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Großer Klang in großem Raum

Lübeck Großer Klang in großem Raum

Zum dritten Mal gibt es „Kunst am Kai“ — Schwerpunkt des Musikfestivals sind Frieden, Flucht und Neubeginn.

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Der Lübecker Hafenschuppen C auf der nördlichen Wallhalbinsel wird von Juli bis September wieder mit Musik bespielt.

Quelle: Fotos: Christoffer Greiß

Lübeck. Gabriele Pott, Gründerin und Leiterin des Festivals „Kunst am Kai“ im alten Hafenschuppen C auf der nördlichen Wallhalbinsel in Lübeck, setzt auf Experimente. „Crazy Concerts“ heißt eine neue Reihe, zu der auch ein sogenanntes Schlafkonzert gehört. Auf der Bühne wird bis in die Früh sanft musiziert, ein Dauerkonzert, das den Schlaf von etwa 120 Besuchern vertiefen und bereichern soll. Für sie werden Betten aufgestellt. „Ich hoffe, dass die Gäste am Morgen ausgeruht und frisch in den Tag gehen“, sagt Gabriele Pott.

LN-Bild

Zum dritten Mal gibt es „Kunst am Kai“ — Schwerpunkt des Musikfestivals sind Frieden, Flucht und Neubeginn.

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Mit Experimenten kennt sich die Dirigentin und Chorleiterin aus. Schließlich war das erste Festival vor zwei Jahren ein Versuch. Inzwischen weiß Gabriele Pott, dass selbst im kulturverwöhnten Lübeck ein solches Angebot seinen Platz hat. 3800 Besucher gab es im vergangenen Jahr. Zudem gibt ihr auch die veränderte politische Lage Rückenwind. Die alten Hafenschuppen sollen nun doch erhalten und mit Leben erfüllt werden. Da dürfen schon mal Ideen für die Zukunft entwickelt werden.

Das Festival 2016 — es startet am 2. Juli und endet im September — knüpft an die beiden vorangegangenen an. Kernstücke sind eine Oper für junge Menschen und ein opulentes Chorkonzert. „Ein großer Raum braucht großen Klang“, sagt Gabriele Pott. Dafür muss der Hafenschuppen wieder aufgerüstet, mit Wasser und Strom versorgt werden. Die Tribüne bietet 500 Gästen Platz, die Bühne einer dreistelligen Zahl an Mitwirkenden.

Inhaltlich setzt das Festival einen Schwerpunkt beim hochaktuellen Thema Flüchtlinge. Die Festival-Chefin hat wieder eigens eine Oper komponiert. „Gestrandet — oder: Was ist mit meinen Träumen?“

erzählt von zwei Kindern aus verschiedenen Kulturkreisen, die Freundschaft miteinander schließen. Es gehe um einen „ Neubeginn an einem unbekannten Ort, nur mit Hoffnungen und Visionen im Gepäck, alle Sicherheiten und alles Persönliche hinter sich gelassen“, sagt Pott. Besetzt ist die Oper mit einem Orchester, vier Solisten und einem Chor von 40 Kindern und Jugendlichen, zehn sollen aus Flüchtlingsfamilien kommen.

Im Foyer des Schuppens soll während des Festivals ein Café der Kulturen eingerichtet werden. Einmal pro Woche wird ein Referent aus einem der Hauptfluchtländer wie Syrien, dem Irak oder Afghanistan berichten und mit den Besuchern ins Gespräch kommen.

Auch beim Eröffnungskonzert am 2. Juli geht es multikulturell zu. Gespielt wird das Oratorium „The Peacemakers“ (2012) des Engländers Karl Jenkins. Im Mittelpunkt stehen Friedenszitate von Persönlichkeiten wie Nelson Mandela, Mahatma Gandhi oder Franz von Assisi. „Ihre Aussagen zum Frieden wurden vertont und mit ethnischen Klängen farbig instrumentiert“, sagt Gabriele Pott. Neben der Lübecker Singakademie machen Kirchen- und Gospelchöre sowie neu formierte interkulturelle Chöre mit. Beim diesjährigen Chorkonzert verknüpft das Festival Klassik und Pop. Händels Oratorium „Der Messias“ wird in Beziehung gesetzt zu Ausschnitten aus dem Musical „Jesus Christ Superstar“ von Andrew Lloyd Webber. Die Lübecker Singakademie, geleitet von Gabriele Pott, bekommt bei „Messias Superstar“ Verstärkung durch Sänger und Sängerinnen aus Lübeck und Umgebung.

„Kunst am Kai“, finanziert zu etwa einem Drittel aus eigenen Einnahmen, zu zwei Dritteln durch Stiftungen und Förderer, ist ein Mitmach-Festival auch für Menschen, die keine besonderen Vorkenntnisse und musikalischen Erfahrungen, aber dennoch Spaß am Singen haben. An drei Abenden bietet Gabriele Pott unter der Überschrift „Lübeck singt“ offene Chorproben an. Gesungen werden Stücke aus Klassik, Pop, Jazz und Rock. Teilnehmer müssen keine Noten lesen, sollten aber nach Möglichkeit den Ton halten können. Wenn‘s nicht klappt, ist dies auch nicht schlimm. Gabriele Pott: „Hauptsache, es macht Spaß.“

Das Programm

Ein „Konzert für den Frieden“ eröffnet das dritte Festival „Kunst am Kai“ am Sonnabend, 2. Juli, um 19 Uhr im Hafenschuppen C

Jugendoper : „Gestrandet — oder: Was ist mit meinen Träumen?“ hat am 3. September um 16 Uhr Premiere

Chorkonzert : „Messias Superstar“: 24. und 25. September, 19 bzw. 18 Uhr

Crazy Concerts: Schlafkonzert, 16. Juli, 22 bis 7 Uhr; Crazy Brasskonzert, 16. Juli, 19 Uhr

Lübeck singt: 6., 13. und 20. Juli von 19 bis 21 Uhr

• Internet: www.kunst-am-kai.de

Von Liliane Jolitz

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