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Kultur im Norden Griechisches Drama, Witz und Rap
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18:15 20.04.2017

Heinrich von Kleists Drama „Penthesilea“ aus dem Jahr 1808 ist für Jugendliche von heute schwere Kost. „Wir zogen aus, auf des Atriden Rath, / Mit der gesammten Schaar der Myrmidonen, / Achill und ich; Penthesilea, hieß es, / Sei in den scyth’schen Wäldern aufgestanden, / Und führ’ ein Heer, bedeckt mit Schlangenhäuten...“, berichtet zu Beginn Odysseus in Blankversen. Und dass Penthesileas Amazonen, die keine Männer unter sich dulden, zeugungsfähige Krieger unterwerfen wollen, um Nachwuchs zu zeugen.

Penthesilea hat sich indes in einen speziellen Griechen verliebt – in Achill, den sie nicht besiegen kann. Am Schluss zerfleischt sie den Geliebten in Raserei und tötet sich selbst.

In den Schulen ist „Penthesilea“ schon lange kein Unterrichtsstoff mehr, doch Gertje Graef (31), Regieassistentin am Theater Lübeck, wollte den Spielclub, den sie leitet und bei dessen Bühnenproduktion sie Regie führt, mit Kleists Heldin konfrontieren. Die sieben Jugendlichen zwischen 14 und 23 Jahren hätten sie nach dem ersten Lesen etwas ratlos angeschaut. „Sie hatten Probleme, die Geschichte überhaupt zu verstehen“, gibt sie preis. Die Gruppe habe dann eine eigene Fassung geschrieben. Besonders der ewige Kriegszustand zwischen den Geschlechtern, den Völkern und auch den Individuen habe die Jugendlichen interessiert, sie hätten Parallelen zu heutigen Terrorzeiten entdeckt. Auch das Gefangensein im Ego und die Konstruktion eines Ichs sind aktuelle Themen. Ganz zu schweigen vom Problem der unmöglichen Liebe. „Wir hatten bei den Proben auch sehr viel zu lachen“, berichtet Gertje Graef. Die Jugendlichen hätten ihren eigenen Witz eingebracht. Und ihren Ernst: Was zeichnet Männerfreundschaften aus, was Frauenfreundschaften?

Und so wurde aus dem Kleist- Stoff, der seit seiner Entstehung als so unzeitgemäß wie unaufführbar gilt, ein Stück von heute. Der Titel: „Rasende!“, morgen ist Premiere. Szenen aus Kleists „Käthchen von Heilbronn“ wurden eingefügt – weil diese Titelfigur eine ganz andere Form der Weiblichkeit repräsentiere als Penthesilea. Und Strophen der Rapperin Kate Tempest (32) werden rezitiert. Diese Texte zumindest sind nah dran an der kritischen Jugend der Gegenwart.

Ergibt das Ganze ein Potpourri? „Keine Angst, wir erzählen trotzdem eine Geschichte“, versichert die Regisseurin.

Premiere: Sa., 22. April, 19 Uhr, Junges Studio des Theaters Lübeck.

mib

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