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Kultur im Norden „Holsteinherz“ erzählt die Geschichte von Holstein Kiel
Nachrichten Kultur Kultur im Norden „Holsteinherz“ erzählt die Geschichte von Holstein Kiel
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19:35 03.11.2018
Die älteste Holstein-Fangruppe „Die Elite“: Klaus Zitzke, Ralf Henningsen, Axel Thoms und Christian Arnold (v. l.). Quelle: Joker Film
Kiel/Lübeck

Am Anfang gab es 80 Kartons voller Geschichten. Historische Postkarten der ersten Mannschaften, Klischees für den Zeitungsdruck, Fan-Devotionalien und alte Eintrittskarten für Holstein Kiel. Fritz Hansen (1928-2012), Eckernförder Fußballer und eingefleischter Holstein-Fan, hat das Material akribisch gesammelt, das voriges Jahr im Umzugslaster bei der Filmfirma Joker Pictures ankam. Grundstoff für den Dokumentarfilm „Holsteinherz“ von Johanna Jannsen und Jess Hansen, der am 4. November um 19.15 Uhr bei den Nordischen Filmtagen in Lübeck Premiere hat.

Holstein Kiel: Auf und Ab der Vereinsgeschichte

„Mich hat einfach das Stehaufmännchen interessiert“, sagt Jess Hansen, der vor zehn Jahren eine erste Reportage über den Kieler Fußballverein drehte, danach zum Dauerkartenbesitzer wurde und auch das Stadionfernsehen für den aktuellen Zweitligisten betreut. „Das ist spannend, wie so ein Underdog-Verein es immer mal wieder nach oben schafft. Dass die in ihren Anfängen so ganz gegen die Tradition von Turnvater Jahn antraten, der von Fußball nichts hielt. Außerdem ist Fußball wie das Leben: In einem Spiel kann sich das Blatt auch jederzeit wenden.“

Das Auf und Ab der Vereinsgeschichte nimmt der Film auf, treibt locker durch Zeiten und Räume. Da ist die Geschichte, wie Stürmer Emil Maier Anfang der Fünfziger nach einer heftigen Feier erst im Schaufenster des Traditionskaufhauses Meislahn landete und dann in der „Blume“, wo ihn die Polizei in Gewahrsam nahm. Oder die von Abwehrspieler Jochen Aido, der in den Siebzigern auf dem Weg zum Auswärtsspiel allen Ernstes einmal auf der Raste vergessen wurde. Es gibt angeschrammte Bilder von der ersten Holstein-Mannschaft, die 1912 Deutscher Meister wurde, vom zweiten Anlauf im Finale 1930 gegen Hertha BSC, von Heini, der im Vereinsheim hinterm Tresen stand, oder von dem Flitzer, der als erster und einziger über das Spielfeld im Holsteinstadion sauste.

Holstein-Experte Christian Arnold: „Idee einer Zeitreise“

„Wir hatten die Idee einer Zeitreise, in der sich Vergangenheit und Gegenwart begegnen“, so die Filmemacher, die dabei auf die Hilfe von Rechercheur und Holstein-Experte Christian Arnold zurückgreifen konnten. Die alten Bilder haben Hansen und Jannsen mit dem Heute verknüpft, dafür altgediente Spieler befragt wie die Brüder Tönnsfeldt, Eggert Dölling oder die Amateure, die 1961 in Hannover Deutscher Meister wurden und sich damals über den Preis eines Wilhelm-Busch-Albums freuten. Außerdem kommen zwischen Ausschnitten aus den nervenzehrenden Spielen der vergangenen Saison die Fans zu Wort wie Axel Thoms, Ralf Henningsen und Klaus Zitzke vom dienstältesten Club „Die Elite“. Oder die Holsteinblogger Frauke und Matthias Hermann, die seit 2006 jedes Spiel verfolgen: „Dafür geht dann auch der Jahresurlaub drauf . . .“

„Wir wollten zeigen, wie der Fußball auch ihr Leben ist“, sagt Johanna Jannsen, die das Ehepaar ins Holstein-Stadion und zu Auswärtsspielen, beim obligatorischen Wursttest und beim Mitfiebern im Relegationsspiel für die Bundesliga begleitet hat. „Von der Begeisterung habe ich mich irgendwann anstecken lassen“, sagt die Filmemacherin aus Flensburg, die bei Holstein-Spielen mittlerweile selbst mitfiebert: „Der Ticker lief natürlich mit am letzten Sonntag beim Spiel gegen St. Pauli.“

Quer durch Zeiten und Räume rauscht der Film, ein wild bewegtes Puzzle oder, wie Jess Hansen es nennt, „eine Art Sittengemälde rund um Holstein Kiel“. „Wir wollten nicht nur Jubelszenen zeigen“, sagt der Filmemacher, „sondern wie sich der Fußball über die Jahrzehnte auch verändert hat“.

Ruth Bender

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