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Kultur im Norden Hommage an einen Eigenwilligen
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20:41 29.06.2017
Rolf Goerler (1937 bis 2006) und die Harfe des Orpheus: Christine Roggenkamp in der Ausstellung zum 90. Geburtstag ihres Mannes. Quelle: Foto: Lutz Roessler
Lübeck

Die Aufgabe schien schier unlösbar. Christine Roggenkamp, Witwe des Lübecker Künstlers Rolf Goerler, und Galerist Frank Siebert hätten Monate gebraucht, um den kompletten Nachlass zu sichten. Dann kamen die beiden aber doch schnell zu einer Lösung. Aus der Fülle der Werke wählten sie 32 aus, die sich zumeist auf eines der Lieblingsthemen Goerlers beziehen:

auf den sagenhaften Meistersänger Orpheus. Was die Arbeiten noch verbindet: Ein Großteil wird erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Ausstellung „Hommage à Rolf Goerler (1927-2006)“ würdigt einen Künstler, der ungemein produktiv, ungemein vielseitig und auch so eigenwillig wie klar war. 2009 zeigte das Kulturforum Burgkloster, das inzwischen im Europäischen Hansemuseum aufgegangen ist, eine große Ausstellung zum Lebenswerk des Künstlers. In deutlich kleinerem Rahmen wird nun an Goerler erinnert, der gestern 90 Jahre alt geworden wäre.

Eine Hommage, die auf 25 Quadratmeter begrenzt ist, muss sich naturgemäß auf einen winzigen Ausschnitt aus dem Schaffen des Künstlers beschränken. Dennoch vermittelt die Ausstellung einen Eindruck davon, wer Goerler war, wie er arbeitete, was ihn ausmachte.

Im Zentrum steht eine seiner Klangskulpturen aus Holz und Metall. Man kann sie berühren, sie bewegen, in verschiedene Richtungen drehen, und man könnte auf ihr spielen – auch wenn die meisten Besucher sich dies nicht trauen. Der passionierte Cello-Spieler Goerler hat die Harfen-Skulptur mit echten Saiten ausgestattet.

Goerler liebte die Musik, und er liebte das Meer. Neben Gemälden, Kaltnadel-Radierungen, Skulpturen, Monotypien finden sich in der Schau auch einige Werke mit Bezug zur großen Leidenschaft des Künstlers, dem Segeln. Drei Meerjungfrauen aus Bronze zum Beispiel. Christine Roggenkamp weiß zu jedem Werk ihres Mannes eine Geschichte zu erzählen. Die Wachsformen, so berichtet sie, habe ihr Mann beim Sommer-Aufenthalt auf dem Boot in Schweden in Plastiktüten mit Ostseewasser gekühlt. Sie, die hin und wieder in Lübeck nach dem Rechten sehen musste, habe schon auf der Fähre als erstes die Küche aufgesucht, um weitere ausreichende Kühlung sicherzustellen.

Mit Ostseewasser wurde an Bord gekocht, und auch für einige seiner Aquarelle fand es Verwendung. Wenn sich darin Sand befand, empfand er dies nicht als störend, sondern als Bereicherung. Mit dem Aquarellieren, so seine Witwe, habe der Künstler übrigens die Feinheit seiner Hände trainiert. Die habe er gebraucht – unter anderem für das Cellospiel.

Bis zum 26. 8., Große Burgstraße 39

liz

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