt: Jeder sei auf seine Art ein Grieche.

Das würden sofort alle Griechen unterstreichen.

Was könnte er damit denn meinen?

Der Grieche ist ein besonnener Mensch und sehr stolz. Aber nicht arrogant. Er ist warmherzig, gastfreundlich, offen, trägt die Melancholie in sich, kann das aber auch sehr gut überspielen. Ich weiß ja nicht, was die zu Goethes Zeiten für Partys gefeiert haben, aber Griechen sind auch sehr gesellig. Man kann im Umfeld von Griechen immer sehr viel Spaß haben.

Dieses Gefühl vermitteln Sie selbst auch, Sie wirken grundsätzlich positiv.

Aber wie gesagt, die Melancholie ist auch Teil unseres Wesens, ich falle auch manchmal von himmelhochjauchzend tief in den Keller.

Wie oft sind Sie in Griechenland?

Etwa alle zwei Jahre.

Und wie erleben Sie die Menschen dort?

Jetzt in den Zeiten der Krise geht es vielen Menschen dort wirklich nicht gut, aber den meisten merkt man es nicht an. Sie sagen zwar, ja, es sei alles sehr teuer geworden und man müsse sehen, wie man zurechtkomme. Und dennoch bleiben sie großzügig und warmherzig. Das ist im Vergleich zu Deutschland, einem der wohlhabendsten Länder, schon auffällig. Hier hat man das Gefühl, dass ständig gejammert wird.

 Interview: Petra Haase

 

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