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Holstentor-Museum wird neu gestaltet

Lübeck Holstentor-Museum wird neu gestaltet

In der nächsten Woche wird sich eine öffentliche Tagung mit der Zukunft des Holstentor-Museums beschäftigen. Einzelheiten über die anstehenden Veränderungen sind noch nicht bekannt.

Quelle: Markus Scholz

Lübeck. Fest steht aber, dass in der alten Stadtbefestigung ein neuer Typ von Stadtmuseum entstehen soll. „Wir müssen das Holstentor-Museum aus mehreren Gründen umgestalten“, sagt Hans Wißkirchen, Leiter der Kulturstiftung der Hansestadt, in der alle Lübecker Museen mit Ausnahme des Hansemuseums zusammengefasst sind. „Die jetzige Ausstellung stammt aus dem Jahr 2003, sie ist eigentlich nicht mehr vorzeigbar. Ihr Hauptthema ist außerdem ,Die macht des Handels‘, das überlappt sich mit der Ausstellung des Europäischen Hansemuseums. Deshalb planen wir eine völlig neue Ausstellung im Holstentor, das dennoch seinen Charakter als Sehenswürdigkeit behalten soll.“

LN-Bild

In der nächsten Woche wird sich eine öffentliche Tagung mit der Zukunft des Holstentor-Museums beschäftigen. Einzelheiten über die anstehenden Veränderungen sind noch nicht bekannt.

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„Sehenswürdigkeit“ bedeutet in diesem Zusammenhang auch, dass auch im „neuen“ Holstentor die Folterkammer zu sehen sein wird — obwohl sich im Holstentor niemals eine solche Einrichtung befunden hat.

„Die Folterkammer ist äußerst beliebt bei den Besuchern, deshalb werden wir sie auch weiterhin zeigen“, sagt Hans Wißkirchen dazu.

Die genauen Pläne für die Neugestaltung will Wißkirchen erst im Laufe der Tagung bekanntgeben. Erste Anhaltspunkte darauf, wie es künftig im Holstentor aussehen könnte, gibt er dennoch. Das neugestaltete Museum soll sich grundlegend von klassischen Stadtmuseen unterscheiden: „Dort wird fast immer anhand von Exponaten und Schautafeln die Historie der Stadt chronologisch erzählt. Das wollen wir nicht mehr kopieren, schon allein, weil wir im Holstentor nur eine Ausstellungsfläche von 400 Quadratmetern zur Verfügung haben.“ Stattdessen sollen zentrale Themen der Lübecker Geschichte mit Exponaten erzählt werden. Dazu gehört unter anderem auch die Geschichte des Holstentores. Und die Geschichte der Stadt vom 17. Jahrhundert bis in die Gegenwart. „Die Geschichte der Hansezeit wird im Hansemuseum dargestellt“, sagt Wißkirchen, „um dieses Thema können wir deshalb einen Bogen machen. Es wird aber Verknüpfungen mit den anderen Museen geben, mit dem Hansemuseum und dem St.-Annen-Museum sowie mit dem Buddenbrookhaus.“

Ohne alle Einzelheiten zu verraten, sieht Wißkirchen die Internationale Vernetzung Lübecks im 19. Jahrhundert als wichtiges Thema für eine zukünftige Dauerausstellung. „Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Lübeck 160 Konsulate, die Stadt war mit der ganzen Welt verbunden. Dieses Thema können wir ganz besonders gut mit Exponaten aus der Völkerkundesammlung belegen, die ja vor allem von Lübecker Kaufleuten zusammengetragen worden ist. Damit könnten wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, weil uns für eine Neueröffnung des Völkerkundemuseums die Mittel fehlen.“

„Fremd in Lübeck“ wird ein weiteres Thema sein, das bis ins frühe Mittelalter zurückreicht und zur Zeit wieder neue Bedeutung gewinnt. „Gerade aus Westfalen sind viele Menschen im Mittelalter nach Lübeck gezogen, Namen wie ,Fehling‘ oder ,Westfehling‘ belegen das bis heute. Die Fähigkeit, fremde Menschen aufzunehmen, hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg gezeigt, als sich durch die Flüchtlinge aus dem deutschen Osten die Einwohnerzahl Lübecks verdoppelte. Jetzt stehen die Stadt und ihre Bürger wieder vor einer solchen Herausforderung.“

Ausgrenzung in Lübeck wird sich ebenfalls im neugestalteten Holstentor-Museum finden lassen, wenn die Planungen alle politischen und bürokratischen Hürden hinter sich gelassen haben werden.

Wißkirchen: „Die Verbannung der Juden nach Moisling ist einer der wunden Punkte der Stadtgeschichte. Auch die großen Schwierigkeiten, die mit dem Erwerb des Lübecker Bürgerrechts verbunden waren — in dieser Hinsicht waren sich die vier freien Städte Frankfurt, Bremen, Hamburg und Lübeck alle sehr ähnlich. Immerhin aber war es ein Bürgerrecht — man war in den Städten keiner Adelswillkür ausgesetzt wie in den anderen Territorien des Deutschen Reiches oder später des Deutschen Bundes.“

Bei der Tagung in der kommenden Woche werden die Berliner Ethnologin Viola König und die in Lübeck wohlbekannte Historikerin Antjekathrin Grassmann Vorträge zum Thema halten. Viola König, Leiterin des Ethnologischen Museums in Berlin, wird die Planung zum Humboldt Forum vorstellen. Antjekathrin Grassmann widmet sich der Frage, inwiefern etwa Sammlerstücke aus Zentralafrika einen Platz im Holstentor verdient haben — oder auch nicht.

Die Tagung beginnt am Donnerstag, 19 Uhr, im Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung (Königstraße 42) und wird am Freitag um 10 Uhr im Holstentor fortgesetzt; der Eintritt ist frei.

Tor mit Geschichte

Das 1478 erbaute Holstentor ist neben dem Burgtor das einzig erhaltene Lübecker Stadttor. Es begrenzt die Lübecker Altstadt nach Westen. Wegen seines hohen Bekanntheitsgrades — es schmückte den alten 50-DM-Schein — gilt es heute als Wahrzeichen der Stadt. Das spätgotische Gebäude gehört zu den Überresten der Lübecker Stadtbefestigungsanlagen. Das Mauerwerk von Schießscharten durchsetzt. Zur Feldseite, der der Stadt abgewandten Seite ist die Mauerdicke gewaltiger als zur Stadtseite: 3,5 Meter im Vergleich zu weniger als einem Meter. Im 19.

Jahrhundert kam es zu einem Streit um den Abbruch des Holstentores, weil es den Ausbau der Eisenbahn behinderte. 1863 entschied die Bürgerschaft mit einer Stimme Mehrheit, das Gebäude nicht abzureißen.

Von Jürgen Feldhoff

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