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Kultur im Norden Hört bei Schießwut der Film-Spaß auf?
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22:21 25.06.2013
Ein Schauspieler distanziert sich von Gewaltszenen: Jim Carrey als patriotischer Kämpfer Colonel Stars and Stripes in „Kick-Ass 2“. Quelle: Foto: dpa

Hollywood-Komiker Jim Carrey legt den Finger in die Wunde: Der jüngste Film, in dem er mitspielt — „Kick-Ass 2“ —, sei zu gewalttätig, wetterte der gebürtige Kanadier am vergangenen Wochenende auf Twitter. Er habe den Film wenige Monate vor dem Amoklauf mit 20 toten Grundschülern im US-Bundesstaat Connecticut (14. Dezember 2012) gedreht, schrieb der 51-Jährige bei dem Kurznachrichtendienst. Jetzt könne er die Gewaltexzesse nicht mehr guten Gewissens befürworten. „Ich schäme mich nicht dafür, aber die Ereignisse in jüngster Zeit lassen mich das jetzt einfach anders sehen.“

In der Fortsetzung der Comic- Adaption „Kick Ass“ gehen als Superhelden verkleidete Jugendliche auf brutale Weise gegen Widersacher vor. Autor und Produzent Mark Miller feuerte in einem Blog zurück. Als Geschichtenerzähler sei es sein Job, die Leute zu unterhalten. „Unser Werkzeugkasten darf nicht durch die Einschränkung von Waffen in einem Action-Film sabotiert werden.“

Carreys Sinneswandel löste eine Flut von Kommentaren aus.

Wie viele prominente Kollegen hat sich Carrey in der Vergangenheit mehrfach gegen Gewalt und für schärfere Waffengesetze ausgesprochen. Nach dem Amoklauf bei einer „Batman“-Vorstellung in Aurora (Colorado) mit zwölf Toten und 70 Verletzen vor einem knappen Jahr ging ein Aufschrei durch Hollywood. Und nach dem Massaker an der „Sandy Hook“-Grundschule meldeten sich Stars wie Jamie Foxx, Lady Gaga und Robert Redford mit Unterschriftenkampagnen und Kritik zu Wort. US-Präsident Barack Obama wollte schärfere Gesetze, der Kongress hat bisher alle Vorstöße abgeschmettert.

Viele Kinofilme sind in diesem Sommer unverändert mit Gewalt gespickt. Das Poster zu Roland Emmerichs Action-Film „White House Down“ zeigt Channing Tatum als Bodyguard des Präsidenten mit Maschinengewehr und Pistolengürtel. Denzel Washington und Mark Wahlberg zücken auf dem Plakat für „2 Guns“ ihre Waffen.

Regisseur Quentin Tarantino, dessen jüngster Film „Django Unchained“ allerlei Massaker bietet und der mit „Pulp Fiction“ 1994 das Genre des Gewaltfilms neu definierte, wies schon vor Monaten eine Verbindung von brutalen Filmen und realer Gewalt kategorisch zurück. Waffenkontrolle und die psychische Verfassung der Täter seien das Problem, sagte er . Auch Arnold Schwarzenegger verteidigte die Schießereien in seinem Film „The Last Stand“. Die Zuschauer sollten daran einfach Spaß haben.

Dagegen forderte Robert Redford in diesem Jahr bei der Eröffnung des Sundance-Festivals eine ernsthafte Debatte über Gewalt in Filmen: „Ich denke, es ist nicht nur angebracht, sondern überfällig, diese Diskussion zu führen“, mahnte der Hollywoodstar.

Auch die Autoren diskutieren kontrovers: Schon als kleines Kind habe er von seinem Vater eine Waffe in die Hand gedrückt bekommen, um den Umgang damit zu lernen, sagte US- Schriftsteller Jonathan Franzen („Die Korrekturen“) im Februar der Nachrichtenagentur dpa. „Mein Vater war der größte Pazifist der Welt, aber er ist eben auf dem Land aufgewachsen.“

Franzen spricht sich aber offen für strengere Waffengesetze in den USA aus: „Ich bin absolut für mehr Kontrolle und besitze auch keine Waffe.“ Die meisten Waffenbesitzer seien verantwortungsbewusst, glaubt Franzen. „Und die sind natürlich zu Recht sauer auf Menschen, die einfach aus Prinzip gegen Waffen sind.“

Sein Schriftstellerkollege Stephen King, bekannt für Horror- Schmöker wie „Shining“, „Friedhof der Kuscheltiere“, „Es“ und zuletzt „Joyland“, hat ein ganzes Buch über das Thema geschrieben. „Schärfere Waffengesetze würden tausende Leben retten“, schreibt er in dem Anfang des Jahres veröffentlichten E-Book „Guns“ und fordert Politiker auf, endlich zu handeln und halbautomatische Waffen zu verbieten. Aber: King selbst besitzt drei Pistolen, wie er in dem Buch zugibt.

Schon im Jahr 2002 stellte Regisseur Michael Moore in dem Dokumentarfilm „Bowling for Columbine“ die Frage: „Sind wir verrückt nach Waffen — oder einfach nur verrückt?“ Anlass für den waffenkritischen Film war das Schulmassaker an der Columbine Highschool in Colorado. Zwei Teenager ermordeten 1999 zwölf ihrer Mitschüler und einen Lehrer und erschossen sich selbst. Hollywood verlieh Moore 2003 einen Oscar. Doch auf der Leinwand wird weiter geballert.

Der Film
In „Kick-Ass 2“, einem Film von Jeff Wadlow, spielt Jim Carrey den Colonel Stars and Stripes, der die Amateur-Helden-Gruppe „Justice Forever“ anführt. Diese unterstützt den jugendlichen Superhelden „Kick-Ass“ Dave (Aaron Taylor-Johnson). Das Böse repräsentiert Chris D‘Amico (Christopher Mintz-Plasse), der sich „The Motherfucker“ nennt. Er und seine Gang wollen die Mitglieder von „Justice Forever“ abmurksen.

Bereits der erste Teil der Comic-Verfilmung wurde wegen der glorifizierenden Darstellung von Gewalt stark kritisiert. In Deutschland kommt „Kick-Ass 2“ am 15 August in die Kinos.

Barbara Munker und Christina Horsten

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