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Kultur im Norden „Große Heldentaten! Mit Toten!“
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18:13 04.08.2017
Drei von 80 Blättern aus Goyas Serie „Die Schrecken des Krieges“. Darstellungen von Krieg und Gewalt hatte es auch vorher gegeben, aber Goyas Anti-Heroismus steht konträr dazu. Quelle: Fotos: Schloss Gottorf

Der Mensch ist des Menschen Wolf, und Francisco de Goya kann es beweisen. „Desastres de la Guerra“ hat er einen Bilderzyklus genannt, „Die Schrecken des Krieges“. Er erzählt darin von Folter und Schändung, von Elend und Tod. Seit Donnerstag werden die Drucke im Kreuzstall von Schloss Gottorf gezeigt.

Im Schloss Gottorf ist Francisco de Goyas kompletter Zyklus über „Die Schrecken des Krieges“ zu sehen – eine zeitlose Anklage.

80 kleinformatige Arbeiten sind zu sehen. Goya hat sie vor gut 200 Jahren in Kriegszeiten geschaffen, als der Kampf Spaniens gegen Napoleons Invasionsarmee mit der Befreiung von französischer Besatzung endete. General José de Palafox, Herzog und Verteidiger Saragossas, hatte ihn eingeladen, die Gräuel festzuhalten. Die Veröffentlichung der Radierungen aber hat Goya nicht mehr erlebt. Sie erschienen erst 1863, 35 Jahre nach seinem Tod.

Die Bilder stammen aus der Sammlung Bönsch, die das Landesmuseum im vergangenen Jahr als Dauerleihgabe für zunächst 30 Jahre erhalten hat. Nach einer gerade zu Ende gegangenen Überblicksschau ist es jetzt die erste Detailausstellung mit Werken aus diesem Bestand. Und die hat es „absolut in sich“, wie Museumsdirektorin Kirsten Baumann zu Recht sagte.

Goya zeigt mit einem unverstellten Blick die Grausamkeiten, die Menschen einander antun können. Mehr als die Hälfte der Blätter widmen sich dem Krieg, 17 dem Hunger, 16 sind allegorische Auseinandersetzungen mit Macht und Gewalt. Goya hat alle Blätter nummeriert und ihnen Titel gegeben, die manchmal treffend sind und manchmal zwischen Zynismus und Fassungslosigkeit schwanken. „Pöbel“

steht unter einer Arbeit, die eine Meute bei der Schändung eines Toten zeigt, „Er hat es verdient“ unter einer zweiten mit einer ähnlichen Szene.

Goya hat Vergewaltigungen festgehalten, Verstümmelungen und Erschießungen. „Große Heldentaten! Mit Toten!“ hat er eine Radierung mit einem Enthaupteten und zwei weiteren gefesselten und misshandelten Leichnamen genannt. Er zeigt Flüchtende, die Angst der Kinder, den Jammer der Bettler und Kranken, die Verzweiflung und Hilflosigkeit, die doppelbödige Stellung der Kirche. „Hoffentlich reißt das Seil“ steht unter einem Blatt, das einen Geistlichen auf schwankendem Seil über einer Menge zeigt. „Goya kann sehr lapidar kommentieren“, sagt der Kurator Thomas Gädeke.

Goya hat in den Blättern selbst Erlebtes und Schilderungen andere verarbeitet. Und zwar in der damals noch recht neuen Aquatinta-Technik, die ein nuancenreiches Arbeiten möglich macht. Er habe dabei Kunst geschaffen, keine Dokumentationen, sagt Gädeke. Aber er sei ein moderner Künstler, der individualisiert und sich für den Einzelnen interessiert habe. Ob er ein Pazifist gewesen sei, wisse man nicht. Er habe sich aber herausgehalten aus politischen Händeln. Andererseits galt Goya mindestens als Sympathisant Napoleons, der durch ihn auf ein Ende der verkommenen spanischen Monarchie hoffte.

Die Ausstellung läuft bis zum 26. November. Öffnungszeiten (bis Ende Oktober): Mo-Fr 10 bis 17 Uhr, Sa und So 10 bis 18 Uhr. Zur Ausstellung ist ein Katalog mit allen 80 Radierungen erschienen (19,80 Euro).

Hofmaler im Exil

Francisco de Goya (1746-1828) avancierte rasch als Künstler und war ab 1789 spanischer Hofmaler. Wenige Jahre vor seinem Tod, taub und halb blind, ging er nach Frankreich ins Exil. Die „Desastres“ sind einer von vier Radierzyklen, die er geschaffen hat. Sieben Druckauflagen hat es bis 1937 gegeben, die Gottorfer entstammt der zweiten von 1892.

Peter Intelmann

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