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Kultur im Norden „Großer Vater der Melodien“
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18:12 16.06.2017
Er schuf den ewigen Soundtrack für „Winnetou“: Martin Böttcher. Quelle: Foto: Dpa

. Ohne seine Musik wären Winnetou und Old Shatterhand wohl nur halb so erfolgreich in die Filmgeschichte eingegangen. Gelesen hat Komponist Martin Böttcher dennoch kein einziges Karl-May-Buch. „Auch wenn Moderator Frank Elstner mir mal extra den ,Schatz im Silbersee’ geschenkt hat“, sagt Böttcher. „Aber ich habe die Geschichten so oft gesehen, da brauchte ich sie nicht zu lesen.“ In den Kinofilmen der 1960er Jahre spielte neben Winnetou (Pierre Brice), Old Shatterhand (Lex Barker) und Old Surehand (Stewart Granger) seine Musik die Hauptrolle. Inzwischen ist Böttcher, der heute 90 Jahre alt wird, Ehrenhäuptling. 

Den Häuptlingsnamen „Großer Vater der Melodien“ gaben die Karl-May-Spiele von Bad Segeberg Böttcher vor einigen Jahren. Wenn Apachenhäuptling Winnetou in jedem Sommer in den Vorstellungen erstmals in das Freilichttheater am Kalkberg einreitet, dann nicht ohne die berühmte Filmmelodie. Gestern stand dort die erste Präsentation einiger Szenen aus der neuen „Old Surehand“-Inszenierung auf dem Programm. Bei der Premiere am 24. Juni will Böttcher dabei sein.

Zehn Karl-May-Filme untermalte er für die Leinwand – der Urenkel eines Weimarer Hofkapellmeisters wurde damit zu einem der erfolgreichsten Filmkomponisten Deutschlands. 1962 führte seine „Old Shatterhand“-Melodie 17 Wochen lang die deutschen Charts an.

Auch für das jüngste große Filmprojekt rund um den Winnetou-Mythos wurde teilweise auf Böttchers Thema zurückgegriffen. „Vergleichen kann man die Filme aber nicht“, sagt er. Als er damals die Musik zur Karl-May-Szenerie schrieb, sei ihm dies leicht gefallen, erinnert er sich. Und natürlich gehöre sie zu seinen Lieblingsstücken. „Mit ihr hatte ich am meisten Erfolg, aber ich habe auch andere Lieblinge unter meinen Arbeiten, zum Beispiel ,Lange Beine – lange Finger‘ mit Senta Berger.“

Wie er selbst nun zur Musik fand? Während des Zweiten Weltk rieges hatte er sich in der Gefangenschaft das Gitarrenspiel selbst beigebracht. Nach dem Krieg führte ihn der Weg nach Hamburg, wo er im Tanz- und Unterhaltungsorchester des Nordwestdeutschen Rundfunks anfing. 1954 entschied er, der eigentlich Pilot war, sich endgültig fürs Komponieren. Heute schreibt er nichts mehr. „Ich habe genug komponiert, und es gibt doch gute Jungs, die das ebenso können.“

Den Preis für sein Lebenswerk hat er längst: Die Jury des Deutschen Musikautorenpreises würde ihn ihn 2016 für sein Lebenswerk. Die Begründung: „Seine Musik geht direkt ins Herz.“

LN

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