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Gustav Radbruch — Vortrag über den Weltgeist aus Lübeck

Lübeck Gustav Radbruch — Vortrag über den Weltgeist aus Lübeck

Sie haben ihm keinen Nobelpreis verliehen. Seine Bücher erreichten keine Millionen-Auflagen, und er hat auch keine Weltpolitik betrieben. Trotzdem braucht sich Gustav Radbruch nicht hinter dem Lübecker Mannbrandtgrass-Dreiklang zu verstecken. Im Gegenteil. Er zählt zu den wenigen deutschen Juristen, die weltweit rezipiert werden. Bis heute, fast siebzig Jahre nach seinem Tod.

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„Ein wirklich guter Mensch“: Gustav Radbruch (1878-1949).

Lübeck. „Er war ein wirklich guter Mensch“, sagt Marion Eckertz-Höfer, die bis 2014 Präsidentin des Bundesverwaltungsgerichts war und Dienstag in Lübeck über ihn sprechen wird. Ein mutiger Mann, redlich und klug. Ein Gelehrter, der immer auch praktisch und politisch gedacht hat. Und der seiner Zeit in vielem weit voraus war.

Radbruch (1878—1949) stammt aus dem Lübecker Bürgertum. Sein Vater war kaisertreu, der Sohn aber fand zur Sozialdemokratie. Nach dem Abitur auf dem Katharineum — Erich Mühsam zählte zu seinem Jahrgang — studierte er Jura und lehrte als Professor in Königsberg, Kiel und vor allem in Heidelberg. Aber er brach auch immer wieder aus in die Politik. In Kiel versuchte er mit seinem Kollegen Hermann Heller beim Kapp-Putsch ein Blutbad zu verhindern. Er saß für die SPD im Reichstag und wurde in Weimarer Zeit zweimal Justizminister. Die Nazis entfernten ihn schon im Mai 1933 aus dem Dienst. Er wählte die innere Emigration, durfte aber im Ausland publizieren und Studien treiben in Oxford und Paris. Nach dem Krieg lehrte er wieder in Heidelberg. Aber er war nicht mehr gesund. Er hatte Parkinson und starb 1949, zwei Tage nach seinem 71. Geburtstag.

Das Interesse an Radbruch sei ungebrochen, sagt Marion EckertzHöfer, die selbst bei dem Radbruch-Schüler Arthur Kaufmann studiert hat. Vor allem in Japan habe sein Name einen besonderen Klang. Er sei „mit Sicherheit“ der führende Strafrechtler der Weimarer Zeit gewesen, ein „Demokrat und Relativist“, der „Recht als eine Funktion der jeweiligen Zeit“ verstanden und einem ewig gültigen Naturrecht eine Absage erteilt hat.

Dennoch weist die berühmte Radbruchsche Formel vom „Übergesetzlichen Recht und gesetzlichem Unrecht“ in diese Richtung. Radbruch hatte sie 1946 in der „Süddeutschen Juristenzeitung“ mit Blick auf die Verbrechen des Nationalsozialismus und die Rolle der Justiz entwickelt — ein Aufsatz, dessen Knappheit im krassen Gegensatz steht zu seiner Wirkung. Auch in den Mauerschützenprozessen nach dem Ende der DDR kam die Formel zum Tragen. int

„Gustav Radbruch — Rechtswissenschaftler, Politiker, Citoyen“ — Vortrag von Marion Eckertz-Höfer im Rahmen einer Reihe des Willy Brandt-Hauses Lübeck (Gemeinnützige, 16. Februar, 19.30 Uhr)

LN

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