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Hollywoods Klangmeister

Lübeck Hollywoods Klangmeister

Der Filmkomponist Hans Zimmer geht auf Europatournee und bringt seine Soundtracks erstmals mit großem Orchester live auf die Bühne — am 18. April auch in Hamburg.

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Für zahlreiche Blockbuster Hollywoods webte Hans Zimmer den passenden Klangteppich: „Gladiator“, „The Dark Knight“, „Fluch der Karibik“, „Rain Man“, „Da Vinci Code — Sakrileg“ (von oben).

Lübeck. D er Mann ist tonangebend für das amerikanische Kino. Hans Zimmer hat den Sound Hollywoods geprägt wie kaum ein anderer. Seine Kompositionen haben zahlreichen Filmen Tiefe und Kraft, ihren Bildern einen Rhythmus gegeben. Wer über den Filmkomponisten Hans Zimmer spricht, kommt kaum ohne Superlative aus — ein Genie nennen ihn nahezu unisono die Regisseure, die dem gebürtigen Deutschen den Soundtrack ihrer Werke anvertraut haben. „Für mich gibt es aktuell keinen Komponisten, der mehr dafür getan hat, das Klangbild zeitgenössischer Filme zu prägen“, sagt Regisseur und Filmproduzent Christopher Nolan.

LN-Bild

Der Filmkomponist Hans Zimmer geht auf Europatournee und bringt seine Soundtracks erstmals mit großem Orchester live auf die Bühne — am 18. April auch in Hamburg.

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Für ihn hat Hans Zimmer gleich mehrere Filme wie „Batman Begins“, „Inception“ oder „Interstellar“ vertont. Die Produzenten und Regisseure bleiben Zimmer oft über viele Filmproduktionen hinweg treu. Der 58-Jährige ist ein manischer Arbeiter. In seinem Studio Remote Control Productions in Santa Monica produziert er Filmmusiken in Serie — und ist dabei über mehr als drei Jahrzehnte so einfallsreich geblieben, dass seine Soundtracks zu musikalischen Markenzeichen für zahlreiche Blockbuster geworden sind. „Fluch der Karibik“: undenkbar ohne den Soundtrack, der den wahnwitzigen Parforceritt der Piraten mit der Black Pearl über die Weltmeere trägt. Für „Interstellar“ ließ Zimmer die Stille des Weltraums erdröhnen. „Madagaskar“ wäre nur der halbe Spaß ohne die musikalischen Eskapaden der sangesfreudigen Pinguine; der furchteinflößende Irrsinn des Jokers aus „The Dark Knight“ und „The Dark Knight Rises“ würde ohne den Klangboden der Figur weniger nachhallen.

Zimmers Filmmusiken sind vielfach preisgekrönt: ein Oscar, zwei Golden Globes, vier Grammys. Sein Name ist längst mit einem Stern in den Hollywood Walk of Fame eingeschrieben, aber auf den Straßen von Los Angeles würde kaum jemand den Soundmaster Hollywoods erkennen. Der Mann bekommt die kalifornische Sonne kaum zu Gesicht. Hans Zimmer scheut das Tageslicht und arbeitet in einem fensterlosen Studio — um die Zeit zu vergessen bis eine Arbeit ausgereift ist und ihm dazu nichts Neues mehr einfällt. Unter Mitarbeitern und in der Branche wird dieser in dunklem Holz und gedämpftem Rot gehaltene Raum, ausgestattet mit einer riesigen Arbeitsstation aus Keyboards, Synthesizern und Computertechnik, nur „Hans‘ Höhle“ oder auch „das Mutterschiff“ genannt.

Hier erfindet Zimmer immer neue Tonfolgen, aus denen in den Studios um ihn herum rund 70 Mitarbeiter — Musiker, Techniker, Komponisten — Klangteppiche für Filmbilder knüpfen und nahezu rund um die Uhr an den musikalischen Mustern feilen, ihre Feinheiten herausarbeiten bis der Meister zufrieden ist. Das kann dauern. Oftmals bis zur absoluten Deadline. „Die schlafen nie“, sagt Regisseur Jim Brooks in einer Filmdokumentation über das rastlose Schaffen in dieser Brutstätte des Kino-Sounds.

Den Zündfunken dafür gab Ennio Morricones legendärer Soundtrack zum Western „Spiel mir das Lied vom Tod“. Hans Zimmer sah den Film als Zwölfjähriger und wusste, was er in seinem Leben tun wollte:

„Ich war zu nichts anderem zu gebrauchen. Ich konnte nur Musik machen.“ Der Sohn eines Frankfurter Fabrikanten wechselte die Schulen wie seine Schuhe. Nach sieben deutschen Schulen fand er in der englischen Reformschule Hurtwood House die Freiheit (und einen Kellerraum), um sein musikalisch-technisches Talent zu entwickeln. Klavierunterricht, nach zwei Wochen abgebrochen — mehr musikalische Ausbildung hat Zimmer nach eigener Aussage nie genossen. Genug, um dem Kino neue Klangwelten zu erschließen.

Nun verlässt Hans Zimmer das kalifornische Mutterschiff und geht mit seinen besten Filmmusiken auf Europa-Tournee: 18 große Hallen in zehn Ländern, nur Licht und Sound, ein großes Orchester — und ein Mann allein mit vor Lampenfieber „schlotternden Knien“. Warum er es trotzdem tut? „Ich habe 30 Jahre damit verbracht, mich hinter einer Leinwand in einem dunklen Raum zu verstecken. Jetzt ist der Punkt gekommen, an dem man zu sich stehen und zeigen muss: Was ist dahinter?“

Hans Zimmer — aus dem Taunus in die Kinosäle

Der einflussreiche Filmkomponist ist als Sohn eines Unternehmers in einer Villa im Taunus aufgewachsen. Hans Zimmer, 1957 in Frankfurt am Main geboren, verlor seinen Vater mit sechs Jahren. Die Mutter schickte den Jungen auf ein englisches Internat, wo er seine Kreativität entfalten konnte. In London lernte Zimmer 1980 den Filmkomponisten Stanley Myers kennen, wurde dessen Assistent.

Der Soundtrack zu „Rain Man “ brachte dem 30-jährigen Zimmer 1988 den Durchbruch, die Musik für den Animationsfilm „Der König der Löwen“ 1995 einen Oscar. Bis heute hat Hollywoods Soundmaster Hunderte von Filmmusiken geschrieben.

Live zu hören sind seine besten Kompositionen am 18. April in der Barclaycard-Arena in Hamburg.

Von Regine Ley

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