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Kultur im Norden Heiße Songs, kühle Drinks und laue Witze
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18:16 07.01.2016

. „Vielleicht haben Sie gehört, dass ich kürzlich 100 Jahre alt geworden bin. Dafür habe ich mich doch recht gut gehalten, oder?“, witzelt Sinatra-Darsteller Stephen Triffitt fast am Ende der zweistündigen Show „Sinatra & Friends“. „Aber nur mein Körper ist 100. Im Kopf bin ich immer noch 24“, fügt er hinzu.  Die Entertainer-Legende Frank Sinatra, die an Herzversagen starb, ist sowieso nicht totzukriegen. In Triffitt lebt sie auf der Bühne in Hamburgs Kulturfabrik Kampnagel weiter. Es ist erstaunlich, wie genau der Brite das Timbre von „The Voice“ Sinatra trifft, wenn er dessen Klassiker singt — und wie sehr er Mister „Ol‘ Blue Eyes“ auch optisch ähnelt. 

Triffitt ist nicht alleine da, wie das Original schart er mit Mark Adams als Dean Martin und George Daniel Long als Sammy Davis Jr. seine Freunde um sich.

Gemeinsam erinnern sie an die Konzerte, die das „Rat Pack“ in den 1960er Jahren im Sands Hotel in Las Vegas zum Publikumsmagneten machte. Nur die unterkühlt wirkende Bühne mit der leuchtenden Showtreppe verhindert an diesem Abend die volle Illusion. Auf ihr finden neben den Herren in den gediegenen Anzügen auch die neunköpfige Bigband sowie drei Sängerinnen Platz.

Die Show beginnt mit Solo-Auftritten von Sinatra und Co., bei denen dann auch die Unterschiede der Charaktere zu erkennen sind. Sinatra wiegt sanft mit den Hüften, während er „Come Fly With Me“ und „The Way You Look Tonight“ zum Besten gibt. Dean Martin torkelt über die Bühne und lässt seinen Charme spielen. An seiner Seite ein Frauenchor.

Beswingt singt er seinen Song „That‘s Amore“, für den er eine Rose aus der ersten Reihe erntet. Sammy Davis Jr. ist so flink wie ein Wiesel: Er steppt, dreht Pirouetten und pfeift zum Song „Mr. Bojangles“. 

Am besten sind sie aber zu dritt. „Mit ein paar Drinks intus wird die Show sowieso immer besser“, meint Sinatra, während er dem Publikum zum wiederholten Male mit einem Whiskey-Glas zuprostet, um dann zu sticheln: „Ach so, Sie dürfen ja gar nichts trinken.“ 

2016 wirkt alles etwas geschliffener als damals in den Sechzigern. Als Dean Martin-Darsteller Mark Adams einen Musiker mit den Worten „He is buysexual — für Sex muss er immer bezahlen“ vorstellt, sind damit auch schon die Humorgrenzen komplett ausgelotet. Da die Protagonisten die Show auf Englisch darbieten, wird mancher Witz zum Rohrkrepierer.

Nach der Pause kommen die Drei im Smoking und mit ihren größten Hits zurück. Sinatra singt inmitten der Halle „Strangers In The Night“ und holt eine der Sängerinnen als seine Tochter Nancy auf die Bühne. Mit ihren kniehohen Stiefeln, dem Paillettenkleid und den aufgeplusterten Haaren setzt sie dem Testosteron Sechziger-Charme entgegen. Sie singt alleine „You Only Live Twice“, Titelsong des gleichnamigen James-Bond- Films, dann „These Boots Are Made For Walking“ — und im Duett mit ihrem Vater-Darsteller „Something Stupid“, das die jüngere Generation wohl nur noch in der Coverversion von Robbie Williams kennt. Mittlerweile steht ein Bar-Wagen auf der Bühne. Und der beschwipste Dean Martin offenbart: „Ohne Alkohol würde ich mich für Kai Pflaume halten.“ Da lachen dann wirklich alle im Saal.

Die Rattenbande macht es sich auf Barhockern gemütlich, der kurz geratene Sammy Davis Jr. muss auf einem weißen Schemel Platz nehmen — sie intoniert „The Lady Is A Tramp“ sowie Kurt Weills „Mack The Knife“.

„Ohne diesen Song würden Sie mich nicht aus der Halle lassen“, weiß Sinatra und singt dann doch noch „My Way“ im gleißenden Lichtkegel. Auch für die Zugabe „New York, New York“, gesungen von allen Dreien im weißen Smoking, gibt‘s Riesenjubel. Ja, so könnte es damals mit dem „Rat Pack“ in Las Vegas gewesen sein. 

„Sinatra & Friends“, Kampnagel Hamburg, Jarrestraße 20. Noch bis zum 17. Januar, danach in Dortmund, Frankfurt, Köln, Berlin und München.

Katja Schwemmers

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