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Große Werke in der Kleinstadt

Schönberg Große Werke in der Kleinstadt

Kantor Christoph D. Minke gestaltet seit 25 Jahren die Kirchenmusik in Schönberg und den Musiksommer.

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„Bach ist für mich eine sinnliche Erfahrung.“ Kantor Christoph D. Minke an der Orgel von St. Laurentius.

Quelle: Musiksommer

Schönberg. Es war der dritte Advent 1990, die gängigen Adventslieder standen auf dem Programm des Chores in der St.-Laurentius- Gemeinde in Schönberg im westlichen Zipfel Mecklenburgs. Christoph D. Minke (das D. steht für David) war gerade vom Gewandhaus Leipzig als Kantor nach Schönberg gekommen, er leitete das bunte Adventskonzert, und er wusste: Hier wird demnächst etwas anderes gesungen. „Ich wollte größere Werke einstudieren. Mit einem englischen Passions-Oratorium für Orgel und Chor fingen wir im folgenden Jahr an, immer neue Werke kamen dazu“, erinnert sich der 50-Jährige.

Das ist 25 Jahre her, die Hälfte seines Lebens hat Minke in Schönberg verbracht und die Kirchenmusik der St.-Laurentius-Gemeinde über die Grenzen der Region bekannt gemacht. Mit fünf Jahren begann der in Nauen geborene Pastorensohn mit Klavierunterricht, übernahm mit zwölf den Orgeldienst in seiner Heimatgemeinde Friedenshorst, mit 17 studierte er in Greifswald Kirchenmusik, mit 23 hatte er seinen ersten Job als Assistent des damaligen Gewandhaus- Chordirektors und heutigen Thomaskantors Georg Christoph Biller in Leipzig, erlebte in der Stadt die Revolutionszeit und studierte in Weimar Orchesterleitung.

Als Minke dann in Schönberg seine erste Stelle antrat, spekulierten viele: Der bleibt nicht lange. „Davon wollte ich nichts hören. Ich habe eine aktive Gemeinde vorgefunden, viele Neugierige kamen aus Schleswig-Holstein zu uns, die Sommermusiken gab es bereits als Schönberger Musiksommer, darauf konnte ich aufbauen.“

Minke sorgt für ein, wie man heute sagt, Alleinstellungsmerkmal und erfindet die Dienstagskonzerte. „Die Menschen sollten sich einprägen: dienstags, 20 Uhr, wird ihnen in der St. Laurentiuskirche etwas geboten. Wenn die Qualität stimmt, kommen sie wieder. Das war der Plan.“

Ein sportlicher Plan, wenn man bedenkt, dass die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern und das Schleswig-Holstein Musik Festival die erste Geige im Norden spielen. Zusammen mit Konzertmanager Karsten Lessing entwickelte Minke einen Mix von klassischen Orgelwerken, geistlicher Kammermusik über Uraufführungen des Komponisten Thilo von Westernhagen bis zu Grenzbereichen des Jazz. „Junge Musiker probierten sich damals bei uns aus, wir konnten nicht viel zahlen. Heute kommen sie als gestandene Künstler wieder.“ Inzwischen sichern Zuschüsse und die Stiftung Schönberger Musiksommer eine solide Finanzierung.

2016 feiert sich der Schönberger Musiksommer zum 30. Jubiläum selbst mit der bisher längsten Spielzeit: vom 11. Juni bis zum 1. Oktober 2016. „Das bleibt eine Ausnahme“, sagt Minke, der in diesem Jahr zum Kirchenmusikdirektor ernannt wurde.

Aktuell aber steht nun Bachs Weihnachtsoratorium mit dem St. Laurentius-Chor an. Minke bekennt: „Bach ist für mich der wichtigste Komponist, da ist alles drin. Seine Musik ist eine sinnliche Erfahrung, deswegen werde ich sie immer am glaubwürdigsten rüberbringen.“

Weihnachtsoratorium in der Schönberger St.-Laurentius-Kirche: 26. Dezember, 20 Uhr, Teile I-III und Stücke aus den Teilen V und VI.

Petra Haase

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