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Historiker Ernst Nolte mit 93 Jahren gestorben

Berlin Historiker Ernst Nolte mit 93 Jahren gestorben

. „Griff nach der Weltmacht“ hieß das Buch, mit dem der Historiker Fritz Fischer 1961 die junge Republik erschütterte, jedenfalls Teile davon.

Berlin. . „Griff nach der Weltmacht“ hieß das Buch, mit dem der Historiker Fritz Fischer 1961 die junge Republik erschütterte, jedenfalls Teile davon. Er machte den Imperialismus des Kaiserreiches für den Ersten Weltkrieg verantwortlich, und er wusste sehr genau, was er tat. Er hatte das Erscheinen seines Buch sorgfältig orchestriert.

 

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Umstrittener Historiker: Ernst Nolte.

Als Ernst Nolte 25 Jahre später eine weitere Debatte ins Werk setzte, blieb ihm die Sprengkraft seiner Thesen ebenfalls kaum verborgen. Er habe „bewusst politisch intervenieren“ wollen, sagte sein Schüler und Assistent Wolfgang Wippermann. Das ist ihm eindrucksvoll gelungen. Der Historikerstreit gilt als eine der großen Kontroversen der Bundesrepublik.

Am Anfang stand ein Artikel Noltes im Juni 1986 in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“: „Vergangenheit, die nicht vergehen will“. Er hatte den Text eigentlich bei den Frankfurter Römerberggesprächen vortragen wollen, kam dort aber nicht zum Zuge und veröffentlichte ihn in der „FAZ“. Die Kernpassage lautete: „War nicht der ,Archipel Gulag‘ ursprünglicher als ,Auschwitz‘? War nicht der ,Klassenmord‘ der Bolschewiki das logische und faktische Prius des ,Rassenmords‘ der Nationalsozialisten?“

Der Sozialphilosoph Jürgen Habermas schrieb fünf Wochen später in der „Zeit“ eine zornige Erwiderung und warf Nolte eine Relativierung der NS-Verbrechen vor. Im Stile einer „Schadensabwicklung“ solle die deutsche Schuld im Schatten des bolschewistischen Grauens gleichsam aufgehoben werden.

Die Debatte erregte über Monate die Gemüter und spaltete nicht nur die Historikerzunft. Für Nolte endete sie mit einer „sehr schlimmen Niederlage“, so sah er das jedenfalls selbst. Er sei „völlig an den Rand gestellt, sozusagen eine Unperson“. Zum Glück aber gebe es das Internet, mit dem man sich selbst einen „Wirkungsraum“ verschaffen könne. Das blieb nicht ohne Folgen: „Er sagte zuerst, was die AfD jetzt denkt“, schrieb die „Welt“ zum 30. Jahrestag des Historikerstreits. Als Nolte im Jahr 2000 der Konrad-Adenauer-Preis der Deutschland-Stiftung verliehen wurde, lehnte es die frisch gewählte CDU-Vorsitzende Angela Merkel ab, die Laudatio zu halten.

Ernst Nolte stammte aus Witten im Ruhrgebiet und war Gymnasiallehrer, bevor 1963 sein fulminantes Buch „Der Faschismus in seiner Epoche“ erschien. Er erhielt einen Ruf an die Universität Marburg, ging nach Köln und 1973 an die Freie Universität Berlin, wo er bis zu seiner Emeritierung 1991 lehrte. Gestern ist er nach kurzer Krankheit in Berlin gestorben. Ernst Nolte wurde 93 Jahre alt.

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LN

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