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Gurlitt-Taskforce mit einer mageren Bilanz

Berlin Gurlitt-Taskforce mit einer mageren Bilanz

Zwei Jahre lang haben Experten die umstrittene Sammlung erforscht — Nur eine Handvoll Werke hat sich als NS-Raubkunst erwiesen.

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Teil der Gurlitt-Sammlung: „Sitzende Frau“ von Henri Matisse.

Berlin. . Am Anfang gab es hochfliegende Erwartungen. Die Taskforce zum spektakulären Münchner Kunstfund von Sammler Cornelius Gurlitt sollte ihre Arbeit 2015 „im Wesentlichen“ abgeschlossen haben. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) versprach die Rückgabe von NS-Raubkunst „ohne Wenn und Aber“.

Jetzt steht das hochkarätige internationale Expertengremium vor seiner Auflösung — und vor einem Debakel, wie manche Kritiker meinen. Bei gerade mal fünf von  rund 500 raubkunstverdächtigen Werken ließ sich klar Nazi-Unrecht nachweisen: nach zweijähriger Arbeit und 1,7 Millionen Euro Fördergeldern eine  Aufklärungsquote von einem Prozent.

„Eine Blamage“, befinden Grüne und Linke. Und vor allem die Opfer sind enttäuscht. Die Taskforce habe die Aufklärung nicht genügend vorangetrieben und damit die Rückgabe von Raubkunst — anders als von den Überlebenden der Shoah und ihren Erben  erwartet — nicht zügig erledigt, kritisiert Ruediger Mahlo von der jüdischen Opfervertretung Claims Conference in Deutschland. Mitte Januar will die Taskforce offiziell ihren Abschlussbericht vorlegen.  

Seit zwei Jahren sorgt der Fall Gurlitt für Schlagzeilen. Damals war bekannt geworden, dass die Staatsanwaltschaft in der Münchner Wohnung des Eigenbrötlers mehr als 1250 hochkarätige Kunstwerke beschlagnahmt hatte. Später kamen aus seinem Haus in Salzburg nochmals fast 250 Bilder hinzu — darunter Arbeiten von Picasso, Renoir und Monet. Die jahrzehntelang geheim gehaltene Sammlung stammt von Gurlitts Vater Hildebrand, der trotz seiner teils jüdischen Abstammung einer der wichtigsten Kunsthändler der Nazis war — und nebenher eine private Sammlung aufbaute. Die Forscher sollten klären, wie viele seiner Bilder den einstigen jüdischen Besitzern von den Nazis gestohlen oder zu Spottpreisen abgepresst worden waren. 

Wer ist — neben der schwierigen Quellenlage —  verantwortlich für die magere Bilanz? Fest steht, dass viele der nationalen und internationalen Experten gar nicht selbst Provenienzforscher waren, sondern sich allenfalls als Vermittler einschalten konnten.  Im neuen Jahr soll die Arbeit nun in einem neuen Projekt unter dem Dach des Zentrums Kulturgutverluste in Magdeburg Magdeburger Zentrums weitergeführt werden. Deutschland steht dabei unter besonderer Beobachtung. Denn international gilt der Umgang mit dem Gurlitt-Erbe als ein Signal, wie sich Deutschland heute dem dunkelsten Kapitel seiner Vergangenheit stellt.

LN

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