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Helge bereist die Nonsensrepublik

Hamburg Helge bereist die Nonsensrepublik

Altbewährt und vertraut: Helge Schneider begann seine Tour in Hamburg und kommt heute nach Kiel.

Hamburg. Für Freunde der Hamburger Stadtparksaison sind die Auftritte von Helge Schneider Ende August Pflichtprogramm. In schöner Regelmäßigkeit beehrt Deutschlands originellster Komikerkauz das von Buchsbaumhecken gesäumte Halbrund und lässt seinen gesammelten Blödsinn an zwei Tagen auf die Fans einprasseln.

 

LN-Bild

Schneider startet seine Tour mit einem Saxofonsolo.

Quelle: Jazzarchiv

2014 aber – Schneider trat mit seiner Band aus unerfindlichen Gründen als „Pretty Joe und die Dorfschönheiten“ auf – verkündete er seinen Rückzug. Gerade mal ein Jahr dauerte die Zurückhaltung, die mit einer Live-DVD namens „Lass knacken, Helge“ gekrönt wurde.

Bei der Premiere des ähnlich benannten Programms „Lass k(n)ackn Opa“ auf altbewährtem Terrain ist dann alles wieder beim Alten. Da ist die Altherrenband mit dem aus Eutin stammenden Perkussionisten Peter Thoms, mit Carlos Boes an den Blasinstrumenten und mit „Schöntrommler“ Willy Ketzer. Da ist Teekoch Bodo, der seinem Chef servil Heißgetränke auf dem Silbertablett serviert und dafür mit Dank der Marke „Sei mal freundlich, Arschloch!“ entlohnt wird. Und da ist natürlich Zauselbart Volker Bertzky alias „Sergej Gleithman“, der zum „Kleinen Meisenmann“ und an anderen humoresken Sollbruchstellen als Aerobic-Schrat mit flatternden Armen für Lacher sorgt.

Der Meister selbst – Sombrero, Sonnenbrille, kariertes Jackett – startet sonst gern pünktlich um 19 Uhr, muss wegen verschärfter Sicherheitskontrollen diesmal aber eine Viertelstunde später mit seinem Saxofonsolo beginnen. Viele Gimmicks kennt das Publikum von früheren Auftritten. Das beginnt mit der vermeintlichen Verabschiedung („So das war’s, tschüss“) nach wenigen Takten, setzt sich mit gespielten Aussetzern am Mikrofon fort und findet sich auch in der Setlist wieder. Klassiker wie die „Wurstfachverkäuferin“, „Die Trompeten von Mexico“ und „Es gibt Reis Baby“ („Schüttel dein Haupthaar!“) fehlen ebenso wenig wie das mit neuen Strophen versehene, immer wieder wegen vermeintlicher Fehler der Band unterbrochene „Katzeklo“. „Als ich das Lied geschrieben hab, wusst’ ich, das muss ich mein ganzes Leben lang singen“, gesteht der 60-Jährige. Mittlerweile weiß er: „Damit sie besser laufen kann, sind hinten auch noch zwei Tatzen dran.“

Musikalisch setzt Schneider auf Psychedelic-Experimente mit Vibrafon und Piano, auf ein kakophonisches Gebräu aus Jazz, Rumba, Dudelpolka und fiesem Schlagergesäusel. Dazwischen seine Geschichten aus Absurdistan.

„Willkommen im Altersheim“, verkündet der Multiinstrumentalist am Schluss und feixt. Mit dem letzten Album „Sommer Sonne Kaktus“ feierte er das erste Nummer-eins-Album seiner Karriere, in diesem Jahr gab es den Ehrenpreis des Deutschen Kleinkunstpreises dazu. Doch es bleibt auch künftig komisch im Hamburger Stadtpark- und in der übrigen Nonsensrepublik. „Wir dürfen jetzt ja erst alle mit 79 in Rente gehen – ach, dann komm ich nächstes Jahr wieder!“, verkündet Schneider unter Jubel.

Am heutigen Sonntag tritt Helge Schneider ab 19 Uhr in Kiel auf der Freilichtbühne Krusenkoppel auf.

Alexander Bösch

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