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Griechische Tragödie in Schlesien

Griechische Tragödie in Schlesien

Eine Warschauer Journalistin kehrt zu Recherchen in ihre Heimatstadt zurück. Drei Kinder sind dort spurlos verschwunden.

Eine Warschauer Journalistin kehrt zu Recherchen in ihre Heimatstadt zurück. Drei Kinder sind dort spurlos verschwunden. Alicja Tabor versucht, dem Rätsel auf die Spur zu kommen und erlebt eine Stadt im Aufruhr: Ein selbsternannter Prophet wiegelt die Bevölkerung auf, „Zigeuner“ geraten in Verdacht, im Internet kursieren Hassparolen. Alicja wird mehr und mehr von den Schatten ihrer eigenen tragischen Familiengeschichte eingeholt.

Alicja kehrt in das Haus ihrer Eltern zurück. Sie ist die einzige Überlebende der Familie. Ihre Schwester hat sich mit 17 Jahren umgebracht, ihre Mutter, von den Gespenstern der Vergangenheit gepeinigt, machte sich eines schrecklichen Verbrechens schuldig. Die Familiengeschichte der Tabors erinnert an eine griechische Tragödie, deren letzte Zeugin Alicja zur Nachwelt spricht.

„Dunkel, fast Nacht“, das jüngste, preisgekrönte Werk der polnischen Schriftstellerin Joanna Bator (47), ist ein Buch mit vielen Facetten: Man kann es als modernen Kriminalroman lesen oder als Kommentar zur aufgeheizten Lage in Polen. Bator setzt sich wie schon in ihren Vorgängerbüchern „Sandberg“ und „Wolkenfern“ wieder mit der deutschen Vergangenheit ihrer schlesischen Heimat auseinander. Denn auch „Dunkel, fast Nacht“ spielt in Walbrzych, dem ehemaligen Waldenburg südwestlich von Breslau, wo Bator ihre Kindheit verbrachte.

Joanna Bator verbindet verschiedene Sprachebenen und Akteure meisterhaft zu einem aufrüttelnden Roman, in dem am Ende auch die Kriminalgeschichte noch gelöst wird.

Sibylle Peine

„Dunkel, fast Nacht“ von Joanna Bator, Suhrkamp Berlin, 511 Seiten, 24,95 Euro

LN

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