Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
„Herzensjuwel der Violinkonzerte“

Lübeck „Herzensjuwel der Violinkonzerte“

Geiger Tobias Feldmann glänzte beim Konzert der Lübecker Philharmoniker.

Lübeck. Vom ersten Ton an gestaltete der Solist Tobias Feldmann Felix Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert e-Moll op. 64 strahlend und spielte ein ganzes Orchester an die Wand. Dabei trug er nicht dick auf. Er blieb ganz bei sich und ließ die Stradivari von 1703 (eine Leihgabe der deutschen Stiftung Musikleben) durch seine lupenreine Technik und seine stets natürlich wirkende Musikalität sprechen. Das „Herzensjuwel, das innigste unter den Violinkonzerten“ nannte der berühmte Geiger Joseph Joachim das Violinkonzert. Innig waren die Lübecker Philharmoniker zu Beginn des 7. Sinfoniekonzertes unter der Leitung von Ryusuke Numajiri nicht. Sie boten lediglich eine solide Grundlage, über der sich der Solist entfalten konnte.

Bevor nach der Pause Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 4 in G-Dur auf dem Programm stand, wurde in der Rotunde der Lübecker Musik- und Kongresshalle die Klarinettistin Katharina Ruf mit dem Furtwängler Förderpreis 2016 ausgezeichnet. Er ist mit 2000 Euro dotiert und wird vom Verein der Musik- und Orchesterfreunde Lübeck vergeben.

In Mahlers Musik schwingt immer eine düstere Note mit, selbst in den lichten Passagen ist Schwermut ein Teil seiner Klangwelt. Harmlos und glatt ließ Ryusuke Numajiri die Sinfoniker viel zu lange durch das Werk gleiten und verschenkte so die ersten beiden Sätze der Mahler-Sinfonie. Vom dritten Satz an, der den Titel „Ruhevoll“ trägt, fanden er und die Sinfoniker zu einer spätromantischen Form. Jetzt waren das Geheimnisvolle und die Doppelbödigkeit der Mahlerschen Musik plötzlich spürbar.

Im vierten und letzten Satz hielt das Orchester das nun hohe Niveau, als die Mezzosopranistin Wioletta Hebrowska „Das himmlische Leben“ sang. Ihr warmes Timbre und ihre Strahlkraft von der Höhe, über die Mittellage bis in die Tiefe waren beeindruckend.

Von Cornelia Schoof

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur im Norden