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Kultur im Norden Hamburg, seine Perle
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13:03 24.10.2017
Kurz vor dem Anpfiff singen Lotto King Karl (2.v.l.) und Gitarrist Carsten Pape auf der Hebebühne „Hamburg, meine Perle“. Quelle: Felix König
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Hamburg

Es ist viertel vor vier, als ein Mann über den Parkplatz beim Hamburger Volksparkstadion geht. Jeans, kurze Haare, grüne Sporttasche über der Schulter. Bei der Eingangskontrolle hat er keine Probleme. „Lotto, du kommst so durch“, sagt der Mann an der Pforte. 

Man kennt sich. Man kennt sich schon lange. Schließlich arbeitet der Mann mit der Tasche hier. Seit mehr als zwölf Jahren ist Lotto King Karl (50) Stadionsprecher beim HSV. Zuerst mit dem Schauspieler Marek Erhard, seither mit dem NDR-Moderator Dirk Böge. Lotto ist eine Institution im Volkspark. Er gehört dazu wie die ewige Stadionuhr und Uwe Seelers Bronzefuß draußen vor der Arena.

Mit den LN: Lotto persönlich treffen

Am 28. Oktober spielen „Lotto King Karl & die 3 Richtigen“ in der Lübecker Kulturwerft Gollan. „360 Grad Tour 2017“ heißt die Tournee, benannt nach seinem aktuellen Album. 
Die Lübecker Nachrichten verlosen dreimal zwei Freikarten sowie drei handsignierte Lotto-CDs. Und treffen kann man Lotto vor dem Konzert auch noch. Teilnehmer müssen ein kurzes Video einsenden, das sie beim Singen des Refrains von „Hamburg, meine Perle“ zeigt. Man kann sich am Klavier begleiten, an der Gitarre oder an sonst etwas, das Geräusche macht; man kann auch einfach nur singen.

Die Videos sollten bis Mittwoch, 25. Oktober, 15 Uhr mit Adresse und Rufnummer per Mail geschickt werden an: MeinePerle@LN-Luebeck.de.
Betreff: Lotto King Karl

Lotto ist Hamburger von Geburt und Gemüt, Musiker im Hauptberuf mit einem guten Dutzend Alben in zwanzig Jahren und einem Konzert am Sonnabend in der Lübecker Kulturwerft Gollan. Im Stadion aber ist er vor allem HSVer. Er könnte auch in der Nordkurve stehen mit Fanschal und pochendem Herzen, aber er steht bei den Heimspielen unten neben dem Rasen, auf Augenhöhe sozusagen. Heute geht es gegen die Bayern, also die neuen Bayern mit Jupp Heynckes als Trainer. Und das, sagt er, sei ja wohl ein ziemlich ungünstiger Moment, gegen die Bayern zu spielen.

Andererseits freut er sich auch, dass die alte Truppe wieder da ist und nach dem verkorksten Ancelotti-Intermezzo zeigt, „wo die Wildgans nistet“. Er hat gerade mit Münchens Co-Trainer Hermann Gerland gesprochen, kann aber nicht sagen, wie das heute Abend hier enden wird. „Schwer“, meint er, klagt über die verschiedenen Anstoßzeiten in der neuen Saison, guckt auf die Uhr und sagt: „Oh, ich muss los, mich umziehen.“

Das Spiel beginnt um halb sieben, jetzt ist das Stadion noch leer. Ein paar Tauben picken im Mittelkreis, Techniker tragen Kabel von hier nach da. Lottos Partner Carsten Pape kommt mit einem Gitarrenkoffer in der Hand und verschwindet hinter einer Tür neben dem Spielertunnel unter der Tribüne. Hier sitzt die Regie, ein kleiner Raum voll mit Technik, Kisten und Monitoren.

Und mit Julia Papke. Sie leitet HSV-TV, ist aber auch für die Stadionshow vor dem Spiel mit zuständig und hat ein Klemmbrett mit dem Programm in der Hand: vier Seiten, vom Soundcheck um 15.55 Uhr bis zur Pressekonferenz um 20.46 Uhr, alles exakt durchgetaktet und durchgeplant. Und Lotto ist ein ganz wichtiger Teil davon. Er steht mit Dirk Böge hinter der HSV-Bank und moderiert mit ihm die Show. Sie begrüßen den „Fan des Tages“, der heute Roman heißt, seit vielen Jahren HSV-Anhänger und kürzlich 50 geworden ist. Lotto und Böge plaudern und scherzen, sie stehen mit Mikrofonen an ihrem HSV-Pult und bringen die Fans auf Temperatur.

Inzwischen hat Lotto seine schwarze Regenjacke angezogen mit dem HSV-Logo auf dem Herzen und einem gelben Meisterschafts-Stern darüber. Er ist HSV-Fan, natürlich, aber er schätzt auch den englischen Fußball, den vom FC Chelsea ganz besonders. Vor ein paar Tagen erst war er wieder an der Stamford-Bridge und hat bei der Gelegenheit auch Neil Diamond in der O2-Arena gesehen. „Musst du erlebt haben“, sagt er. „Der ist 76, unglaublich, der Mann. Als ich da bin, schickt mir ein Freund eine Nachricht aus Brooklyn, und dann spielt Neil Diamond ,Brooklyn Roads‘! Unfassbar!“

Um kurz nach vier wurde schon ein gelbes Gefährt vor die Nordtribüne gerollt. Eine Hebebühne der Firma Knaack, sie spielt eine zentrale Rolle bei den Heimspielen des HSV. Auf ihr werden Lotto und Pape später nach oben gefahren, 13 Meter hoch, es schwankt ganz gut, und dann singen sie „Hamburg, meine Perle“, die Hymne, das Glaubensbekenntnis.
„Es ist der schönste Arbeitsplatz der Welt“, sagt Pape. Anfangs war ihm das nicht ganz geheuer mit seiner Höhenangst, inzwischen aber fühlt er sich sehr wohl da oben. „Es ist eine große Ehre“, sagt er. „Das geht mir schon nahe. Das ist etwas, was du nicht kaufen kannst.“

Kurz vor sechs laufen die Bayern ein, es wird laut, auf den Rängen wird gepfiffen. Das kannst du auch nicht kaufen. Viertel nach sechs machen sich Lotto und Pape auf den Weg „zum Steiger“ und werden zu Queens „We will rock you“ nach oben gefahren. Im Mittelkreis geht Dirk Böge mit einem kleinen Jungen die Tribünen durch, die Nordkurve ist auch da, vollzählig und lautstark. Oben im Korb spielt Pape die ersten Akkorde, und dann geht es los: „Hamburg, meine Perle, du wunderschöne Stadt . . .“

Es wird mitgesungen, jeder kennt den Text. Schals schaukeln über Köpfen, der Himmel ist inzwischen dunkel geworden, aber auf den Rängen lodert es hell: „Ha Ess Vau! Ha Ess Vau! Ha Ess Vau!“ Lotto verliest die Mannschaftsaufstellung, Sirtaki vom Band, Anpfiff und nach 92 Minuten pfeift Schiedsrichter Fritz ab. Feierabend. Hamburg, seine Perle, hat 0:1 verloren. Und in anderthalb Wochen kommt Stuttgart.

Von Peter Intelmann

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