Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 16 ° Regenschauer

Navigation:
Herr der Rhythmen und Töne

Lübeck Herr der Rhythmen und Töne

Jan-Michael Krüger ist der neue Chef des Theaterchors.

Voriger Artikel
Theater um den Babyvornamen
Nächster Artikel
Warum sind Konzerttickets so teuer?

Jan-Michael Krüger ist mit viel Engagement in seine Tätigkeit als Chordirektor gestartet.

Quelle: Lutz Roeßler

Lübeck. Jan-Michael Krüger ist seit dem vergangenen Oktober der neue Chordirektor am Theater Lübeck. Er ist Nachfolger von Joseph Feigl, der mittlerweile in gleicher Funktion am Theater Rostock tätig ist. „Das ist jetzt meine fünfte Spielzeit hier in Lübeck“, sagt Krüger, der als Solorepetitor begonnen hat. „Jetzt steht im Vertrag neben dem Kapellmeister eben auch der Chordirektor. Der neue Job macht mir sehr viel Freude.“

Bislang absolvierte der 1982 in Potsdam als Sohn einer Musikerfamilie geborene Jan-Michael Krüger eine typische Dirigentenkarriere. Von 2003 bis 2005 studierte er am Kirchenmusikinstitut der Universität Greifswald, 2005 schloss er ein Dirigierstudium an der Hochschule für Musik und Theater Rostock bei Christfried Göckeritz an. Nach seinem Erstengagement am Theater Aachen ist er seit der Spielzeit 2011/12 am Theater Lübeck engagiert, erst als Solorepetitor mit Dirigierverpflichtung, seit 2014 als Kapellmeister und Repetitor sowie Assistent des Generalmusikdirektors. Hier dirigiert er regelmäßig Musiktheateraufführungen und ist verantwortlich für Wiederaufnahmen.

Ist der Wechsel zur Position des Chordirektors ein Umweg in der Dirigentenkarriere oder gar eine Abzweigung? Krüger: „Das sehe ich überhaupt nicht so. Ich kann als Chordirektor Erfahrungen machen, die längst nicht jeder Dirigent hat. Außerdem werde ich ja auch weiterhin das Orchester dirigieren, als nächstes werde ich ,Cosi fan tutte‘ von Felix Krieger übernehmen.“

Seit Oktober studiert Krüger mit dem Chor die Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ von Dmitri Schostakowitsch ein — eine alles andere als einfache Aufgabe. „Man muss sich in dieses Werk erst hineinfinden“, sagt Krüger dazu. „Das beginnt mit der Sprache, wir singen die Oper im russischen Original. Einige Chormitglieder sind Russen oder sprechen andere slawische Sprachen, das hilft. Aber wir haben auch einen Coach, der uns gerade die Aussprache vermittelt.“ Das wichtigste Mittel, um den Chor richtig russisch klingen zu lassen, ist die Übertragung des Textes in Lautschrift. Krüger: „Ohne Lautschrift ginge das überhaupt nicht. Erst wenn wir sprachlich weit genug sind, beginnt die Arbeit an Tönen und Rhythmen — auch das ist bei Schostakowitsch nicht einfach. Ich freue mich dennoch sehr auf die Premiere am 4. März, das war dann auch für mich eine ganz neue Erfahrung.“ Auch die weiteren Produktionen der Saison fordern den neuen Chordirektor: Auf „Macbeth“ folgt am 8. April „Romeo und Julia“

von Vincenzo Bellini, am 21. Mai geht dann Giuseppe Verdis frühe Oper „Attila“ erstmals über die Bühne.

Beim Chor und seinem neuen Direktor herrscht derzeit Aufbruchstimmung. „Es ist ganz einfach reizvoll, wenn man ein eigenes Ensemble über eine längere Zeit hinweg klanglich formen kann“, sagt Jan-Michael Krüger. „Eins meiner großen Anliegen ist die Erweiterung des Extrachores, wir können vor allem mehr Männerstimmen gebrauchen.“ Und wohin will er den Chor führen? „Ich kann mir vorstellen, dass der Klang des Chores noch sehr viel voluminöser werden wird. Die Stimmen geben das auf jeden Fall her, daran werden wir arbeiten.“

Mit dem Provisorium des MuK-Foyers als Ersatz für den gesperrten Konzertsaal geht Jan-Michael Krüger gelassen um: „Ich komme aus Potsdam, daher bin ich Kummer gewohnt. Das Theater dort ist kurz vor Kriegsende zerstört worden. Ich habe selbst noch erlebt, wie in einem großen Wellblech-Zelt gespielt wurde. Wenn es dann gehagelt hat, verstand man sein eigenes Wort nicht mehr, die Vorstellung musste abgebrochen werden. Gegen Ende der DDR wurde dann ein Theaterneubau begonnen, auf dem Gelände des Stadtschlosses. Nach der Wende wurde der dann sofort wieder abgerissen und ein neues Theater gebaut — und dort gibt es jetzt kein Musiktheater und kein Orchester mehr. Insofern kann man mit der MuK-Rotunde als Provisorium sehr zufrieden sein.“

In Lübeck fühlt sich Jan-Michael Krüger, der vor einem Jahr Vater eines Sohnes geworden ist, ausgesprochen wohl. „Ich bin hier in der Stadt und im Theater ganz wunderbar aufgenommen worden. Und deshalb kann ich mir gut vorstellen, hier noch einige Jahre zu verbringen.“

Sängerinnen und Sänger, die auf allen Hochzeiten tanzen
Der Chor des Theaters Lübeck besteht aus 27 Sängerinnen und Sängern unter der Leitung von Chordirektor Jan-Michael Krüger. Für einzelne Musiktheaterproduktionen wird der Chor ergänzt um den Extrachor des Theater Lübeck oder um den Kinder- und Jugendchor Vocalino der Musik- und Kunstschule.



Den Beruf des Chorsängers gibt es seit ungefähr 150 Jahren. Mit wachsenden Repertoires konnten die Choraufgaben nicht mehr von den zuvor eingesetzten Gesangsvereinen wahrgenommen werden. Für das Berufsbild des (Opern-)Chorsängers ergibt sich die Anforderung an einen Sängerdarsteller mit stilistischer Versiertheit.
„Der große Reiz an dieser Position als Chordirektor ist, dass ich ein eigenes Ensemble über einen längeren Zeitraum hinweg klanglich formen kann.“
Chordirektor Jan-Michael Krüger

Jürgen Feldhoff

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden