Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Kultur im Norden AnnenMayKantereit lassen den Mojo Club tanzen
Nachrichten Kultur Kultur im Norden AnnenMayKantereit lassen den Mojo Club tanzen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:39 13.02.2019
Wenn Henning May (Mitte) von AnnenMayKantereit singt, dann singt das ganze Auditorium wie hier im Hamburger Mojo Club mit. Quelle: Fotos: Regine Ley
Hamburg

„Marie“ heißt der erste Song. Es ist ein Kickstart, die Band gibt Gas, Henning May am Mikro geht in die Vollen, und der ganze Club geht mit, ein gewaltiger Backgroundchor, lautstark und textsicher. Mit den ersten Beats machen AnnenMayKantereit das Konzert am Dienstagabend im Hamburger Mojo Club zu einer großen Party. Zu ihrer Party. Die läuft durch und hält die Stimmung, ohne jeden Hänger, bis zum letzten Takt.

Die Kölner Band ist live eine Sensation, die mehr als 40 Konzerte ihrer Tour 2019 waren kurz nach Verkaufsstart nahezu ausverkauft. Ihr phänomenaler Erfolg hat die vier jungen Musiker geradezu überrollt. Er ist handgemacht und selbst verdient. Ein Musikmärchen, das 2011 mit einer Schulband am Gymnasium anfing, auf der Straße fortgeschrieben wurde und mit einem eigenen Youtube-Kanal groß wurde. Das erste Album ist eine Eigenproduktion, 2015 nimmt Universal die Band unter Vertrag, 2016 erscheint das Album „Alles nix Konkretes“, seit dem 7. Dezember 2018 ist der Nachschlag, das Album „Schlagschatten“, auf dem Markt.

Alli Neumann überzeugt als Support

Als WarmUp für ihr Konzert hatten AnnenMayKantereit eine junge Hamburgerin auf die Bühne des Mojo-Club geholt: Die erst 21-jährige Alli Neumann brauchte nur vier Lieder, dann hatte sie das Publikum begeistert: Mit sattem Rockpop und einer Stimme, die gehört werden will, klingt sie wie ein Kind von Rio Reiser und Nina Hagen: laut, frech, direkt. Kein Zweifel. Von Alli, die 2018 im Spielfilm „Wach“ des Schleswig-Holsteiners Kim Frank zu sehen war, wird auf jeden Fall noch zu hören sein!

Es ist ein Erfolg, der die Musikbranche Staunen macht, die Jungs um Sänger Henning May nicht weniger. Auf der Bühne des Mojo Club wirken sie in manchen Momenten noch immer, als könnten sie nicht fassen, was ihnen hier gerade widerfährt. Ein Erfolg, der Kritiker auf den Plan ruft, die mit gehobener Augenbraue die Texte als belanglos identifizieren, als gefühlige Befindlichkeitslyrik einer irgendwie orientierungslosen Generation: „Alles nix Konkretes“ eben. Und ignorieren, dass AnnenMayKantereit offenbar die richtigen Punkte treffen.

„Marie“, Kickstarter des Abends und das erste Lied auf dem neuen Album „Schlagschatten“, reißt an, was AnnenMayKantereit umtreibt: Hilflosigkeit und ja, ein bisschen Resignation angesichts einer Welt am Abgrund, in die man mittenhinein gefallen ist. Die Ausschau nach Perspektiven, ein bisschen hoffnungsfroher Optimismus und Egoismus. Henning May, der die Songs größtenteils schreibt, gibt den Zeilen mit seiner unverwechselbaren Stimme eine Reife und Tiefe, die in völligem Widerspruch zu seinem nach Welpenschutz verlangenden Äußeren steht. May ist ein Romantiker, der sich nicht scheut, für seine Zeilen auch mal Rilkes Verse und dessen „Panther“ ins 21. Jahrhundert zu versetzen: „Ich glaub’, mein Blick ist vom Vorüberziehen der Städte so müde, dass er nichts mehr hält. Mir ist, als ob es tausend Städte gäbe und hinter tausend Städten keine Welt.“

Dass so viel Melancholie dennoch nicht auf die Stimmung schlägt, dafür sorgen AnnenMayKantereit mit ihrer ungeheuren Spiel- und Lebensfreude. Mit schnellen Beats, Tempo, Spaß und klaren schnörkellosen Arrangements bringt die Band ihre Fans in Partylaune und präsentiert in Hamburg zum ersten Mal ihren Freund Ferdi auf der Bühne, dessen Posaune den bekannten Songs zusätzliche Farbe gibt. AnnenMayKantereit liefern sie alle ab, ihre Hits bei denen das Publikum wirklich jede Zeile mitsingen kann: „Panama“, „Pocahontas“, „Oft gefragt“, „Barfuß am Klavier“, „Freitagabend“, „Schon krass“, „Jenny Jenny“. Dass sie auch Stellung beziehen können, haben sie gerade erst mit „Weiße Wand“, ihrem Statement zur Flüchtlingspolitik, beschrieben.

Regine Ley

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die neue Leiterin der Kunsthalle St. Annen, Antje-Britt Mählmann, möchte mehr Bilder aus der Sammlung zeigen, Spiel-Räume im Museum schaffen und mit der Kunst in die Stadt hinausgehen.

13.02.2019

Zum zweiten Kinderkonzert präsentierte das Theater am Mittwoch „Die Hexe und der Maestro“ – ein zauberhaftes Stück, das Kindern Klassik nahe bringt und ihnen nebenbei die Instrumente erklärt.

13.02.2019

Maggie Mackenthun (Foto), Pfefferminz und Glory Row lassen beim Best Of Cover Festival Vol. 15 am 16. Februar im Werkhof in Lübeck die großen Rocksongs der 60er, 70er und 80er Jahre aufleben. Mit einem 50-Jahre Woodstock Festival Special feiern die Cover-Bands die Geburtsstunde der Mutter aller Rockfestivals.

12.02.2019