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Heiteres Bild einer Ersatzfamilie

LN-Serie: Lieblingsbilder im Behnhaus, Teil 2 Heiteres Bild einer Ersatzfamilie

Besucher haben die 100 schönsten Meisterwerke im Museum Behnhaus Drägerhaus gewählt, die derzeit dort zu sehen sind. Museumsleiter Alexander Bastek stellt die Top Ten vor. Heute Platz 9: „Lübecker Waisenhaus“ aus dem Jahr 1894 von Gotthardt Kuehl.

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Gotthardt Kuehl ist 1894 extra aus München angereist, um in seiner Heimatstadt das „Lübecker Waisenhaus“ zu malen.

Quelle: Behnhaus

Lübeck. Dass dieses Bild zu den beliebtesten im Museum zählt, mag zunächst verwundern, zeigt es doch das eher tragische Motiv elternloser Kinder. Der Lübecker Gotthardt Kuehl aber schuf ein heiteres Bild dieser „Ersatzfamilie“ und zudem ein Gemälde, auf dem es vieles zu entdecken gibt. Kuehl war 1894 eigens aus München angereist, um in seiner Heimatstadt zu malen. Den künstlerischen Vorlieben seiner Zeit entsprechend wählte er eine Alltagsszene, die neben einer sozialen Komponente auch einen besonderen malerischen Reiz besaß.

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Zur Darstellung des Lübecker Waisenhauses blickte er in den großen Gemeinschaftssaal, in dem die Kinder an langen Tischen sitzen und unterschiedlichen Tätigkeiten nachgehen: Die Mädchen lesen oder stricken, die Jungen spielen (wohl Schach), zeichnen oder erledigen kleine handwerkliche Arbeiten. Kuehl zeigt das Waisenhaus also als Ort, an dem die Kinder behütet in der Gemeinschaft leben. Die Bilder und die Werkzeuge an der Wand verweisen auf Arbeit und Ausbildung. Alle sind individuell beschäftigt und die Waisenhaustracht – rote Kleider mit blauen Schürzen bei den Mädchen und blaue Anzüge bei den Jungen – verbindet sie zu einer Gemeinschaft.

Einen Einblick in die mitunter großen Freiheiten bietet der Türdurchblick hinten links. Dort sieht man in einem Vorraum oder Flur einige Kinder, Jungen und Mädchen, wie sie in einem unbeobachteten Moment den Dielenschrank erklimmen.

Neben den Waisenhaustrachten sind es die Blumen und die Fenster, durch welche Licht und Farbe ins Bild kommen. Der Raum bietet ein buntes, flirrendes Bild.

Als sich Gotthardt Kuehl dem Lübecker Waisenhaus 1894 malerisch zuwandte, blickte dieses bereits auf eine fast 350-jährige Geschichte zurück. 1546/47 gegründet, zählte es zu den ältesten Waisenhäusern Deutschlands. Seit 1810 hatte es seinen Ort in der Nähe des Doms (Ecke Domkirchhof/Fegefeuer) gefunden. Kuehls Malerkollege Max Liebermann hatte sich dem Motiv des Waisenhauses erstmals 1876 in Amsterdam zuwandte. Und Kuehl selbst hatte schon 1884 ein erstes Waisenhausbild in Lübeck gemalt. Das Gemälde „Waisenkinder in Lübeck“ zeigt allerdings die im ehemaligen St. Annen-Kloster gelegene Einrichtung.

LN

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