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Helge Schneiders Reise nach Absurdistan

Hamburg Helge Schneiders Reise nach Absurdistan

„Sommer, Sonne, Kaktus. Paella in se Bauch“, intoniert Helge Schneider den Titelsong des ersten Nummer-eins-Albums seiner Karriere.

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Ganz Ton in Ton: Helge Schneider bei seinem Auftritt im Hamburger Stadtpark.

Quelle: Fotos: Jazzarchiv, dpa, LN-Archiv

Hamburg. „Sommer, Sonne, Kaktus. Paella in se Bauch“, intoniert Helge Schneider den Titelsong des ersten Nummer-eins-Albums seiner Karriere. Die krude Mischung aus englischigen Coversongs im Flamencosound und selbstgeschriebenem deutschen Nonsens kommt auch im ausverkauften Hamburger Stadtpark bestens an. Nachdem der Komiker 2011 wegen gesundheitlicher Probleme zwangspausierte, läuft es gerade wieder richtig rund: neues Album, ein in Duisburg und Spanien gedrehter Kinofilm namens „Im Wendekreis der Eidechse“ — und eben Helge live. So wie an diesem Spätsommerabend, an dem der selbsternannte König der tanzenden Blattläuse 58 Jahre jung wird.

Eigentlich wäre er lieber Chirurg geworden, verrät Schneider und erklärt im Stück „Schönheitschirurg von Banania“ sogleich, was den Damen geblüht hätte: „Ich nähe ihr die Augen an die Hacken, dann kann sie besser kacken!“ Im hübsch-hässlichen schlammfarbenen Cordanzug vernuschelt die singende Herrentorte „Mr. Bojangles“ von Sammy Davis jr., lässt seine graumelierte Begleitband Soli anstimmern, die er nach zwei Sekunden unterbricht ( „Stopp, das reicht“) und mokiert sich über die Auswüchse des deutschen Slangs („Wie geil ist das denn?“).

Das Schneidersche Absurdistan aus improvisiertem Nonsens und pseudoseriösen Jazzeinlagen wird von den Fans immer noch so heiß geliebt wie zu Zeiten des „Katzeklo“. Letzteres gibt es natürlich auch zu hören, mit neuem Gaga-Text. Bei der „Wurstfachverkäuferin“ gibt Udo Lindenberg in Form einer täuschend echten Parodie die Bestellung auf. Den unverwüstlichen „Meisenmann“ ereilt in der Neuversion das Schicksal, mit einer Nordseequalle verbandelt zu sein.

Gewohnt schräg erklingt das Soundarsenal des Maestros. Von grollender Schweineorgel und psychedelischem Gefiepse bis zu lasziver Blöckflötenseligkeit wie aus dem Soundtrack eines Softpornos zaubern Schneider und seine Altherrenband alles hervor, was das Trommelfell erschaudern lässt. Er kommt wieder: Für die Stadtpark-Saison 2014 hat sich Helge Schneider zwei Termine reservieren lassen.

Alexander Bösch

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